Trendwende: Wohnen in Zürich wird günstiger

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TrendwendeWohnen in Zürich wird günstiger

In Zürich sind die Mietpreise erstmals wieder gesunken. Auch in anderen Schweizer Städten zeichnet sich eine Trendwende ab.

von
Nikolai Thelitz
Jetzt kann man vielleicht in eine neue Wohnung ziehen, die Mietpreise in der Stadt Zürich sind 2015 zum ersten Mal seit Langem wieder gesunken.

Jetzt kann man vielleicht in eine neue Wohnung ziehen, die Mietpreise in der Stadt Zürich sind 2015 zum ersten Mal seit Langem wieder gesunken.

Keystone/Gaetan Bally

Wohnen ist 2015 in der Schweiz wieder teurer geworden, wie die Analyse von 1,7 Millionen Homegate-Wohnungsinseraten zeigt. Der Preisanstieg fällt im Vergleich zu den Vorjahren jedoch moderat aus. Die durchschnittliche 2,5-Zimmer-Wohnung kostete 2015 neu 1470 statt 1465 Franken, die Preise für 3,5- und 4,5-Zimmer-Wohnungen stagnieren bei 1780 bzw. 2100 Franken. In den Vorjahren wurden jeweils deutlichere Preisanstiege verzeichnet.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen: In der von hohen Mietpreisen geplagten Stadt Zürich wird das Wohnen günstiger. So kostete letztes Jahr eine durchschnittliche 4,5-Zimmer-Wohnung 190 Franken weniger als noch 2014 und 280 Franken weniger als 2013. Neu sinken auch die Mieten für kleinere Wohnungen. Eine durchschnittliche 2,5-Zimmer-Wohnung kostete 2015 noch 1950 Franken, im Jahr zuvor waren es noch 2013 Franken gewesen.

Auch andere Städte konnten im letzten Jahr einen Rückgang der Mieten verzeichnen, etwa Bern oder Genf. In Basel oder Winterthur hingegen steigen die Mieten weiter an. In Luzern zeigt sich ein gemischtes Bild: Während 4,5-Zimmer-Wohnungen 2012 günstiger werden, nehmen die Mietpreise für 3,5- und 2,5-Zimmer-Wohnungen weiterhin zu, wenn auch unregelmässig.

Das Ende eines Trends

Diese neue Entwicklung steht im Gegensatz zu dem jahrelangen, massiven Preisanstieg für Wohnungen in Schweizer Städten. Die Medianmiete für eine 3,5-Zimmer Wohnung in Zürich stieg in acht Jahren um 38 Prozent, eine 4,5 Zimmer-Wohnung wurde innerhalb von sechs Jahren im Schnitt gar 41 Prozent teurer.

«Der Peak in der Stadt Zürich ist definitiv erreicht», sagt Immobilienexperte Daniel Bruckhoff. Dies habe damit zu tun, dass man in der Vergangenheit zu viel an der Preisschraube gedreht habe, sodass die Nachfrage nun nachlässt. Auch der Rückgang in Bern oder Genf lasse sich so erklären.

«Wir sehen momentan eine klare Verschiebung der Nachfrage in die Agglomeration. Daraufhin gehen die Preise in den Städten runter, weil man dadurch hofft, dass die Nachfrage wieder dorthin gelenkt werden kann.»

Gesamtschweizerisch dürften die Mieten laut Bruckhoff in naher Zukunft nicht zurückgehen. Da die Nachfrage allgemein weiter hoch bleibe und die Bautätigkeit zwar etwas rückläufig, aber trotzdem noch auf hohem Niveau sei, würden die Preise schweizweit weiterhin steigen. «Dies aber sicher nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren», sagt Bruckhoff. Bei der Stadt Zürich misst man die Bestandsmieten. Dort merkt man noch nichts von einer Trendumkehr. «Der Anstieg des Zürcher Mietpreisindex, ist aber in den letzten Jahren deutlich abgeflacht, und der Index reagiert träger als die Preise, die gerade am Markt angeboten werden», sagt Sprecher Nat Bächtold.

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