Wladimir Solowjow: Der jüdische Hitler-Fan ist auch Guinnessbuch-Rekordhalter

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Wladimir SolowjowPutins Propagandist: Der jüdische Hitler-Fan ist auch Guinnessbuch-Rekordhalter

Wladimir Solowjow ist Jude und mag Hitler. Er hasst Amerika, aber hat dort eine Zweitfamilie und einen US-Pass. Putins Chef-Propagandist ist voller Widersprüche.

Darum gehts

  • Solowjow ist einer der bekanntesten Moderatoren im russischen TV.

  • Dort fungiert er als nationaler Propaganda-Einpeitscher des Kremls.

  • Da er seine Positionen jederzeit anpasst, nennt man ihn «Chamäleon». 

  • Der Ukraine und dem Westen wünscht er das Schlechteste. 

  • In Italien unterhielt er dennoch Villen und in den USA eine Zweitfamilie. 

  • Geleakte Dokumente aus dem Kreml zeigen, dass Putins Propagandaprinz Millionen wert ist. 

In seiner Sendung präsentiert sich Wladimir Rudolfowitsch Solowjow gern im Pullover mit Sowjet-Symbolik, auf seinem Laptop klebt ein grosses «Z».

Der 60-Jährige gehört zu den bekanntesten Gesichtern im russischen Staats-TV und moderiert mehrere Sendungen, vor allem die Talkshow Sonntagabend auf Rossija 1. Auch auf seinem Youtube- und Telegram-Kanal folgen ihm Millionen.

Und Solowjow scheint die Bühne zu lieben. Er war so oft im russischen TV, dass er es ins «Guinnessbuch der Rekorde» schaffte, nachdem er 2019 innert einer Woche insgesamt fast 26 Stunden auf Sendung war. 

«Tucker Carlson auf Steroiden»

Seit Deutschland der angegriffenen Ukraine Waffen liefert, parodiert Solowjow gern den deutschen Bundeskanzler mit Hitlerstimme.

Die deutsche «Zeit» bezeichnet Solowjow als «russischen Tucker Carlson auf Steroiden». Er hypnotisiere mit seinen TV-Hasstiraden das Land und stütze die Macht des Präsidenten.

Für Roger Köppel von der «Weltwoche» ist Solowjow dagegen ein «russischer Woody Allen», «klug» und «blitzgescheit».

Unter den Putin-kritischen Russen ist er schon lange verhasst. Der populäre Schriftsteller Dmitri Bykow sagte schon 2015, dass Solowjow mit seiner Propaganda die «hässlichsten Instinkte» entfache und dieser damit noch zum «Mörder der russischen Nation» werde.

Das Chamäleon

Seine Kritiker in Russland haben Solowjow längst den Spitznamen Chamäleon verpasst, zumal er seine Positionen der Kreml-Linie ebenso mühelos anpassen kann wie sich das Kriechtier seiner Umgebung.

Die «Nowaja Gaseta» bezeichnete ihn 2018 als «Gesinnungslump» und schrieb: «Journalismus unterscheidet sich von Propaganda wie eine Geige von einer Hacke. Hat man sich von einer Kategorie zur anderen bewegt, ist das Schamgefühl verloren.»

Solowjow selbst sagt über seine Rolle: «Meine Existenz als Journalist ist nur möglich, weil Wladimir Putin persönlich cool findet, was ich mache.»

Wladimir Solowjow interviewte Wladimir Putin 2015 für den Dokumentarfilm «Der Präsident».

Wladimir Solowjow interviewte Wladimir Putin 2015 für den Dokumentarfilm «Der Präsident».

Wikipedia Commons

Jüdischer Hitler-Fan

Noch 2013 war Solowjow der Meinung, dass die Halbinsel Krim «zweifelsohne rechtmässig von Kruschew an die Ukraine übertragen» worden sei. 2014 sagte er: «Gott verbietet, dass die Krim nach Russland zurückkehrt.»

2022 sprach er dann von einem «heiligen Krieg» gegen die Ukraine. Deren Bewohner seien «Diener Satans» und müssten «ausgelöscht» werden. Es ist nur eines von unzähligen Beispielen seiner «Anpassungsfähigkeit». Zur Widersprüchlichkeit ist es nie weit.

«Ich bin Jude und Antifaschist», sagt Solowjow gern. Gleichzeitig bezeichnet er Hitler als «mutigen Mann», ist ein Fan von Stalin und Mussolini, über den er am Comerseee einen Film drehte. Über den jüdischen Präsidenten Wolodimir Selenski schimpft Solowjow derweil: «Nicht nur, dass er ein Idiot und impotento ist, er ist auch noch Faschisto.»

Der verfaulende Westen

Wie Wladimir Putin feiert Solowjow die moralische russische Überlegenheit über den Westen. Er sieht uns als verkommen, verfaulend, faschistisch und vor allem als russophob an.

Dass er die USA und alle Nato-Länder am liebsten in einem Nuklearschlag vernichten würde, macht er regelmässig klar. Auch die Schweiz würde er nicht verschonen. Unlängst sinnierte er darüber nach, ob er zuerst Paris oder Marseille in Schutt und Asche legen würde:

Villen in Italien, Familie in den USA

Seine anti-westliche Hetze hat lange im TV, aber nicht in Solowjows echtem Leben stattgefunden – zumindest solange er nicht auf der EU-Sanktionsliste stand. In Italien am Comer See hatte Alexei Nawalnys Antikorruptionsstiftung FBK gleich mehrere seiner Villen entdeckt, die mittlerweile teils konfisziert sind.

Solowjows Villa am Comer See. Italien beschlagnahmte sie im Rahmen der EU-Sanktionen.

Solowjows Villa am Comer See. Italien beschlagnahmte sie im Rahmen der EU-Sanktionen. 

AFP

Letztes Jahr kam zudem ans Licht, dass der zum dritten Mal verheiratete Solowjow in den USA noch eine Zweitfamilie mit der russischen Basketballspielerin Swetlana Abrossimowa hat – Zwillinge und amerikanische Pässe inklusive.

«Scheinheiligkeit muss Grenzen haben»

Das Privatleben Solowjows sei ihnen eigentlich egal, liess Nawlanys Rechercheteam damals verlauten, aber: «Die Scheinheiligkeit muss Grenzen haben.» Solowjow habe gut für ein Leben nach Putin vorgesorgt. Dagegen müssten die Russen die Ergebnisse der langjährigen Arbeit des Propagandisten selbst bewältigen.

Tatsächlich muss sich der oberste Putin-Propagandist um Geld nie mehr Gedanken machen. Aus dem Kreml geleakte Unterlagen zeigten, dass Solowjow allein 2023 und 2024 umgerechnet jeweils über 14 Millionen Franken für «informationelle und ideologische Kriegsführung» erhielt. 

Was haltet ihr von Wladimir Solowjow? 

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