Aktualisiert 12.11.2014 13:41

KleidergrössenWo fängt eigentlich Plus-Size an?

Wollte die Modeindustrie mit dem Plus-Size-Mode-Trend dem Konfektionsdrill entgegenwirken, erhitzt nun auch dieser in Blogs und Foren die Gemüter.

von
Monika Rufener

Obwohl man in der Modeindustrie gerne dem Trend voraus ist, hat man die grosse Nachfrage nach einer breiteren Auswahl von Konfektionsgrössen und entsprechenden Models erst in den letzten paar Jahren als Marketinginstrument entdeckt. Doch die Fashion-Branche tut sich schwer damit, den richtigen Umgang mit dem Thema Plus-Size zu finden. Es entbrannten Debatten darüber, welche Konfektionsgrösse ein Plus-Size-Model denn haben sollte und ab welcher Grösse Plus-Size beginnt. Die Gretchenfrage lautet also: Was ist Plus-Size und was nicht?

Fakt ist, das gemäss einer von «Die Welt» zitierten Studie 15 Prozent aller deutschen Frauen die Kleidergrösse 36 und kleiner tragen, ein Fünftel 40 und die meistgetragene Kleidergrösse ist die 38. Für Übergrössen-Linien werden bereits Models mit Kleidergrösse 36 gebucht. Wie das Model Madeline Hill in einem Erfahrungsbericht auf «Fashionista.com» schreibt, wurde sie nach einer leichten Gewichtszunahme bei einem Casting dazu angehalten, in der Übergrössen-Kategorie Fuss zu fassen. Obwohl sie dies zuerst als Beleidigung empfand, wagte sie den Schritt ins sogenannte Übergrössen-Segment und das sehr erfolgreich – mit Kleidergrösse 36 wohlgemerkt.

Eines der prominentesten Plus-Size-Models und das aktuelle Gesicht der Mango-Übergrössen-Kampagne Robyn Lawley trägt Konfektionsgrösse 40. Gut, dass die Kollektion von Mango bereits bei 40 anfängt, sonst könnte sie die Übergrössen-Teile gar nicht tragen – und genau hier fängt das nächste Problem an.

Konfektionsgrösse 40 in der Übergrössen-Abteilung

Offenbar versteht jeder und jede etwas anderes unter Plus-Size. Dass Mango bereits die Konfektionsgrösse 40, also die Grösse M/L, als Übergrösse verkauft, sorgte in vielen Foren und Blogs für Aufregung. In Spanien gab es gemäss «Die Welt» gar eine Petition gegen die Linie von Mango, da sie ein «völlig verzerrtes Bild der Wirklichkeit transportiere», wenn bereits die Konfektionsgrösse 40 als Übergrösse verkauft werde. Die italienische Modemarke Brandy&Melville, die besonders beim sehr jungen Publikum überaus beliebt ist, verzichtet derweil ganz auf ein grösseres Konfektionsgrössen-Spektrum. Brandy&Melville hat lediglich S und eine «One size fits most»-Grösse im Angebot, die nur leicht weiter geschnitten ist. In einer Stellungnahme gegenüber «USA Today» erklärt das Modehaus, dass trotzdem jeder Kunde etwas in seinen Filialen finden kann, und «wenn es nur eine Tasche ist».

Auch H&M musste sich mit Kritik im Umgang mit grösseren Grössen auseinandersetzen. Bemängelt wurde unter anderem, dass das schwedische Modelabel, statt die reguläre Kollektion einfach in grösseren Grössen anzubieten, eine eigene Linie zusammenstellt, die bedeutend kleiner und unmodischer daherkommt. Doch warum sorgen Übergrössenlinien für so viel Aufregung? Eine Erklärung dazu könnte eine Studie des «Journal of Consumer Research» liefern. Demnach ist das Bedürfnis, eine Durchschnittsgrösse zu haben und von der Stange zu kaufen, von grosser Bedeutung. Laut der Studie löst der Ausschluss vom «Mainstream-Modemarkt» bei den Kunden grosse Frustration aus. Man möchte eben gern zur Norm gehören.

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