Fertig Kabine: Wofür gibts nochmal das Publifon?
Aktualisiert

Fertig KabineWofür gibts nochmal das Publifon?

Jeder kennt sie - und zwar leer und unbenutzt: Die Telefonkabine. Stellt sich die Frage, warum es sie dann immer noch gibt.

von
Werner Grundlehner
Die Swisscom muss gemäss Auftrag mindestens ein öffentliches Telefon pro politischer Gemeinde betreiben - wie hier in Sent.(Bild: Keystone)

Die Swisscom muss gemäss Auftrag mindestens ein öffentliches Telefon pro politischer Gemeinde betreiben - wie hier in Sent.(Bild: Keystone)

In öffentlichen Telefonkabinen wird viel telefoniert. Am häufigsten mit dem Handy, wenn es draussen regnet, windet oder schneit. Für den ursprünglichen Zweck jedoch werden die Kabinen – auch Publifon genannt – kaum benutzt. Dabei sind die Telefonzellen der neusten Generation doch wahre technische Meisterwerke. Öffnet man die Türe des runden Glaszylinders begrüsst einen Musik und ein Bildschirm offeriert, bei der Nummernsuche behilflich zu sein.

Schweizweit sind noch 8100 solcher öffentlichen Telefone in Betrieb. Vor zehn Jahren betrieb die Swisscom noch 10 800 Telefonzellen. Die ehemalige Monopolistin hat einen Grundversorgungsauftrag mit der Eidgenössischen Kommunikationskommission ComCom, der vorschreibt, diesen Service am Leben zu erhalten.

Unter die Lizenz fallen 4800 öffentliche Telefone – mindestens eines pro politische Gemeinde. Die Gesprächsfrequenz an derartigen Apparaten reduzierte sich bis in die heutige Handy-Zeit jedoch stark. In kleinen Gemeinden sind es bisweilen nur noch null bis drei Anrufe pro Monat. Der Grundversorgungsauftrag endet 2017.

Swisscom «sponsert» ländliche Kabinen

Doch bis dahin dürften noch bedeutend weniger Leute die Zellen benutzen. Denn bei den öffentlichen Telefonen der Grundversorgung ging gemäss Swisscom die Zahl der Gespräche innert Jahresfrist um weitere 30 Prozent zurück. Bereits in der Periode von 2004 bis 2008 reduzierte sich die Nutzung der öffentlichen Telefone um 60 Prozent.

Die Defizite, die durch die Apparate der Grundversorgung entstehen, trägt gemäss ComCom die Swisscom als Konzessionärin. Weder Swisscom noch ComCom wollten sich dazu äussern, was eine Telefonzelle der neusten Generation in der Anschaffung kostet oder wie hoch das Defizit ist.

Geschätzte Anonymität

Stattdessen gibt man sich kämpferisch. «Die Swisscom wird auch in den kommenden Jahren an den Publifonen festhalten», sagt Sprecherin Myriam Ziesack. Es ist davon auszugehen, dass die Swisscom damit vor allem die öffentlichen Telefone meint, die sie bereits jetzt ausserhalb des Grundversorgungsauftrags unterhält.

Diese 3500 Geräte werden aus ökonomischen Gründen an stark frequentierten Orten platziert. Solche Zellen finden sich beispielsweise an Bahnhöfen und Flughäfen. So erklärt ein Sprecher der Stadt Bern, dass die Swisscom gewünscht habe, unter dem Baldachin vor dem Bahnhof drei Publifone in Betrieb zu nehmen. «Nach Abklären des Bauverfahren und Erhalt der nötigen Lizenzen ist dies auch passiert», fügt er an.

Doch auch die Anzahl der rentablen Telefonkabinen wird sinken, weil die Handynutzung kontinuierlich steigt. Einen grossen Vorteil bieten jedoch die Telefonkabinen weiterhin. In einer Zeit, in der jeder Apparat den erhaltenen Telefonanruf zurückverfolgen kann, lässt sich nur noch aus der Telefonzelle «richtig» anonym telefonieren. Wer solche Spässe liebt, muss darauf hoffen, dass der Bundesrat den Auftrag zur Grundversorgung ab 2017 verlängert.

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