Speed-Offensive: «WLAN im Zug bringt Passagieren nichts»
Aktualisiert

Speed-Offensive«WLAN im Zug bringt Passagieren nichts»

4G-Antennen statt Wi-Fi – SBB-Chef Andreas Meyer erklärt im Interview die neue Surf-Strategie der Bundesbahnen. Und wie er den Handy-Anbietern Beine machen will.

von
Adrian Müller

Herr Meyer, warum baut die SBB definitiv kein Wi-Fi in die Züge ein?

Ein WLAN allein macht unsere Kunden noch lange nicht glücklich – Wi-Fi ist ein Trugschluss und kein Synonym für schnelles Internet im Zug. Denn entscheidend ist, wie gross die Bandbreite zum nächsten Mobilfunkmasten ist. Um den Empfang in den Zügen zu verbessern, rüsten wir mit Hochdruck sämtliche Wagen im Fernverkehr mit 3G/4G-Verstärkern aus. Und wollen bis 2020 auch die S-Bahn-Kompositionen auf gutes Surfniveau bringen.

Aber in den deutschen ICEs oder den österreichischen Railjets funktioniert das Wi-Fi anscheinend bestens.

Wo Wi-Fi im Zug draufsteht, ist noch lange keine schnelle Internetverbindung drin. Stichprobenmessungen der SBB im Ausland haben ergeben, dass der Internetempfang mit unseren 3G/4G-Antennen deutlich besser ist als etwa in ausländischen, mit Wi-Fi ausgerüsteten Hochgeschwindigkeitszügen. Aber wir geben natürlich weiter Vollgas, um die verfügbare Bandbreite weiter zu erhöhen.

Trotzdem: Mit dem Verzicht auf WLAN im Zug geben Sie die Führungsrolle im Schweizer ÖV ab – in Postautos surfen schon Tausende mit dem Gratis-Wi-Fi.

In einem vollen SBB-Intercity surfen und telefonieren bis 1200 Menschen bei 200 km/h gleichzeitig – und wechseln dabei alle 20 Sekunden die Handy-Funkzelle. Das sind ganz andere Anforderungen an die Technik als in einem Postauto.

Für viele SBB-Passagiere ist die Internetverbindung fast wichtiger als die Zugverbindung. Wie wollen Sie den Speed in den Zügen weiter erhöhen?

Zentral ist, dass die Mobilfunkbetreiber aufrüsten und zusätzliche Handymasten aufstellen. Um diese für den weiteren Ausbau zu motivieren, führen wir nächsten Frühling eine gross angelegte Studie durch: Sie soll genau aufzeigen, wo auf dem Bahnnetz welcher Mobilfunkanbieter das beste Netz anbietet. Diese Resultate werden wir natürlich auch veröffentlichen.

Die SBB rüsten darüber hinaus 100 Bahnhöfe mit Gratis-Wi-Fi aus. Warum eigentlich?

Der Pilotbetrieb in Bern-Wankdorf und Burgdorf hat gezeigt: Bereits jeder vierte Bahn-Passagier hat sich ins Gratis-Wi-Fi eingeloggt. Die Idee ist, dass sich die Passagiere etwa vor der Abfahrt im Zug noch rasch ein E-Paper oder ein Video runterladen können. Und auch im Bahnhof gratis aufs Netz zugreifen können, um den Fahrplan abzufragen oder Infos zu gesuchten Läden abzurufen.

Als SBB-Chef fahren Sie mit dem Zug kreuz und quer durch die Schweiz. Wann haben Sie sich zuletzt über schlechten Handy-Empfang aufgeregt?

Als ich kürzlich von Lausanne nach Bern fuhr, konnte ich plötzlich weder mit meinem Büro telefonieren, noch Daten auf mein iPad laden. Klar ist aber auch: In den letzten Monaten hat sich die Verbindung dank den Verstärkern insgesamt stark verbessert.

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