Ski-Gaudi: Wo bitte gehts denn zur Après-Party?
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Ski-GaudiWo bitte gehts denn zur Après-Party?

Pisten, Powder, Partys: Wer in seinen Winterferien vor allem Letzteres sucht, sollte die Schweiz meiden. Nur Zermatt hat es in die Après-Ski-Top-10 geschafft.

von
Olaf Kunz
Zum Skifahren in die Schweiz, zum Feiern nach Österreich: Für viele Powder-Party-Fans sind die Prioritäten klar verteilt. (Bild: kuhstall.at)

Zum Skifahren in die Schweiz, zum Feiern nach Österreich: Für viele Powder-Party-Fans sind die Prioritäten klar verteilt. (Bild: kuhstall.at)

«Hey, das geht ab, wir feiern die ganze Nacht...» - diesen Party-Kracher kennen auch alle Après-Skifans. Doch in vielen Schweizer Skigebieten erklingt er eher selten. Nicht etwa, weil er hierzulande nicht gut ankommt, vielmehr stehen exzessive Après-Skifeten nicht so hoch im Kurs. Wie eine aktuelle Studie von Mountain Management zeigt, findet sich unter den ersten zehn Winter-Party-Hochburgen genau ein Schweizer Skigebiet. So landet Zermatt in der Befragung unter 18 000 Wintersportlern erst auf Platz 10. Die ersten neun Positionen werden von österreichischen Winter-Party-Mekkas belegt. Platz 11 hat sich Saas-Fee erfeiert. Und immerhin kommt in Arosa die Gaudi offenbar auch nicht zu kurz: Platz 13.

Trotzdem drängt sich die Frage auf: Haben Schweizer Skigebiete in Sachen Party verschlafen? «Das würde ich nicht direkt so sagen. Aber auf jeden Fall können Schweizer Destinationen in dieser Hinsicht noch zulegen», bringt es Mike Partel, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Mountain Management auf den Punkt. Sprich: Der Party-Express kommt einfach nicht so richtig ins Rollen.

Der Winter-Ballermann ist in Österreich daheim

Dass die eigenössische Halli-Galli-Drecksau-Welle nicht hochschlägt, hat laut Partel einen konkreten Grund: «Schweizer Skigebiete zeichnet vor allem Gemütlichkeit, Authentizität, Naturerlebnis und Ambiente des Ortes aus. Das lockt nicht unbedingt das Party-Volk an. Aber es ist auch eine Mentalitätsfrage.» In der Tat gewichten Wintersportler in Schweizer Destinationen im Schnitt Party deutlich geringer als Gäste in Österreich oder Deutschland. So wird Après-Ski bei unseren östlichen Nachbarn mit 25,8 Punkten bewertet, in der Schweiz lediglich mit 19,7.

So haben die Gäste in den jeweiligen Skigebieten das Après-Angebot bewertet. Auf den ersten neun Plätzen befinden sich Österreichische Destinationen.Quelle: Mountain Management

Dass der Fun-Faktor in ausgewählten österreichischen Winterorten zum Aushängeschild wurde, kann Partel nur bestätigen: «Werden Winter und Party in einem Atemzug genannt, denkt man automatisch an Ischgl, Sölden, Obertauern oder Mayrhofen.» Egal ob Abenteuer-Single oder Hoch-die-Tassen-Kegelklub – für Party-Tierchen mit Pistenambitionen sind die Präferenzen innerhalb des Alpenraums klar. So zum Beispiel beim Sieger des grossen Pisten-und-Party-Rankings: «Wer nach Ischgl fährt, kommt nicht nur wegen des Skifahrens hier her. Zwar sind die Pisten für alle Ansprüche bestens gerüstet. Aber was hier auf den Hütten los ist, findet man in keinem anderen Skigebiet», schreibt Userin Blieskastl in einem Ferien-Bewertungs-Forum. Und User James schiebt nach: «Oft endet hier das Skifahren schon früh am Mittag, um im Dorf die besten Plätze zu ergattern.»

Schweiz setzt auf eigene Stärken

Auch Daniela Bär, Mediensprecherin von Schweiz Tourismus räumt ein: «Offenbar gibt es in dieser Hinsicht schon Unterschiede zu Österreich. Man verbindet Ballermann in den Bergen eben nicht unbedingt mit der Schweiz. Und wir wollen das auch nicht.» Doch wer Verbier, Zermatt oder Saas-Fee im Winter kennt, weiss, dass auch in Schweizer Skigebieten die Gäste keinesfalls um sechs Uhr abends mit hängenden Köpfen nach Hause gehen. Darauf legt auch Bär grossen Wert: «Uns ist nie Kritik seitens der Gäste zu Ohren gekommen, dass der Après-Spass in der Schweiz zu kurz kommt.» Als Beispiel für hohe Party-Affinität nennt sie Flims Laax Falera: «Sie sprechen gezielt ein junges Publikum an und haben in Sachen Après-Gaudi die Nase vorne. Auch Zermatt und einige andere setzen hier einen Schwerpunkt.»

Tatsächlich scheint sich in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren einiges getan zu haben in der Schweiz. Nicht von ungefähr, denn die Spassfabrik hat eine grosse Strahlkraft – keinesfalls nur bei den Jungen, sondern auch für Familien und dem älteren Publikum. Partel erklärt warum: «Auch diese Zielgruppen steuern im Zweifelsfall eher österreichische Winterhochburgen an, denn im Hinterkopf spielt bei der Destinationswahl zumindest auch immer die Frage 'Ist dort auch etwas los?' mit.»

Dennoch sieht man bei Schweiz Tourismus keine Notwendigkeit, deswegen die Marketing-Strategie zu ändern: «Eventuell können wir in Sachen Party noch aufholen. Das nehmen wir durchaus sportlich. Sollten sich die Gästebedürfnisse in diese Richtung bewegen, werden die Destinationen diesem Wunsch schnell nachkommen. Aber Fakt ist auch: Wir wollen keine billige Kopie sein, sondern auf unsere eigenen Stärken setzen.»

Beste Schweizer Après-Party-Destination

Laut der internationalen Studie für den deutschsprachigen Alpenraum liegt Zermatt innerhalb der Schweiz auf Platz 1, während Flims-Laax oder Verbier es nicht unter die ersten drei geschafft haben. Was ist Ihre Meinung? In welchem Schweizer Skigebiet steigt tatsächlich die beste Party? Wo wird die ganze Nacht hindurch gefeiert? Wo steppt der Bär wirklich? Stimmen Sie ab beim grossen Online-Rating!

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Flims-Laax, Saas-Fee oder ein anderes Skigebiet: Wo kommen Party-Animals in der Schweiz voll auf Ihre Kosten? Stimmen Sie ab beim grossen Online-Rating!

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