Graubünden : Wölfe reissen Mutterkuh – «Angriffe dürften sich wiederholen»

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Graubünden Wölfe reissen Mutterkuh – «Angriffe dürften sich wiederholen»

Im Kanton Graubünden wurde eine ausgewachsene Kuh von Wölfen des Beverinrudels getötet. Bis Regulationsabschüsse genehmigt werden, muss es erst nachweislich neuen Nachwuchs im Rudel geben. 

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«Das getötete Tier wurde von den Wölfen stark genutzt», schreibt das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden. 

«Das getötete Tier wurde von den Wölfen stark genutzt», schreibt das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden. 

Das Wolfsrudel Beverin gilt als Problem-Rudel.

Das Wolfsrudel Beverin gilt als Problem-Rudel.

Amt für Jagd und Fischerei GR
Ihr Streifgebiet erstreckt sich über 200 Quadratkilometer. 

Ihr Streifgebiet erstreckt sich über 200 Quadratkilometer. 

Amt für Jagd und Fischerei GR

Darum gehts

In der Nacht auf Samstag wurde auf der Alp Nurdagn am Schamserberg eine Mutterkuh von Wölfen gerissen. Der Fundort des toten Nutztieres liegt im Streifgebiet des Beverinrudels, wie das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden mitteilt.

Es handele sich bei diesem Riss um den ersten Fall im Kanton Graubünden, bei dem ein «ausgewachsenes Nutztier aus der Rinderfamilie» von Wölfen getötet wurde, heisst es weiter. Die siebenjährige Milchkuh befand sich zusammen mit weiteren Artgenossen in einem eingezäunten Areal. «Das getötete Tier wurde von den Wölfen stark genutzt», schreibt das Amt. 

«Es ist nicht sicher, dass die Wölfe an den Rissort zurückkehren. Das Streifgebiet des Rudels erstreckt sich über 200 Quadratkilometer», so Adrian Arquint, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei Graubünden auf Anfrage. Jedoch hatte das Alppersonal die Tiere vorgängig schon im Gebiet beobachtet. «Heute Nacht wird die Wildhut einen weiteren Versuch starten, eines der Tiere zu narkotisieren und einen GPS-Sender anzubringen.» Die Erfahrung zeige, dass die Wölfe so abgeschreckt werden und ein Jagdgebiet über längere Zeit meiden. Es müsse davon ausgegangen werden, dass sich Angriffe von ähnlichem Ausmass wiederholen werden. «Das Beverinrudel war schon immer sehr auffällig. Die Verhaltensmuster werden vom Vatertier an die Jungtiere weitergegeben», so Arquint weiter. Im Vergleich zum Beverinrudel gäbe es Wölfe, die hauptsächlich Wildtiere reissen und so eher unauffällig blieben.

Zuständiges Amt besorgt

Im Streifgebiet des Beverinrudels ist die Schwelle der Anzahl gerissener Nutztiere für Regulationsabschüsse bereits erreicht. Bevor die Wölfe eines Rudels reguliert werden dürfen, müsse laut Gesetz zuerst der diesjährige Nachwuchs festgestellt werden. Erfahrungsgemäss sei damit ab Juli bis spätestens September zu rechnen. Weil es im Jagdgebiet nicht Platz für alle hat, müssten Jungwölfe oftmals auch abwandern, wie GPS-Daten zeigen. In einem Fall sei ein Wolf über Österreich bis nach Süddeutschland gelaufen.

Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden ist besorgt über das Verhalten der Wölfe des Beverinrudels. Diese würden sich bereits seit mehreren Jahren problematisch verhalten: «Die Tötung einer ausgewachsenen Mutterkuh entspricht im Vergleich zur Gefährdungs- und Schadensentwicklung bei Schafen und Ziegen einer weiteren, neuen und schwerer wiegenden Eingriffstiefe.»  

Im Dezember 2021 wurde der letzte von drei Jungwölfen des Beverinrudels, welche dieser Zeit durch das Bundesamt für Umwelt zum Abschuss bewilligt wurden, erlegt. 

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

(kat/chk)

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