Aktualisiert 25.11.2011 11:32

«The Voice of Germany»

Wo Brüste und Beine Nebensache sind

Nach «X Factor», «DSDS», «Das Supertalent», «Die grössten Schweizer Talente» jetzt auch noch «The Voice of Germany»: Endlich eine Casting-Show mit erträglichem Trash-Faktor!

von
L. Sauter

Die Casting-Show «The Voice of Germany» hatte am Donnerstagabend ihren Auftakt im deutschen TV. Wie überzeugend ist das neue Format? 20 Minuten Online hat sich die neue Sendung angesehen.

Mit dem Hitstürmer Rea Garvey, der deutschen Pop-Mutter Nena, Soulstar Xavier Naidoo und the BossHoss fährt der Sender grosses Promi-Geschütz auf. «X Factor» gerät mit Sarah Connor, Pseudo-Rapper Das Bo und dem «Startrompeter» Till Brönner ins Abseits. Auch «DSDS» oder «Das Supertalent», die ausser Poptitan Dieter Bohlen mehr hübsche als talentierte Ladys auf die Jurystühle setzen, kann mit «The Voice of Germany» nicht mithalten. So weit, so gut.

Nena und Co. kämpfen regelrecht darum, die stimmgewaltigen Wunder für sich zu gewinnen. Und diese haben es in sich: Anders als in den übrigen TV-Shows fällt der Fremdschäm-Effekt aus, die Leute dort scheinen wirklich was zu können. Die Sendung ist gut. Wirklich.

Das honorierte auch das Publikum – wenn auch nur minimal: Während 23,8 Prozent der 14- bis 49-Jährigen «TVOG» einschalteten, entschieden sich laut «meedia.de» für «Das Supertalent» am selben Abend 22,8 Prozent der Zuschauer.

Wo bleibt der Hartz-IV-Empfänger?

Der Wermutstropfen des Formats aber liegt im Detail: Emotionsgeladene Filmchen mit der noch dramatischeren Off-Stimme führen die Kandidaten von zu Hause bis auf die Show-Bühne. Natürlich wird dabei die ganze Bandbreite Klischee-getreu abgedeckt. Ob dick, trendy, schwul, Mitt-50er, dunkelhäutig oder freakig – bei «TVOG» ist jeder willkommen.

Zu Tränen rührt ein junges Pärchen, das wegen des unglaublich harten Urteils der Coaches erstmals getrennt wird. Und auch die Geschichte einer massiv übergewichtigen Mutter – eine Hormonstörung ist schuld – geht direkt ins Herz. Doch den emotionalen, ja schon fast esoterischen Höhepunkt liefern die Zwillinge Jan und Josef: Ganz alleine, ohne Jan, wagt Josef den grossen Schritt vor die Coaches. Er weiss: Den Erfolg hat er seinem Bruder – der übrigens irgendwo in den Ferien weilt – zu verdanken. Denn: «Auf der Bühne war er hinter mir, ich konnte ihn spüren.»

Fazit: «The Voice of Germany» überzeugt mit dem Konzept, unterhält grossartig und ist zum Weinen – aus Rührung oder Verzweiflung. Brüste, kurze Röcke und Co. sind hier Nebensache. Die Stimme zählt.

Doch letztlich hat auch dieses Format bloss ein (altbekanntes) Ziel: Ein neues Casting-Sternchen wird aus dem Boden gestampft. Die Show geht bereits heute in die zweite Runde. Diesmal auf Sat.1 um 20.15 Uhr.

Schauen Sie noch oder zappen Sie schon?

Ob das Publikum langfristig scharf auf die neuartige Casting-Show ist, bleibt fraglich. Welche Casting-Show schauen Sie noch? Klicken Sie hier für Ihren Favoriten.

Fehler gefunden?Jetzt melden.