Schlüsselstellen: Wo es am Lauberhorn knifflig wird

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SchlüsselstellenWo es am Lauberhorn knifflig wird

Die Lauberhorn-Abfahrt ist nur so mit markanten Passagen gespickt. Nur wer bei allen Schlüsselstellen fehlerlos durchkommt, hat auf der längsten Abfahrt der Welt eine Siegchance.

von
P. Reich

Das Lauberhorn ist für die 82. Austragung des Abfahrtsklassikers bereit. Die 4,4 Kilometer lange Strecke von der Lauberhornschulter hinunter nach Wengen wird auch in diesem Jahr wieder für viel Spektakel sorgen. Rund 35 000 Zuschauer werden im Berner Oberland erwartet, über eine Million werden am Bildschirm mitfiebern und hoffen auf einen Schweizer Sieg. Besonders im Fokus liegen bei der zweieinhalbminütigen Fahrt natürlich die Schlüsselstellen wie Hundschopf, Kernen- oder Ziel-S. Um eine Chance auf einen Podestplatz zu haben, muss man an diesen Orten schnell sein.

Der Start

Der Beginn der längsten Abfahrt der Welt ist trügerisch und nicht allzu steil. Unter dem atemberaubenden Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau müssen die Fahrer mit Schnellkraft und gut koordinierten Schlittschuhschritten selbst für das nötige Tempo sorgen.

Der Traversenschuss

Vom Russisprung bis zum Hundschopf sind die Gleiterfähigkeiten der Fahrer gefragt. Fast 40 Sekunden müssen die Fahrer in der Hocke locker auf dem Ski stehen, um nicht schon früh die entscheidenden Zehntel zu verlieren. Natürlich spielt dabei das Material eine zentrale Rolle.

Der Hundschopf

Der Sprung durch die Felsen ist das eigentliche Markenzeichen der Lauberhorn-Abfahrt. Am wichtigsten ist es, die Einfahrt gut zu erwischen, damit man nach dem Satz über 50 oder 60 Meter auf der Ideallinie bleibt. Ausserdem müssen Risikobereitschaft, Respekt, Taktik und Sprungtechnik stimmen.

Cuche zum zweiten Lauberhorntraining

Minschkante

Die Kombination aus Kurve und Sprung ist äusserst tückisch und technisch sehr anspruchsvoll. Die Anfahrt muss passen, sonst wird man schon vor der eigentlichen Minschkante ausgehebelt. In der Luft folgt dann der Richtungswechsel zum Alpweg. Ihren Namen verdankt die Kante übrigens dem Bündner Joos Minsch, der 1965 zu viel riskierte und sich beim Sturz einen Beckenbruch zuzog.

Cuche und Co freuen sich aufs Lauberhorn

Kernen-S

In dieser Rechts-links-Kombination wird das Rennen oft entschieden. Mit 100 Kilometern pro Stunde rasen die Fahrer über den Alpweg auf das «Brüggli» zu, bevor sie stark abbremsen müssen. Die Mischung aus Andriften und rund fahren muss stimmen, damit man mit möglichst viel Tempo aus dem S kommt. Die Geschwindigkeitsmessung bei der Wasserstation dient als Gradmesser, wer noch Chancen auf einen Topplatz hat.

Lauberhorn 2011 - Fahrt Cuche

Langentreien

Die langgezogenen Kurven sind nicht gerade spektakulär, aber trotzdem enorm wichtig. Wenn man zu weite Radien fährt, sind schnell einige Zehntel verloren. Vor allem die zwei Kurven vor dem Haneggschuss sind tückisch.

Haneggschuss

Hier werden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde erreicht. Dieses Höchsttempo kostet jeden Fahrer eine ordentliche Portion Überwindung. Technisch ist die Passage aber nicht besonders anspruchsvoll.

Österreicherloch

Einst hatte es nach dem Seilersboden drei tückische Wellen, die 1954 gleich drei Österreicher um den Sieg brachten. Mitterweile wurden diese Buckel abgetragen und die Stelle bereitet keine Schwierigkeiten mehr. Unmittelbar danach folgt aber die Anfahrt zum Ziel-S.

Ziel-S

Nach mehr als zwei Minuten Fahrzeit - die meisten Rennen sind dann schon zu Ende - folgt in Wengen eine der schwierigsten Stellen überhaupt. Mit übersäuerten Oberschenkeln kommen die Fahrer ins Ziel-S und müssen eine gute Mischung zwischen Dosierung und Risiko für die finale Rechts-links-Kombination finden. Leichtes Andriften und danach wieder auf Zug fahren war in den letzten Jahren die optimale Lösung für die technisch äusserst schwierige Schlusspassage, die 2009 etwas entschärft wurde.

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