Zuwachs: Wölfe: Es werden stetig mehr
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ZuwachsWölfe: Es werden stetig mehr

In den kommenden Jahren wird die Zahl der Wölfe in der Schweiz weiter zunehmen. Ob das Raubtier aber wieder wirklich heimisch wird, ist von der Bereitschaft der Bevölkerung abhängig, wie ein Experte meint.

Der Wolf findet hierzulande einen reichgedeckten Tisch, weil es in der Schweiz so viele Rothirsche wie noch nie gegeben hat. Dass es reichlich Nahrung gibt, sei eine Chance für den Wolf, sagte Jean-Marc Weber, Leiter des Wolfprojekts Schweiz, am Mittwochabend im Nationalparkzentrum in Zernez. Doch noch wichtiger sei die Einstellung der Bevölkerung.

Seit 1995 sind immer wieder Wölfe in der Schweiz aufgetaucht, heute leben laut Weber fünf bis acht im Land. Ihr Zahl hat ständig zugenommen - trotz legalen und illegalen Abschüssen.

Seit der Wolf in Italien 1972 unter Schutz gestellt wurde, vermehrte sich die aus den Abbruzzen stammende Restpopulation stark und breitete sich über den Apennin Richtung Alpen aus. Heute leben in den Westalpen rund 200 Wölfe, die meisten davon in Frankreich. Was geschieht, ist eine natürliche Wiederbesiedlung.

Gute Läufer

Dass die Wölfe wieder kommen, liegt auch daran, dass sie gute Läufer sind. Mühelos können sie bis 50 Kilometer pro Tag zurücklegen. Begünstigt wird die Ausbreitung von der Zunahme der Waldfläche und der Beutetierbestände. Vor allem im Apennin hat auch die Landflucht zur Ausbreitung beigetragen.

Kotuntersuchungen im Rahmen des Wolfmonitorings Schweiz haben ergeben, dass die Tiere knapp einen Drittel ihres Nahrungsbedarfs mit Hirschen decken. 21 Prozent der Beute besteht aus Rehen. Gämse, Steinbock und Wildschwein machen zwischen 2,5 und 4,9 Prozent aus.

Ein Viertel Nutztiere

Der Anteil der Nutztiere an der Beute beträgt ein Viertel. Ziegen und Schafe tragen zu je 12 Prozent, Rinder mit 2,5 Prozent zur Nahrung bei. Die meisten Haustiere werden im Sommer gerissen, in der übrigen Zeit steht Wild auf dem Speiseplan.

50 bis 100 Nutztiere werden pro Jahr in der Schweiz von Wölfen erlegt, wobei die Halter vollständig entschädigt werden. Von 1998 bis 2006 wurden dafür 360 000 Franken aufgewendet.

Schutzmassnahmen könnten die Zahl der Risse von Nutztieren stark senken, erklärt der Leiter des Wolfprojekts. Doch seien diese teuer und deren Finanzierung offen. (sda)

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