Zibelemärit 2020 abgesagt : Wohin nur mit all den Zwiebeln?
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Zibelemärit 2020 abgesagt Wohin nur mit all den Zwiebeln?

51 Tonnen Zwiebeln wurden im 2019 auf dem Berner Zibelemärit angeboten. Und auch jetzt wartet eine ähnliche Menge darauf, verkauft zu werden. Nur: Der Zibelemärit 2020 findet nicht statt. Händler machen sich Sorgen.

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Der Zibelemärit ist in der Stadt Bern eine grosse Sache. In den frühen Morgenstunden begeben sich Berner und Touristen in die Innenstadt, um gemeinsam Zwiebelkuchen und Glühwein zu geniessen. Dieses Jahr ist der Zibelemärit jedoch abgesagt.

Der Zibelemärit ist in der Stadt Bern eine grosse Sache. In den frühen Morgenstunden begeben sich Berner und Touristen in die Innenstadt, um gemeinsam Zwiebelkuchen und Glühwein zu geniessen. Dieses Jahr ist der Zibelemärit jedoch abgesagt.

Keystone
Der Berner Gemeinderat ist zur Überzeugung gelangt, dass wegen der «immensen Besucherzahlen» die Schutzmassnahmen nicht ausreichend eingehalten werden könnten, wie er am Freitag mitteilte.

Der Berner Gemeinderat ist zur Überzeugung gelangt, dass wegen der «immensen Besucherzahlen» die Schutzmassnahmen nicht ausreichend eingehalten werden könnten, wie er am Freitag mitteilte.

Dies stellt viele Beteiligte nun vor ein Problem: Wohin nur mit all den Zwiebeln? 2019 wurden an über 600 Marktständen rund 51 Tonnen Zwiebeln angeboten.

Dies stellt viele Beteiligte nun vor ein Problem: Wohin nur mit all den Zwiebeln? 2019 wurden an über 600 Marktständen rund 51 Tonnen Zwiebeln angeboten.

Darum geht es

  • Der Berner Gemeinderat beschloss, dass der Zibelemärit dieses Jahr aufgrund des Coronavirus nicht stattfinden wird.
  • Die Schutzmassnahmen könnten nicht ausreichend eingehalten werden.
  • Doch die Zwiebelhändler sind bereits in Besitz der Zwiebeln.
  • Wie sollen sie die Hunderte Kilogramm nun loswerden?

Auf den Feldern im Seeland sind schon vor Monaten Zwiebeln gesetzt worden, um diese dann im Spätherbst in Bern auf dem Zibelemärit verkaufen zu können. Während die Bollen nun wachsen oder für die Weiterverarbeitung bereitstehen, trifft man in der Bundesstadt eine Entscheidung: Der Traditionsanlass muss in diesem Jahr abgesagt werden. Wegen Corona sei die Durchführung des Zibelemärits heuer nicht möglich, begründete der Berner Gemeinderat Reto Nause den Beschluss.

Der Entscheid ist für die meisten nachvollziehbar – dennoch stellt er Beteiligte nun vor ein Problem: wohin nur mit all den Zwiebeln? 2019 wurden an über 600 Marktständen rund 51 Tonnen Zwiebeln angeboten – und auch für den inzwischen abgesagten Anlass vom 23. November 2020 dürfte von all den Händlern eine ähnliche Menge eingeplant worden sein.

Die Sorgen der Macherinnen

«Im Frühling, als es ums Anpflanzen ging, haben wir nicht gedacht, dass sich die ganze Corona-Sache so in die Länge zieht», sagt Zwiebelzopfmacherin Ruth Lehmann. Die 58-Jährige hortet nun mehrere Hundert Kilogramm Zwiebeln daheim in Müntschemier BE. «Ich mache mir nun schon Gedanken, was mit all den Zwiebeln passieren soll», sagt Lehmann. Denn für den «normalen» Verkauf seien diese Zwiebeln nicht wirklich gedacht – «es handelt sich hier nämlich um eine flache Sorte, die sich besonders fürs Flechten eignet.»

Ähnliche Sorgen plagen derzeit auch Rahel Christener-Rüedi. Die 38-Jährige aus dem Berner Oberland fährt ebenfalls jedes Jahr mit ihren Zöpfen und Kränzen an den Zibelemärit. Wie sie die bereits gesetzten 300 Kilogramm Zwiebeln heuer noch irgendwie unter die Leute bringen kann, ist ihr derzeit noch ein Rätsel: «Wir müssen nun einen Plan-B aushecken», sagt die 38-Jährige aus dem Berner Oberland.

Eines ist Christener-Rüedi, die das Traditionshandwerk von ihrer Schwiegermutter aus dem Seeland gelernt hat, aber schon jetzt klar: Obwohl der Zibelemärit ausfällt, will sie die Bollen auch 2020 zu schönen Geflechten verarbeiten – «es gehört einfach dazu», sagt sie.

Zibelemärit in den Wochenmarkt integrieren

Damit die Produzenten und Händler nicht auf ihrem Gemüse sitzen bleiben, hat Berns Gemeinderat das Polizeiinspektorat beauftragt, Möglichkeiten zum Verkauf von Zwiebeln im Rahmen der Wochenmärkte auszuarbeiten. Gemeinsam mit den Marktfahrern soll das Inspektorat dort einen zeitlich und räumlich erweiterten Zwiebelverkauf organisieren.

Diese Planungsansätze aus Bern geben den Händlern Hoffnung. Doch dass sie all ihre Kisten voller Zöpfe verkaufen können, wird bezweifelt: «Der richtige Zibelemärit lockt jeweils bis zu 80’000 Menschen aus der ganzen Schweiz nach Bern – dies kann ein gewöhnlicher Wochenmarkt natürlich nicht bieten», sagt Christener-Rüedi.

So hat sie – wie auch Kollegin Ruth Lehmann – begonnen, auf Facebook Werbung zu machen. In Kommentaren sichern erste Kunden bereits ihr Kaufinteresse zu. Man freut sich über diese Unterstützung – «die Leute zeigen sich sehr solidarisch», sagt Christener-Rüedi. Und auch in Müntschemier könnte der Onlineverkauf das Zwiebelzopfjahr retten. Doch für Lehmann ist klar: «Es ist für alle Branchen ein schwieriges Jahr, wir müssen es nehmen, wie es kommt.»

(miw)

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