Aktualisiert 13.01.2006 16:23

WM-Eröffnung geplatzt

Neuer Fehlschlag bei den WM-Vorbereitungen: Die FIFA sagt die für den 7. Juni geplante Eröffnungsgala für die Fussball-WM in Berlin mit fadenscheiniger Begründung ab. Für den Organisator der Veranstaltung, André Heller, kommt die Absage aus «heiterem Himmel».

Es ist eine peinliche Woche für die Organisatoren der Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Zunächst stellten die Experten der Stiftung Warentest erhebliche Mängel an einigen der WM-Stadien fest - dem Stolz der Nation. Und nun sagte der Weltfussballverband FIFA am Freitag auch noch die bereits mehrfach pompös für den 7. Juni angekündigte Eröffnungsgala im Berliner Olympiastadion ab, die nichts weniger als die «grösste Fussball-Show aller Zeiten» werden sollte.

Offizielle Begründung der FIFA: Der Rasen im Olympiastadion sei gefährdet, könne für das erste Spiel am 13. Juni zwischen den Ballvirtuosen aus Brasilien und Kroatien nicht schnell genug wieder hergerichtet werden. Hinter der Hand werden jedoch ganz andere Gründe vermutet: Ein erschreckend schleppender Kartenvorverkauf habe den Organisatoren Angst gemacht. 60.000 Tickets hätten verkauft werden müssen - die billigsten kosteten sage und schreibe 100 Euro. Was wären das für Bilder gewesen: eine 90-minütige Show vor halb leeren Rängen.

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter erklärte, die späte Absage sei der FIFA nicht leicht gefallen, «aber für uns als Weltfussballverband müssen die sportlichen Aspekte schliesslich Vorrang haben».

Veranstalter sowie Vertreter von Politik und Medien reagierten enttäuscht: Der Organisator André Heller erklärt, er verabschiede sich «mit grosser Traurigkeit» von der «so spannenden Arbeit an der Gala». Aber er könne sich «dem Argument, dass die Weltmeisterschaftsspiele im Olympiastadion Berlin, inklusive Endspiel, unter absolut perfekten Bedingungen abgewickelt werden müssen, nicht entziehen».

Hellers Sprecherin Barbara Schmid sagte der Nachrichtenagentur AP, die Entscheidung der FIFA sei für die Organisatoren aus «heiterem Himmel» gekommen. Für eine Verlegung in eine andere Stadt sei es heute zu spät, da die gesamte Gala auf das Berliner Olympiastadion ausgerichtet gewesen sei. «Das wäre vielleicht noch vor einem Jahr möglich gewesen», sagte sie. Die FIFA habe jedoch zugesagt, bereits entstandene Kosten zu erstatten. «Das wird für die FIFA nicht ganz billig», sagte Schmid. Eine genaue Summe nannte sie aber nicht.

Auch ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender bedauerte die Entscheidung. Es sei «schade, dass nun nicht, wie ursprünglich geplant, zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel ein künstlerisches Signal in die Welt» gehe.

München bietet sich an

Unterdessen bot der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude an, bei einer möglichen Ausweitung der Münchner Eröffnungsfeier als Ersatz für die ausgefallene Gala behilflich zu sein. Als weitere Alternative brachte er zudem ein gesondertes Fest im Olympiastadion ins Gespräch.

Der Geschäftsführer der Münchner Olympiapark-Gesellschaft, Wilfrid Spronk, schlug vor, das für den 6. Juni im Münchner Olympiastadion geplante Konzert mit Placido Domingo und den drei Münchner Spitzenorchestern zur offiziellen WM-Eröffnungsfeier auszubauen. «Wir könnten dabei ohne weiteres Elemente der ursprünglich in Berlin geplanten Show einbauen und das zu einem tollen Grossereignis ausbauen», sagte Spronk der AP. Eine komplette Verlegung der Berliner Show nach München hält jedoch auch er für kaum machbar. (dapd)

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