WM-Fieber im Bundeshaus
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WM-Fieber im Bundeshaus

Der zweite WM-Auftritt der Schweiz hat das Bundeshaus in eine kleine Fankurve verwandelt. Zahlreiche Mitglieder von National- und Ständerat schauten sich das Spiel gegen Togo vor den Ratssälen an und stellten die Politik für einmal ins Abseits.

Die Sportbegeisterten unter den Parlamentariern richteten sich kurz nach Sitzungsbeginn in der Wandelhalle oder in der hauseigenen Cafeteria vor den TV-Geräten ein, um die Nati anzufeuern. Ratsvizepräsidentin Christine Egerszegi (FDP/AG) hatte dabei ein Einsehen mit den Fussballfans. Sie setzte die ersten Abstimmungen auf das Ende des Spiels an und machte es damit möglich, «mit einem oder auch mit beiden Augen den Match zu schauen». Richtig Stimmung kam in der improvisierten Fankurve nach dem Schweizer Führungstreffer durch Alex Frei auf. Der Jubel in der Wandelhalle lockte auch viele jener Räte aus dem Saal, die sich zuvor mit der dort abgehaltenen Fragestunde beschäftigten. Wer in den gelichteten Reihen des Nationalratssaals ausharrte, wurde von Bundespräsident Moritz Leuenberger über den Schweizer Führungstreffer orientiert.

In der Bewertung des Spiels gingen die Meinungen zunächst ähnlich weit auseinander wie jeweils bei den Ratsdebatten. Während die einen eine haushohe Überlegenheit der Schweiz diagnostizierten, kritisierten die anderen eine zu zögerliche Spielweise oder ärgerten sich über die Chancen der Togolesen. Viel diskutiert wurde naturgemäss die Frage, ob nun die linke oder die rechte Seite besser spiele. Bei der togolesischen Druckphase zum Schluss der Partie litten dann auch etliche Parlamentarier mit. Als dann aber Tranquillo Barnetta kurz vor Schluss den Schweizer Sieg sicher stellte, riss es die Politiker jubelnd von ihren Sitzen. Vizepräsidentin Egerszegi gratulierte der Nati umgehend zum Erfolg. Nicht mit von der Partie war hingegen Sportminister Samuel Schmid. Er fand keine Zeit, das Spiel zu schauen, liess sich aber stets aktuell über den Spielstand informieren, wie er im Radio 24 versicherte.

Die derzeitige Fussballbegeisterung der politischen Schweiz ist nicht nur im Innern des Parlamentsgebäudes zu spüren, sie strahlt auch gegen aussen ab. An der Front des Bundeshauses, die derzeit renovationsbedingt in ein Baugerüst eingepackt ist, prangt seit längerem in grossen Lettern der Slogan «Fussball regiert». Genehmigt wurde der Aushang von den Präsidenten der beiden Räte. Sie sehen darin einen ironischen Denkanstoss über die Allgegenwärtigkeit der Fussball-WM, wie auf kritische Fragen im Nationalrat beschieden wurde.

(sda)

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