WM-Slalom: Zahrobska schlägt Favoritinnen
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WM-Slalom: Zahrobska schlägt Favoritinnen

Die Tschechin Sarka Zahrobska hat den WM-Slalom der Frauen in Are vor der Österreicherin Marlies Schild und der Schwedin Anja Pärson gewonnen. Die Schweizerinnen Sandra Gini und Rabea Grand hatten mit der Entscheidung an der Spitze nichts zu tun.

An der WM hat auch der Frauen-Slalom mit einer Überraschung geendet. Sarka Zahrobska wurde mit elf Hundertsteln Vorsprung vor der Topfavoritin Marlies Schild Weltmeisterin. Die Schweizerinnen Sandra Gini und Rabea Grand belegten die Plätze 15 und 25.

Die Basis zu ihrem Coup legte Sarka Zahrobska mit Bestzeit im ersten Lauf. Ein derart starker Auftritt der vor fünf Tagen 22 Jahre alt gewordenen Juniorenweltmeisterin von 2005 war wohl nicht erwartet worden, von einer Sensation zu sprechen wäre aber übertrieben. Die Tschechin hatte ihre Hochform bereits in den letzten zwei Weltcup-Slaloms vor der WM unter Beweis gestellt; in Zagreb war sie Dritte, in Kranjska Gora Zweite geworden, und in Are verpasste sie in der Super-Kombination als Vierte das Podest nur um zwei Zehntelsekunden. «Ich hatte schon vor dem Rennen ein Super-Gefühl Deshalb habe ich insgeheim auf eine Medaille gehofft», sagte die neue Championne. «Dass es aber gleich die goldene sein würde, habe ich natürlich nicht erwarten dürfen.»

Vor zwei Jahren in Santa Caterina hatte Sarka Zahrobska mit Slalom-Bronze die erste alpine Medaille für ihr Land an einem Grossanlass geholt. Die frühere Tschechoslowakei war bei Titelkämpfen einmal unter den ersten drei vertreten. 1984 bei den Olympischen Spielen in Sarajevo war Olga Charvatova hinter Michela Figini und Maria Walliser ebenfalls Dritte geworden.

Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt fand sich Marlies Schild in einer neuen Situation wieder. Erstmals führte sie in diesem Winter in einem Slalom das Klassement nach halbem Pensum nicht an; mit 23 Hundertsteln Rückstand blieb ihr der 3. Zwischenrang. Und auch im Finale war nicht die unwiderstehliche Marlies Schild am Werk, die ihre Konkurrentinnen in diesem Winter mehrheitlich in Grund und Boden gefahren hatte. Für eine, die fünf der bisherigen sechs Slaloms der Saison gewonnen und vor der WM in elf von fünfzehn Läufen - die drei Durchgänge im Rahmen der Super-Kombinationen auf der Reiteralm und in Altenmarkt-Zauchensee sowie in Are eingerechnet - Bestzeit erzielt hatte, kommt der 2. Rang einer Enttäuschung gleich.

Leistungshemmend wirkte sich für Marlies Schild nicht primär der gewaltige Druck aus, der auf ihren Schultern lastete. Vielmehr gab den Ausschlag, dass die Lebenspartnerin von Benjamin Raich das Rennen nicht in optimaler körperlicher Verfassung in Angriff nehmen konnte. Die Prellungen, die sie sich drei Tage zuvor beim Sturz im ersten Lauf des Riesenslaloms zugezogen hatte, mussten mit einer schmerzstillenden Spritze behandelt werden.

Mit ihrer Enttäuschung ist Marlies Schild nicht allein; Gleiches war auch schon Janica Kostelic und Vreni Schneider widerfahren. Die Kroatin hatte im Winter 00/01 acht der neun Weltcup-Slaloms für sich entschieden, an der WM in St. Anton blieb ihr indes nur Rang 5. Die Glarnerin hatte in der Saison 88/89 sogar sämtliche sieben Slaloms dominiert, an den Weltmeisterschaften in Vail musste sie aber der Jugoslawin Mateja Svet den Vortritt lassen.

Im Weltcup weist Anja Pärson nach fünf Slaloms - am Semmering war sie wegen Schmerzen am operierten Knie nicht am Start - den 4. Rang in Aspen als Bestergebnis aus. Dazu gesellen sich in ihrer Bilanz ein 7. und ein 12. Platz und zwei Ausfälle. Doch vor heimischer Kulisse war auf die Schwedin wieder Verlass - obwohl es "nur" zu Bronze und nicht zum vierten Gold an diesen Titelkämpfen gereicht hat.

Mit ihrer Klassierung erfüllte Sandra Gini exakt die Vorgabe ihrer Trainer, einen Rang in den ersten 15. Die Bündnerin lässt sich damit mit Blick auf die Weltcup-Startliste wertvolle Punkte gutschreiben - ein Privileg, von dem an einer WM lediglich die Top 15 profitieren. Dafür war Finale eine Verbesserung um fünf Plätze notwendig. «Ich konnte es kaum glauben, dass nach meiner Fahrt die 'Eins' aufleuchtete», freute sich die Schwester von Marc Gini, der am Samstag im Männer-Slalom im Einsatz steht. «Das hatte ich noch nie erlebt. Und wenn das ausgerechnet an einer WM passiert, ist es noch spezieller.» Nach dem ersten Lauf war Rabea Grand unmittelbar vor ihrer Teamkollegin an 19. Stelle gelegen. Die Walliserin wollte im zweiten Durchgang zu viel, fuhr etwas zu verkrampft und fiel in den 25. Schlussrang zurück.

Das vorgegebene Ziel war aufgrund der bisherigen Leistungen der beiden Vertreterinnen von Swiss-Ski ein realistisches. Sandra Gini holte nach 14 erfolglosen Anläufen im bislang letzten Weltcup-Slalom in Kranjska Gora mit Rang 16 ihre ersten Weltcup-Punkte. Rabea Grand wartet auch nach vier bestrittenen Slaloms in diesem Winter noch auf Weltcup-Punkte. (si)

Are. WM-Slalom der Frauen. Schlussklassement:

1. Sarka Zahrobska (Tsch) 1:43,91

2. Marlies Schild (Ö) 0,11 zurück

3. Anja Pärson (Sd) 0,16

4. Ana Jelusic (Kro) 0,50

5. Kathrin Zettel (Ö) 0,82

6. Monika Bergmann (De) 0,90

7. Therese Borssen (Sd) 0,91

8. Resi Stiegler (USA) 1,07

9. Michaela Kirchgasser (Ö) 1,62

10. Nina Löseth (No) 2,15

11. Maria Pietilä-Holmner (Sd) 2,32

12. Nicole Gius (It) 2,33

13. Veronika Zuzulova (Slk) 2,38

14. Tanja Poutiainen (Fi) 2,42

15. Sandra Gini (Sz) 2,47

16. Anna Ottosson (Sd) 2,56

17. Nicole Hosp (Ö) 2,78

Ferner:

25. Rabea Grand (Sz) 3,66.

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