Konditionierung: Wo liegen die Grenzen des Schlaf-Lernens?
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KonditionierungWo liegen die Grenzen des Schlaf-Lernens?

Eine neue Studie zeigt, dass Lernen im Schlaf möglich ist. Die Probanden der israelischen Studie legten antrainiertes Verhalten an den Tag, an das sie sich gar nicht erinnern konnten.

von
fvo
Forscher fanden heraus: Gewisse Dinge kann man im Schlaf lernen. (Bild: Colourbox.com)

Forscher fanden heraus: Gewisse Dinge kann man im Schlaf lernen. (Bild: Colourbox.com)

Im Schlaf eine neue Sprache lernen, das wärs. Einfach Kopfhöhrer auf, Play drücken und aufs Ohr hauen, um dann am nächsten Tag mit einem frischen «Bom dia!» aus dem Bett zu springen. Nun, schlafend portugiesisch zu lernen, mag noch etwas weit gegriffen sein, doch Forscher vom israelischen Weizmann Institute haben gezeigt, wie das Hirn im Schlaf neue Informationen speichert.

Während bisher in vielen Studien klar wurde, wie wichtig Schlaf sich auf das Lernen und die Gedächtnisbildung auswirken, haben Professor Noam Sobel und sein Assistent Anat Arzi ihre Forschung anders angelegt. Sie arbeiteten dabei mit Tönen und Gerüchen: Während der Schlafstudie folgte auf einen bestimmten Ton immer ein bestimmter Geruch – entweder etwas Wohlriechendes, oder etwas Stinkendes.

Stinkt es, wird die Atmung flach

Das Arbeiten mit Tönen und Gerüchen hat den Vorteil, dass die Probanden durchschlafen und die Resultate nicht verfälscht werden. Die Töne wecken die Schlafenden nicht auf, trotzdem aber verarbeitet ihr Gehirn die Informationen. Die Reaktion auf die Gerüche kann an der Atmung abgelesen werden – ebenfalls ohne dass die Probanden aufwachen und verbal kommunizieren müssen. Die Forscher fanden heraus, dass das schlafende Gehirn bei Gerüchen gleich arbeitet wie das wache: Riecht es gut, werden lange, tiefe Atemzüge gemacht; stinkt es, ist die Atmung flach.

Ein Hund mit feuchten Träumen

Die Schlafenden lernten also, dass ihnen nach dem Abspielen eines gewissen Tones eine guter Geruch in die Nase steigt, beim Abspielen eines anderen Tones ein übler. Im späteren Verlauf der Nacht reagierten Probanden auch mit tiefer oder flacher Atmung auf die Töne, wenn gar kein Geruch folgte.

Am nächsten Tag wurden den aufgewachten Probanden ausschliesslich die Töne vorgesetzt. Und obwohl sie sich an keinen Zusammenhang erinnern konnten, folgte darauf die antrainierten Atmung. Diese Art der Konditionierung ist unter anderem in der Hirnregion des Hippocampus angesiedelt, der auch für das Gedächtnis verantwortlich ist. Sobel und Arzi veröffentlichten ihre Resultate im Fachmagazin «Nature Neuroscience».

Traum-Amnesie in der REM-Phase

Das Forscherteam untersuchte in einem weiteren Schritt, in welcher Schlafphase sich die Reaktionen besonders stark einprägen. Entgegen ihrer Erwartungen war es für die Erinnerung wichtiger, dass das Schlaf-Training ausserhalb der Rapid-Eye-Movement(REM)-Phase stattfand, also nicht in der Phase, in der geträumt wird. Sobel und Arzi gehen davon aus, dass wir zwar während der REM-Phase offener für äussere Einflüsse sind, dass wir in dieser Zeit allerdings an «Traum-Amnesie» leiden und so das Gelernte wieder vergessen. Die nicht REM-Phase hingegen ist am wichtigsten für die Gedächtnisbildung und somit auch für diese Art des Lernens. «Jetzt, wo wir wissen, dass ein Lernen im Schlaf möglich ist, wollen wir herausfinden, wo die Grenzen liegen. Welche Informationen im Schlaf aufgenommen werden können und welche nicht», so Arzi.

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