Neue Corona-Mutante – Wo hat Omikron seinen Ursprung?
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Neue Corona-MutanteWo hat Omikron seinen Ursprung?

Die neue Corona-Variante Omikron wurde zuerst in Südafrika entdeckt. Dies bedeutet jedoch nicht zwingend, dass die Mutante auch dort ihren Anfang nahm.

von
Reto Bollmann
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In Südafrika entdeckten Virologen die Omikron-Variante des Coronavirus erstmals.

In Südafrika entdeckten Virologen die Omikron-Variante des Coronavirus erstmals.

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Daraus zu schliessen, dass Südafrika auch das Ursprungsland der Mutante ist, wäre voreilig.

Daraus zu schliessen, dass Südafrika auch das Ursprungsland der Mutante ist, wäre voreilig.

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Südafrikanische Wissenschaftler hatten Mitte November mitgeteilt, die neue Coronavirus-Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 gebe «Anlass zur Sorge». Sie könnte demnach wegen ungewöhnlich vieler Mutationen noch ansteckender sein als die derzeit grassierende Delta-Variante und die Impfstoffe weniger wirksam machen.

Südafrikanische Wissenschaftler hatten Mitte November mitgeteilt, die neue Coronavirus-Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 gebe «Anlass zur Sorge». Sie könnte demnach wegen ungewöhnlich vieler Mutationen noch ansteckender sein als die derzeit grassierende Delta-Variante und die Impfstoffe weniger wirksam machen.

Sebastian Gollnow/dpa

Darum gehts

  • Die Omikron-Variante des Coronavirus wurde zuerst in Südafrika gefunden.

  • Wo die Mutante genau entstand, ist jedoch unklar.

  • Für den möglichen Ursprung existieren verschiedene Hypothesen.

Dass Omikron, die neuartige Mutante des Coronavirus, im südlichen Afrika entdeckt wurde, ist kein Beweis dafür, dass diese Virusvariante auch dort entstanden sein muss. Dennoch wird die Region dafür hart bestraft, denn seit der Entdeckung wurden Flugverbote eingeführt, die südafrikanischen Reiseveranstalter werden derzeit von Stornierungen überschwemmt.

Eigentlich steht überhaupt nicht fest, wo die neuartige Mutante des Coronavirus entstanden ist. Dass aktuell auf der ganzen Welt Omikron-Infektionen bekannt werden, deutet darauf hin, dass das Omikron-Virus vermutlich schon länger unter uns ist, als wir dachten. «Angrenzende Länder, die starke Reiseverbindungen mit Südafrika unterhalten, haben eine geringer ausgeprägte Virusüberwachung als Südafrika», gibt der deutsche Virologe Christian Drosten zu bedenken.

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus kritisierte am Dienstag die Einschränkungen scharf, die viele Länder für den Flugverkehr aus und nach Südafrika eingeführt haben, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Die Wissenschaftler in Südafrika hätten mit der Entdeckung und anschliessenden Bekanntmachung der neuen Virus-Variante den Rest der Welt warnen sollen, wie es die internationalen Gesetze vorgeben. «Es ist beunruhigend, dass die Länder jetzt bestraft werden dafür, dass sie das Richtige getan haben», drückte Ghebreyesus es am Dienstag aus.

Drei Hypothesen

Demnach ist eine Hypothese, dass Omikron – oder noch dessen Vorläufervariante – bereits längere Zeit irgendwo auf der Welt existierte und sich dabei veränderte und mutierte. Eher zufällig – oder dank der sorgfältigen Arbeit der Forscher und Forscherinnen - ist es dann in Südafrika entdeckt worden. Für diese Hypothese spricht unter anderem, dass man in Nigeria Omikron nachträglich in einem Test vom Oktober festgestellt hat. Andererseits existieren in den Virus-Datenbanken keine Vorläufer der Omikron-Variante und sie stammt auch nicht von der weitaus am weitesten Variante, der Delta-Variante, ab.

Eine zweite Hypothese geht davon aus, dass Omikron in einem einzelnen menschlichen Wirt mit einem geschwächten Immunsystem entstanden ist, wo es sich in einem ständigen Kampf weiterentwickelte. Sharon Peacock, Professorin für öffentliche Gesundheit und Mikrobiologie an der University of Cambridge, bezeichnet eine solche Situation als «evolutionäres Fitnesscenter» für den Virus. Fälle von solch einer beschleunigten Virus-Evolution sind etwa von HIV-positiven Patienten und Patientinnen bekannt. Peacock hält dies für ein wahrscheinliches Szenario, betonte sie in den Financial Times.

Die dritte Hypothese geht von einem sogenannten Wirtswechsel aus: Das Coronavirus übertrug sich vom Menschen auf einen tierischen Wirt und mutierte in diesem, bevor es wieder zum Menschen zurück sprang.

Mutationen nicht immer negativ

Viren haben die Tendenz, sich an ihren Wirt anzupassen, um länger unerkannt zu bleiben und sich so besser vermehren zu können. Es ist für sie unvorteilhaft, wenn der Wirt krank wird und stirbt, denn dies beeinträchtigt ihre Ausbreitung. Dass das menschliche Immunsystem so stark auf SARS-CoV-2 reagiert, hat vor allem auch damit zu tun, dass das Virus ursprünglich an einen tierischen Wirt angepasst war, und dementsprechend eine stärkere Immunreaktionen beim Menschen verursacht.

Wenn das Coronavirus nun im Menschen mutiert, ist dies nicht zwingend negativ, denn eine bessere Anpassung ans Wirtssystem kann mit einer schwächeren Immunreaktion einhergehen. Ob Omikron zu einem grösseren Problem als die Delta-Variante wird, ist darum zu diesem Zeitpunkt unklar.

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