Aktualisiert 27.12.2011 09:27

HongkongWo Rentiere 484 Meter in die Höhe galoppieren

Weihnachten mal anders: In Fernost wird das Krippenfest ausgiebig gefeiert. Augenscheine aus Hongkong, wo Lichtshows und Plastik-Zuckerstangen Trumpf sind.

von
Manuel Jakob
Hongkong

Das ICC wartet an Weihnachten mit einer imposanten Lichtshow auf. (Video: jam)

Weihnachtslieder, Christbäume, glänzende Kinderaugen und viele, viele farbige Lichtlein – das alles kennt man. Jedes Jahr an Weihnachten erstrahlen die Städte und Dörfer in warmem Glanz, die dominierenden Farben sind Gold und Rot und die Welt dreht sich nur noch um eines: Christi Geburt.

So auch in Hongkong. So laufen hier seit Tagen alle in der westlichen Welt sattsam bekannten Christmas-Songs auf und ab. So tragen in der gigantischen Stadt am südchinesischen Meer fast alle irgendetwas Rotes – vorzugsweise eine Samichlaus-Mütze. Und auf den grössten Plätzen der Stadt stehen gigantische Weihnachtsbäume.

Und doch ist Weihnachten in Fernost etwas ganz anderes als das uns bekannte Fest. Heiligabend zum Beispiel war alles andere als heilig. Die Einwohner der Stadt und die zahlreichen Touristen versammelten sich in den einschlägig bekannten Gegenden und machten Party ohne Ende, so dass sogar die Polizeipräsenz in den Strassen der Innenstadt massiv erhöht werden musste.

Luftaufnahmen des höchsten Hotels der Welt

Um acht Uhr gehen die Lichter aus

Am Weihnachtstag strömte halb Hongkong nach Kowloon, auf die andere Seite des Victoria Harbour, wo man den prächtigsten Blick auf die gigantische Skyline der Stadt geniessen kann. Dort steht man sich zusammen mit einer Million anderer Menschen und gefühlten drei Milliarden laufenden Videokameras, auf Stativen aufgestellten Fotoapparaten und klickenden Mobiltelefonen die Beine in den Bauch und wartet auf das angekündigte Spektakel «Symphony of Lights».

Um Punkt acht Uhr abends gehen die Lichter an der Promenade aus, um den Wolkenkratzern auf der gegenüberliegenden Seite ihre Laser- und Lichtshow zu ermöglichen, perfekt choreografiert zu chinesischer Popmusik und beobachtet von zahlreichen Schaulustigen zu Land und zu Wasser – so wie jeden Abend. Die «Symphony of Lights» ist eine Institution in Hongkong und zieht täglich massenhaft Hobbyfotografen an. Speziell am Weihnachtsabend ist nur, dass es noch viel mehr Zuschauer als üblich hat.

Der höchste Turm Hongkongs treibt das Spektakel auf die Spitze

Weil Hongkong praktisch nur in die Vertikale gebaut ist, sind natürlich auch alle Wolkenkratzer Teil des Weihnachtsspektakels. Die Fassaden erstrahlen ab 18 Uhr, sobald es eindunkelt, mit «Merry Christmas»-Glückwunschkarten im Riesenformat und die erleuchteten Fenster stellen Weihnachtsbäume dar. Auf die Spitze aber treibt es der mit 484 Metern höchste Büroturm Hongkongs. Seit dem 22. Dezember wird das International Commerce Centre ICC, in dem sich das höchstgelegene Hotel der Welt befindet (was die Stockwerke anbelangt), abends von einer Lichtshow sondergleichen erleuchtet: Da fährt ein Weihnachtsmann mit seinem Schlitten quer über den Turm und Rentiere springen leichtfüssig und spiralförmig vom Fundament des Mitte 2010 eröffneten Hochhauses bis zu dessen Spitze (s. Video).

Diese Lichtshow ist natürlich ein gefundenes Fressen für die kamerafixierten asiatischen Touristen. Übertrumpft wird dieses Spektakel nur durch etwas: An der Anlegestelle der Fähre auf der Seite von Kowloon ist das Gedränge unglaublich, und mit jedem Schritt glaubt man noch enger von Menschenmassen umzingelt zu sein. Irgendwann erkennt man auch den Grund dafür: Vor dem Einkaufszentrum Harbour City ist eine gigantische Weihnachts-Disneyland-Plastik-Szenerie aufgebaut. Christbäume, Weihnachtsmänner, Zuckerstangen, Rudolf das Rentier, Geschenke, Lametta und Buzz und Woody, die Hauptfiguren aus dem Animationsfilm «Toy Story» – davon will natürlich jeder ein Foto haben.

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