WM-Hauptprobe misslungen: Schweiz unterliegt Lettland 1:3
Aktualisiert

WM-Hauptprobe misslungen: Schweiz unterliegt Lettland 1:3

Die Schweizer Eishockey-Nati hat das letzte Testspiel für die am Freitag beginnende Weltmeisterschaft verloren: Die Krueger-Truppe unterlag Lettland in Riga mit 1:3 (1:0, 0:1, 0:2).

Dass die Dernière der WM-Testphase negativ verlief, war vor allem auf die dürftige Leistung im Schlussabschnitt zurückzuführen. «Wir haben zu kompliziert agiert, vor allem in der Verteidigung», so Krueger. «Das wird auf diesem Niveau schnell bestraft. Es war gut für uns, Schmerzen zum richtigen Zeitpunkt zu erhalten. Wir wussten, dass das Ende der Traumreise folgen könnte. Die WM-Vorbereitung verlief bis dahin ja 'smooth'».

Dabei begann die Partie für die Schweizer nicht einmal schlecht. Nach überstandenem Startfurioso der von rund 10 300 Fans an der Grenze zum Gehörschaden unterstützten Letten wechselte das Spieldiktat in eidgenössische Hände. Goalie Jonas Hiller behielt in einer 2-gegen-1-Situation die Nerven, wenig später erzielte Severin Blindenbacher nach schöner Einzelleistung mit einem Hocheckschuss das 1:0. Der im späten Verlauf der NLA-Saison immer besser in Form gekommene ZSC-Verteidiger schloss die erste halbwegs gefährliche Aktion der Schweizer mit Erfolg ab.

Eine Druckphase läutete der Führungstreffer aber dennoch nicht ein. «Bei der gleichen Anzahl Feldspieler waren wir offensiv ungenügend», musste Krueger feststellen. «Wir hatten nicht die einfache Linie, die wir haben sollten.» In der Tat brachten die Schweizer bei nummerischem Gleichstand wenig zu Stande. Nennenswert waren die Chancen von Romano Lemm und Martin Plüss (26.), die beiden Aluminiumtreffer von Sandy Jeannin (40.) in der gleichen Aktion oder Raffaele Sannitz' Möglichkeit kurz vor dem 1:2.

Die ersten beiden Schweizer Gegentreffer fielen jeweils in Unterzahl, was Krueger eigentlich tunlichst zu vermeiden anstrebte. Vor dem 1:1 (22.) leistete Alexanders Niziwijs die magistrale Vorarbeit, als er die Schweizer Verteidigung elegant umspielte. Ob aber die laufende Strafe gegen Patric Della Rossa gerechtfertigt war, sei dahingestellt. Beim 1:2 (45.) spielte der zuweilen etwas überfordert scheinende ukrainische Schiedsrichter dann die Hauptrolle.

An der Bande stehend leitete er einen Pass mit dem Schlittschuh - allerdings unfreiwillig - zum direkt vor dem Tor postierten Mikelis Redlihs weiter, der Hiller mit einem Schuss unter (?) die Latte bezwang. «Der Schiedsrichter sollte eigentlich keinen Pass geben», lächelte SEHV-Trainer Krueger verschmitzt. Nachher konnten selbst TV-Bilder nicht beweisen, ob der Puck von der Torumrandung oder vom hinteren Torgestänge zurückgeprallt war.

Hiller im Vorteil?

Auf dem Goalieposten gab Jonas Hiller etwas mehr als 90 Stunden vor dem WM-Start gegen Italien (Samstag) eine Empfehlung für die Nummer-1-Position ab. Der Davoser Keeper, der beim letzten Treffer 18 Sekunden vor Schluss seinen Platz im Powerplay längst zu Gunsten eines sechsten Feldspielers geräumt hatte, stoppte insgesamt 24 Schüsse, einige auf überaus spektakuläre Weise. Nach dem zweiten Einsatz in Folge (4:0 gegen die Slowakei am letzten Freitag) darf spekuliert werden, ob Hiller, der wie Marco Bührer in drei WM-Vorbereitungsspielen im Tor stand, den Vorzug gegenüber dem SCB-Torhüter erhalten wird. Auf die Situation angesprochen zuckte Krueger nur lächelnd mit den Schultern.

Tendenz 7/13

Derzeit tendiert Krueger dazu, das Turnier mit sieben Verteidigern und 13 Stürmern zu beginnen. Das würde bedeuten, dass sich der heute Mittwoch zusammen mit dem Nationalmannschafts-Chef Peter Zahner in Riga erwartete Timo Helbling und einer der gestern eingesetzten Abwehrspieler um den letzten Platz im Kader streiten. Dazu attestierte Krueger dem als 13. Stürmer eingesetzten Marc Reichert, «einen guten Job gemacht zu haben». Der kräftige SCB-Flügel besitzt derzeit wohl die besseren Karten als der erst im Schlussdrittel erschienene ZSC-Skorer Daniel Steiner.

Lettland - Schweiz 3:1 (0:1, 1:0, 2:0)

Riga Arena. - 10 300 Zuschauer. - SR Urda (Ukr), Eglitis/Krause (Lett).

Tore: 10. Blindenbacher (Paterlini, Rüthemann) 0:1. 22. Tribunkows (Niziwijs, Tambijews/Ausschluss Della Rossa) 1:1. 45. Redlihs (Ausschluss Vauclair) 2:1. 60. (59: ) Wasiljews (Tambijews/Ausschluss Rekis!) 3:1 (ins leere Tor).

Strafen: 10mal 2 Minuten gegen Lettland, 12mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Lettland: Raitums (31. Naumows); Sawijels, Rekis; Pujaks, Galwins; Jass, Tribunkows; Astasenko, Jerofejews; Pantelejews, Sprukts, Cipulis; Redlihs, Blinows, Sirokows; Niziwijs, Semjonows, Tambijews; Stals, Wasiljews, Darzins; Daugawins.

Schweiz: Hiller; Vauclair, Steinegger; Blindenbacher, Bezina; Gerber, Forster; Seger; Demuth, Jeannin, Sannitz; Della Rossa, Plüss, Lemm; Déruns, Romy, Wirz; Paterlini, Ambühl, Rüthemann; Reichert, Steiner.

Bemerkungen: Schweiz ohne Manzato (Ersatztorhüter) und Helbling (Anreise am Mittwoch). - Pfosten-/Lattenschüsse: 40. Jeannin (2x), 54. Tribunkows. - 59. (58:53) Timeout Schweiz, bis 59:42 ohne Goalie. - Schüsse: Lettland 27 (13-6-8); Schweiz 26 (6-10-10). - Powerplay-Ausbeute: Lettland 1/8, Schweiz 0/6 (ein Shorthander kassiert).

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