Aktualisiert 10.03.2020 16:19

Auto-Ratgeber

Wo dürfen Senioren mit ihren Elektromobilen fahren?

Immer mehr ältere, gehbehinderte Menschen sind mit elektrischen Vehikeln im Strassenverkehr unterwegs. Wo dürfen sie fahren und wo nicht?

von
Olivia Solari, AGVS
Ein Senior unterwegs mit seinem elektrischen Rollstuhl.

Ein Senior unterwegs mit seinem elektrischen Rollstuhl.

Bouillante

Frage von Roland ans AGVS-Expertenteam:

Mir ist aufgefallen, dass sich die Anzahl der kleinen, vierrädrigen E-Seniorenmobile im Laufe der letzten Jahre vervielfacht hat. Dabei kommt es regelmässig zu gefährlichen Situationen, denn diese Fahruntersätze fahren auf dem Radstreifen oder, wo keiner vorhanden ist, mitten auf der Strasse. Dies jedoch ohne Mofanummer. Müssten sie nicht auf dem Trottoir fahren?

Antwort:

Lieber Roland

Viele ältere oder gehbehinderte Menschen erhalten durch diese «Seniorenmobile» ein Stück Selbstbestimmung zurück, da sie damit auch in höherem Alter noch alleine von A nach B kommen. Durch den demographischen Wandel und wohl auch aufgrund des breiteren Angebots sind immer mehr solcher Fahrzeuge auf den Strassen zu sehen.

Die Regelungen rund um diese Elektromobile sind nicht ganz einfach zu verstehen, besonders die Terminologie ist vielleicht nicht für jeden sofort verständlich. Der Gesetzgeber nennt diese nämlich nicht «Seniorenmobile», sondern «motorisierte Rollstühle». Sie gelten strassenverkehrsrechtlich als Motorfahrräder, es sind also die Bestimmungen für Mofas und E-Bikes anwendbar (Art. 18 lit. c der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS).

Das heisst, dass man mit einem Elektromobil auf der Strasse und dem Fahrradstreifen fahren darf. Dies ist in Art 43a Abs. 2 der Verkehrsregelnverordnung (VRV) explizit so geregelt. Ein Kontrollschild ist hierfür gemäss Art. 72 Abs. 1 lit. l der Verkehrszulassungsverordnung (VZV) aber erst nötig, wenn die Maximalgeschwindigkeit über 10 km/h beträgt. Genau wie Radfahrer müssten die Fahrer von motorisierten Rollstühlen ganz rechts fahren, falls ein Auto denselben Fahrstreifen benützt (Art. 8 Abs. 4 VRV). Ist man mit einem «Seniorenmobil» auf der Mitte der Fahrbahn unterwegs, so stellt dies eine einfache Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 Strassenverkehrsgesetz (SVG) dar und kann eine Busse nach sich ziehen. Solltest du jemandem begegnen, der deine Fahrbahn blockiert, so kannst du den Lenker ja freundlich auf das Problem hinweisen.

In den Nachrichten liest man immer wieder von Unfällen mit Elektromobilen. Besonders beim Abbiegen kann es gefährlich werden, wenn Elektromobil- und Autofahrer unachtsam sind. Als Zusatzinfo ist hier zu erwähnen, dass die Fahrer solcher motorisierten Rollstühle, genau wie Radfahrer, beim Abbiegen ein Handzeichen geben (oder den Blinker betätigen) müssen. Geschieht dies nicht, gefährdet man damit nicht nur andere Verkehrsteilnehmer und sich selbst, sondern riskiert gemäss Ordnungsbussenverordnung auch eine Busse von 20 bis 30 Franken.

Du fragst, ob diese Senioren mit ihren Rollstühlen nicht auf dem Trottoir fahren sollten. Das dürften sie gemäss Art. 43a Abs. 2 VRV nur, wenn der Lenker eine ärztlich attestierte Gehbehinderung aufweist. Dies ist der Fall, wenn die Person weniger als 200 Meter zu Fuss zurücklegen kann. Dabei sind die Geschwindigkeit und der Fahrstil auf dem Gehweg entsprechend anzupassen, mit 30 km/h übers Trottoir zu brettern, geht natürlich nicht.

Der heutige Strassenverkehr wird immer komplexer und anspruchsvoller. Gegenseitige Rücksichtnahme ist da immer noch das beste Mittel, um Konflikte zu vermeiden. Denn nicht nur das Beachten und Einhalten der geltenden gesetzlichen Regelungen, sondern auch rücksichtsvolles Verhalten fördert die Verkehrssicherheit.

Gute Fahrt!

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