FC St. Gallen: Wo sind die sechs Millionen geblieben?
Aktualisiert

FC St. GallenWo sind die sechs Millionen geblieben?

Der Start in die neue Saison hat geklappt – sportlich jedenfalls. Doch im Hintergrund herrscht schon seit Jahren grosse Unruhe um den Geldfluss rund um das neue Stadion in St. Gallen. Für den FCSG ist das existenziell – und jetzt gibt es eine Untersuchung.

von
Lars Gansäuer

Das Neue Stadion St. Gallen, wie die AFG-Arena von den Fans liebevoll bezeichnet wird, sollte die Wende in eine rosige Zukunft für den FC St. Gallen einläuten. «Mit dem neuen Stadion können wir ein Budget von 10 bis 12 Millionen Franken solide abstützen», versprach der frühere Präsident Dieter Fröhlich im Jahre 2007. Doch als er im Frühjahr 2008 abtrat, bzw. abgetreten wurde, offenbarte sich die hässliche Kehrseite dieser Aussage. Im Stadion Espenmoos wurde ein dickes Minus eingefahren und der Schuldenberg häufte sich auf bedenkliche Ausmasse an, beinahe schon wie es früher bei Servette oder Sion der Fall war. «Strukturelles Defizit» war die mehrfach gebrauchte Erklärung für existenzgefährdendes Wirtschaften.

Arena als Heilsbringer

Mit dem neuen Stadion in St. Gallen wurde dann aber tatsächlich eine neue Epoche eingeleitet, denn der viereckige Bau wurde von den Fans kurzerhand zu einem Fussball-Tempel umfunktioniert. Aber was ist jetzt mit dem solide abgestützten Budget von 10 bis 12 Millionen? FCSG-Präsident Michael Hüppi macht eine gute Miene zum bösen Spiel und wollte zuletzt nichts über seine tatsächliche Gefühlslage verraten. Er lächelte und antwortete: «Unser Budget beträgt im Moment acht Millionen Franken und aktuell sind davon erst sieben Millionen gesichert.» Daher ist man in St. Gallen von der Arena als Heilsbringer weit entfernt.

20 Minuten Online rechnet nach

Knapp 2,5 Millionen bringen die komplett vermieteten Logen ein. Hinzu entrichten 250 000 Zuschauer im Durchschnitt mindestens 20 Franken Eintritt, was weitere 5 Millionen Franken in die Kasse spült. Zu diesen Eintrittsgeldern in Höhe von 7,5 Millionen kommt eine weitere Million von Edgar Oehler, dem Namensgeber der AFG-Arena und bei einem siebten oder achten Schlussrang noch weitere rund 700 000 Franken an TV-Geldern. Ohne Catering im Stadion, ohne Merchandising und selbstredend ohne einen einzigen Franken von Sponsoren, Inserenten oder Gönnern, hat der FCSG hier bereits Einnahmen von 9,2 Millionen Franken. Zum Vergleich: Im alten Espenmoos gab es keine Logen und bei 10 000 Zuschauern war bereits Schluss mit lustig beim Ticketverkauf – doch der Etat war schon damals immer in Bereichen von knapp 10 Millionen Franken.

Wo verschwinden die Millionen?

Grundsätzlich gilt: Alle Einnahmen und Ausgaben ergeben ein Gesamtbudget. Wenn Präsident Michael Hüppi nun von Einnahmen von nur 7 Millionen spricht, wirft dies Fragen auf: Kommen die im Stadion generierten Einnahmen gar nicht im Verein an oder publiziert Hüppi bewusst niedrigere Zahlen, um heimlich, still und leise den Schuldenberg abzutragen? Eine Antwort auf diese Fragen zu finden, scheint nahezu unmöglich, aber es gibt Indizien: Das Stadion gehört der «Stadion St. Gallen AG». Die Betriebs AG der AFG-Arena ist «nur» die Mieterin, sie ist aber auch verantwortlich für Ticketing, Catering und Marketing. Der FC St. Gallen ist nur Nutzer des Stadions. Beinahe alle Gelder ausser der Trikotwerbung und der Spenden der Gönnervereinigungen landen also zunächst bei der Betriebs AG, welche dann Gelder an den Verein weiterleitet. Aber wieviel, wann und für was? Und warum diese sinnlos erscheinenden Umwege?

Vom früheren Vorstand des FC St. Gallen, der den Übergang vom Espenmoos in die Arena einleitete und grösstenteils auch durchführte, sitzen heute die meisten Protagonisten in der Betriebs AG und dem Stadion-Verwaltungsrat ein. Aber obwohl dem Verwaltungsrat des FC St. Gallen auch Sitze im Verwaltungsrat der Betriebs AG zustehen, weigert sich dieser, diese Sitze einzunehmen. Ein Einsitz brächte natürlich etwas mehr Licht ins Dunkel, aber gleichzeitig stünden diese Verwaltungsräte auch in der Verantwortung. Ein Lotteriespiel, bei dem von Vereinsseite niemand mitspielen will, weil das von allen bislang als «zu riskant» eingestuft wird.

Unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben

Weil neben den oben berechneten 9,2 Millionen Franken auch noch weitere 4 bis 5 Millionen Franken durch das Catering im Stadion, das Marketing (Werbung auf der Ausrüstung, im Stadion, der Matchzeitung, etc.), das Merchandising (Trikot- und Fanartikelverkäufe) und der Gönnervereinigungen zusammenkommen, sollte ein Mindest-Budget von 13 Millionen Franken realistisch sein. Michael Hüppi spricht jedoch von aktuell sieben Millionen. Natürlich fällt eine Stadionmiete an, um die Infrastruktur zu nutzen, aber das alleine reicht nicht aus, um eine Differenz von sechs Millionen Franken zu erklären. Um das alles aufzuklären, hat der FCSG-Präsident bei der renommierten Agentur «PricewaterhouseCoopers» ein Gutachten in Auftrag gegeben.

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