Lieber Phil Geld: Wo beginnt die 1.Klasse?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldWo beginnt die 1.Klasse?

Sandro (36) reiste mit einem 2.-Klasse-Billet im Zwischenabteil der 1. Klasse. Da stellte ihn der Kontrolleur vor die Wahl, den Zuschlag zu bezahlen oder sich in die 2. Klasse zu begeben.

Reisende haben Anspruch auf Beförderung in jener Klasse, auf die ihr Fahrausweis lautet.

Reisende haben Anspruch auf Beförderung in jener Klasse, auf die ihr Fahrausweis lautet.

Lieber Phil Geld,

Vor kurzem sass ich im Zug auf dem Klappsitz beim WC im 1.-Klasse-Waggon. Der Kontrolleur forderte mich auf, den Platz zu wechseln oder den Zuschlag für den Klassenwechsel zu bezahlen. Kürzlich ist meiner Tochter dasselbe passiert – mit dem Unterschied, dass sie eine Busse bekam. Sind die Kontrolleure im Recht?

Lieber Sandro

Reisende haben Anspruch auf Beförderung in jener Klasse, auf die ihr Fahrausweis lautet. Die Klasseneinteilung gilt auch für die Gänge, Vorräume und Einstiegsbereiche der Wagen. Vorräume und Treppen von Doppelstockwagen mit beiden Klassen und offenen Treppen gelten als Zone der 2. Klasse. Nachzulesen ist das im Absatz 102 der Tarifbestimmungen der Schweizerischen Transportunternehmen «Allgemeiner Personentarif».

Zudem gilt in der ganzen Schweiz im öffentlichen Verkehr die Regel, dass das Durchqueren des 1.-Klasse-Abteils mit dem 2.-Klasse-Billett erlaubt ist. Nicht zulässig ist aber der Aufenthalt im 1. Klassebereich. Wenn du also mit einem 2.-Klasse-Billett auf dem Weg zum Speisewagen durch einen 1.-Klasse-Waggon gehst und dort einen Bekannten triffst, könnte ein Schwätzchen kostenpflichtig werden. Eindeutig nicht zulässig ist die Benutzung der Toilette im Waggon der höheren Klasse. Das gilt als Aufenthalt.

Ausser auf Selbstkontrollstrecken können die Reisenden gegen einen Aufpreis im Zug die Klasse wechseln. Der Aufpreis für den Klassenwechsel entspricht der Differenz zum 1.-Klasse-Billet, beträgt aber mindestens 5 Franken. Das wurde dir auch vorgeschlagen, als du auf der Holzbank des 1.-Klasse-Waggons gesessen bist.

Warum deine Tochter für denselben Fall eine Busse bekam, kann damit zu tun haben, dass sie auf einer Selbstkontrollstrecke reiste. Oder sie ist an eine rigorosere Dienstperson geraten als du. «Regeln werden immer von Menschen umgesetzt; deshalb sind kleine Abweichungen in der Umsetzung möglich und einfach menschlich», meinte die Kommunikationsstelle der SBB, als ich ihr deinen Fall schilderte.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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