Keine sexuelle Misshandlung – Woher hat eine Elfjährige die Geschlechtskrankheit Tripper?
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Keine sexuelle MisshandlungWoher hat eine 11-Jährige die Geschlechtskrankheit Tripper?

Die aus den Ferien mitgebrachte Tripper-Erkrankung ihrer Tochter hat das Leben einer Familie aus Österreich ganz schön durcheinander gebracht. Denn das Mädchen ist erst 11 Jahre alt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Mittelmeerferien einer Familie aus Österreich verliefen anders als erhofft.

Die Mittelmeerferien einer Familie aus Österreich verliefen anders als erhofft.

Wikimedia Commons/Shyamal/CC BY-SA 3.0
Denn die elfjährige Tochter infizierte sich mit Gonokokken, die die Geschlechtskrankheit Tripper verursachen, eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. 

Denn die elfjährige Tochter infizierte sich mit Gonokokken, die die Geschlechtskrankheit Tripper verursachen, eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen.

Symbolbild/Getty Images
Sexuellen Kontakt hatte das Mädchen jedoch nicht. Doch wo und wie ist es mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae in Kontakt gekommen? Die Antwort ist weit weniger erschreckend als kurz nach der Diagnose befürchtet. 

Sexuellen Kontakt hatte das Mädchen jedoch nicht. Doch wo und wie ist es mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae in Kontakt gekommen? Die Antwort ist weit weniger erschreckend als kurz nach der Diagnose befürchtet.

Symbolbild/Wikimedia Commons/Graham Beards/CC BY-SA 4.0

Darum gehts

  • Böse Überraschung nach Ferienende: Eine Elfjährige hat sich mit Tripper infiziert.

  • Tripper, von Experten Gonorrhoe genannt, ist eine sexuell übertragbare Geschlechtskrankheit.

  • Sexuellen Kontakt hatte das Mädchen aber nachweislich nicht.

Vaginaler Ausfluss, Jucken und Brennen – darüber klagte vergangenes Jahr plötzlich eine elfjährige Österreicherin während des Familienurlaubs am Mittelmeer. Die Symptome traten plötzlich auf und hielten sich hartnäckig. Jedes Mal, wenn das Mädchen im Meer baden wollte, brannte es so schlimm, dass es wieder kehrt machte. Die Eltern kauften vor Ort ein Antipilzmittel, doch das half kaum.

Erst zurück in der Heimat kam die Familie der Ursache auf die Schliche. Der Abstrich bei der Kinderärztin ergab, dass die elfjährige ​​Gonorrhoe hatte, besser bekannt als Geschlechtskrankheit Tripper (siehe Box). Weil Eltern und Ärzte an eine Verwechslung der Probe glaubten, wie Spiegel.de schreibt, kam es zu einem weiteren Abstrich. Das Ergebnis jedoch war dasselbe. Für alle Beteiligten ein Schock: War das Mädchen misshandelt worden?

Das ist Tripper

Es handelt sich dabei um eine der weltweit häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Sie wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) ausgelöst, das in Schleimhautsekreten infizierter Personen vorkommt und bei ungeschütztem oralen, vaginalen und analen Geschlechtsverkehr übertragen wird oder bei der Geburt von der Mutter auf das Kind.

Erste Symptome treten meist zwei bis sieben Tage nach einer Ansteckung auf. Bei Männern kommt es zunächst zu einer Rötung und einer Schwellung an der Harnröhrenmündung mit Schmerzen beim Urinieren und einem eitrigen Ausfluss. Bei Frauen äussert sich ​​Gonorrhoe sich ebenfalls am ehesten durch vermehrten Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlösen. Dem bei allen Geschlechtern auftretende Ausfluss verdankt die Erkrankung den Namen Tripper, was von «in Tropfen herabfallen» kommt.

Heilung bringt eine Antibiotikatherapie, wobei dies aufgrund von zunehmenden Antibiotikaresistenzen immer schwieriger wird und kaum noch möglich ist. Unbehandelt kann ​​Gonorrhoe zu Unfruchtbarkeit führen. (BAG/fee)

Fund der Ursache lässt aufatmen

Der schreckliche Verdacht war bald von der Hand: Die Elfjährige wollte nichts von einer Misshandlung wissen und auch die Ergebnisse von medizinischen Untersuchungen der Eltern sprachen dagegen, wie Spiegel.de unter Berufung auf ein Fachmagazin schreibt. Es gab auch keine anderen Hinweise auf sexuellen Kontakt. Doch wie hat sich das Mädchen dann mit der Geschlechtskrankheit infiziert, die mithilfe von Antibiotikainfusionen behandelt wurde?

Die Antwort ist weit weniger erschreckend als kurz nach der Diagnose befürchtet: Die Elfjährige hat sich wohl beim Planschen in der Nähe eines Vulkansees am Urlaubsort infiziert. An dessen Ufern bauen Besucherinnen und Besucher immer wieder Steinwände ins Wasser, wodurch kleine, warme, flache Becken entstehen, zitiert das deutsche Magazin aus dem Fallbericht. Insgesamt eine Stunde soll das Mädchen darin gebadet haben – zusammen mit anderen Menschen. Mit frischem Wasser abgespült hat sie sich danach nicht. Ein Fehler, wie die Tripper-Diagnose schliesslich zeigte.

Junge Mädchen brauchen keinen direkten Schleimhautkontakt

Eindeutig belegen, dass die Ansteckung im warmen Wasser stattgefunden hat, können die Autorinnen und Autoren des Fallberichtes nicht. Es spreche aber einiges dafür, so Spiegel.de. Etwa, dass das Wasser im Vulkansee ähnlich warm sei wie der menschliche Körper und mineralische und organische Partikel enthalte, die möglicherweise das Überleben von Gonokokken begünstigen.

Dass sich junge Mädchen auf diese indirekte Weise infizieren, ist gemäss dem deutschen Robert-Koch-Institut nicht ungewöhnlich: Weil die vaginale Schleimhaut von jungen Mädchen noch einen höheren pH-Wert hat als die von Frauen und alkalisch ist, finden Gonokokken dort sehr günstige Voraussetzungen – sie brauchen dann nicht unbedingt den direkten Schleimhautkontakt. Dennoch müsse beim Nachweis einer Gonorrhoe bei Kindern «stets der dringende Verdacht auf sexuellen Missbrauch geäussert werden.»

Die Elfjährige aus Österreich hat die Erkrankung gut überstanden.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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