Thunersee: Wo sind all die Schwäne und Enten hin?
Aktualisiert

ThunerseeWo sind all die Schwäne und Enten hin?

Die Wasservögel am Thunerseeufer sind seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Anwohner befürchten, dass sie abgeschossen wurden.

von
kaf
Schwäne und Enten sind momentan entlang des linken Thunerseeufers kaum noch anzutreffen.

Schwäne und Enten sind momentan entlang des linken Thunerseeufers kaum noch anzutreffen.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Bis vor ein paar Tagen war in Thun noch alles normal: Schwäne und Enten säumten den Aarekanal und das linke Ufer des Thunersees. Doch nun sind die Wasservögel weg, wie mehrere besorgte Thuner feststellen. «Sie sind wie vom Erdboden verschluckt», sagt eine Anwohnerin. Bei ihrem letzten Spaziergang dem Ufer entlang habe sie nur noch vier Stockenten gesehen – «ansonsten sind es 50 oder mehr». Sogar der Mühleplatz in Thun, wo sich sonst immer viele Wasservögel versammeln, sei wie leergeräumt.

Auch in Hünibach und in Gunten sorgt man sich. «Eine Schwanenfamilie kam jeden Abend zu uns in den Garten», sagt eine Anwohnerin. «Seit einigen Tagen ist sie aber spurlos verschwunden.» Sie habe nach den Schwänen gesucht. «Dabei fiel mir auf, dass gar keine mehr da waren.» Dass die Wasservögel so plötzlich verschwunden sind, finden die Anwohner seltsam: «Da muss etwas passiert sein, vielleicht wurde der Bestand dezimiert.»

«Keinen Abschuss freigegeben»

Das ist laut dem bernischen Jagdinspektor Niklaus Blatter nicht der Fall: «Schwäne sind geschützt. Einen Abschuss hätten wir bewilligen müssen – was wir nicht getan haben.» Tatsächlich sei es oft so, dass Schwäne und Stockenten im Sommer an anderen Stellen zu finden seien. «Entlang des rechten Ufers hat es viel mehr schützendes Schilf, was gerade während der Brut- und Aufzuchtszeit wichtig ist», sagt Blatter. Und die Stockenten würden den Hochsommer zudem mehrheitlich mitten auf dem See verbringen, da sie dort mehr Nahrung fänden.

Blatter hält die geringere Anzahl von Jungtieren für eine mögliche Erklärung dafür, warum das Fehlen der Wasservögel dieses Jahr zusätzlich auffällt: «Das Hochwasser hat möglicherweise viele Gelege beeinträchtigt.» Viele frisch geschlüpfte Vögel könnten vermutlich auch wegen des kalten und nassen Wetters der letzten Monate verendet sein.

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