Ablauf : Wohl erste Affenpocken-Übertragung zwischen Mensch und Hund belegt

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Ablauf Wohl erste Affenpocken-Übertragung zwischen Mensch und Hund belegt

Seit Anfang Mai der erste Affenpocken-Fall in London nachgewiesen wurde, steigt die Zahl der Betroffenen kontinuierlich. Nun wurde das Virus erstmals bei einem Hund nachgewiesen. Er dürfte sich bei seinem Herrchen angesteckt haben.  

von
Fee Anabelle Riebeling
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In Paris wurde der weltweit erste Affenpocken-Fall bei Hunden nachgewiesen. 

In Paris wurde der weltweit erste Affenpocken-Fall bei Hunden nachgewiesen. 

Unsplash
Bei dem tierischen Patienten handelt es sich, dem im renommierten Fachjournal «The Lancet» veröffentlichten Bericht zufolge, um einen vierjährigen Italienischen-Windspiel-Rüden (Symbolbild). 

Bei dem tierischen Patienten handelt es sich, dem im renommierten Fachjournal «The Lancet» veröffentlichten Bericht zufolge, um einen vierjährigen Italienischen-Windspiel-Rüden (Symbolbild). 

Wikimedia Commons/christina/CC BY 2.0
Diese waren wenige Tage vor dem Auftreten der Symptome bei ihrem Hund im Pariser Spital Pitié-Salpêtrière mit den typischen Affenpocken-Symptomen vorstellig geworden. Bei beiden fiel der Test positiv aus.

Diese waren wenige Tage vor dem Auftreten der Symptome bei ihrem Hund im Pariser Spital Pitié-Salpêtrière mit den typischen Affenpocken-Symptomen vorstellig geworden. Bei beiden fiel der Test positiv aus.

Wikimedia Commons/Pline/CC BY-SA 3.0

Darum gehts

  • In Frankreich wurden Affenpocken erstmals bei einem Hund nachgewiesen. 

  • Laut Forschenden deutet alles darauf hin, dass er sich bei seinem infizierten Herrchen infiziert hat. 

  • Die Gesundheitsbehörden raten schon länger dazu, sich im Krankheitsfall auch von den Haustieren zu isolieren. 

Der aktuelle Affenpocken-Ausbruch ist ungewöhnlich: Noch nie waren die Fallzahlen so hoch (siehe Box). Noch nie verbreitete sich das Virus unter Menschen, die keinerlei Kontakte zu Afrika hatten, wo der Erreger endemisch ist. Noch nie rissen die Infektionsketten so lange nicht ab. Zudem gibt es neue Symptome. Nun berichten Forschende von einem weiteren Novum: Sie wiesen den Erreger erstmals bei einem Haustier nach, einem Hund.

Sprunghafter Anstieg der Fälle

Der Affenpocken-Ausbruch wird immer grösser. Der erste Fall der Krankheit wurde am 7. Mai in Grossbritannien gemeldet, rund zwei Wochen später waren es bereits Hunderte Fälle ausserhalb Afrikas. Am 16. August meldet die US-Gesundheitsbehörde CDC 31’799 bestätigte Fälle weltweit, wobei 31’424 davon in Regionen auftraten, in denen das Virus bisher kein Thema war. Auch die Schweiz ist von dem Ausbruch betroffen: Dem Bundesamt für Gesundheit BAG sind 387 nachgewiesene Fälle bekannt. Der erste Fall hierzulande wurde am 21. Mai 2022 im Kanton Bern gemeldet. Meldepflichtig wurden Affenpocken in der Schweiz erst zwei Monate später, am 20. Juli 2022. Kurz darauf wurde der Erreger von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus zum internationalen Gesundheitsnotstand erklärt.

Wie das Team um die Infektiologin Sophie Seang im Fachjournal «The Lancet» schreibt, suchten zwei Männer, die als «nicht exklusives» Paar zusammenleben und jeweils auch Sex mit anderen Männern haben, im Juni 2022 das Spital Pitié-Salpêtrière in Paris auf. Beide hatten sechs Tage nach ausserhäuslichem Geschlechtsverkehr bei sich die für eine Affenpocken-Infektion typischen Pusteln entdeckt. Ein PCR-Test bestätigte, dass sie sich tatsächlich mit Affenpocken infiziert hatten. Die DNA-Sequenzierung der Proben zeigte, dass sich die beiden Männer mit unterschiedlichen Erregersträngen infiziert haben.

Zwölf Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome stellten die beiden Männer auch bei ihrem Hund, einem Italienischen Windspiel ohne Vorerkrankungen, die markanten Pusteln fest. Dies unter anderem am Bauch, aber auch am After, wie es in der Studie heisst. Auch er wurde positiv auf Affenpocken getestet. Weitere Untersuchungen zeigten, dass er mit der gleichen Variante wie eines seiner Herrchen infiziert war.

Die Männer gaben an, gemeinsam mit ihrem Hund in einem Bett zu schlafen und dass sie seit dem Auftreten ihrer eigenen Symptome darauf geachtet hatten, dass ihr Hund nicht mit anderen Haustieren oder Menschen in Kontakt kam.

«Eine echte Hundekrankheit»

Laut dem Team um Seang ist dies der erste beschriebene Affenpocken-Fall bei Haustieren. «Nach unserem Kenntnisstand deutet der Ablauf des Symptomausbruchs bei beiden Patienten und anschliessend bei ihrem Hund auf eine Übertragung des Affenpockenvirus von Mensch zu Hund hin.» Angesichts der Haut- und Schleimhautläsionen des Hundes sowie der positiven PCR-Ergebnisse von Anal- und Mundschleimhautabstrichen auf das Affenpockenvirus sei davon auszugehen, dass es sich um «eine echte Hundekrankheit handelt und nicht um eine einfache Übertragung des Virus durch engen Kontakt mit Menschen oder durch die Luft (oder beides).»

Die Forschenden empfehlen aufgrund der neuen Erkenntnisse, zu diskutieren, ob Haustiere von Affenpockenvirus-positiven Personen isoliert werden sollten – etwas, das die CDC bereits empfiehlt. Auch das BAG weist auf die Möglichkeit der Mensch-zu-Tier-Übertragung hin und empfiehlt: «An Affenpocken erkrankte Personen sollten sich während ihrer Erkrankung (das heisst, bis zum Abfallen der letzten Hautverkrustungen) von ihren Katzen, Nagetieren und/oder weiteren Säugetieren (Haus- und Wildtieren) fernhalten.» Das deutsche Robert-Koch-Institut rät ebenfalls dazu, im Infektionsfall auf Abstand zu gehen (PDF).

Die Pariser Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern weitere Untersuchungen zu sekundären Übertragungen durch Haustiere.

Verhältst du dich wegen der Affenpocken anders als früher?

So erlebte Tiktok-User @thatgaydoctor seine Affenpocken-Infektion, die er mittlerweile überstanden hat, wie er auf seinem Account erzählt.

20min/Tiktok/thatgaydoctor

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