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Aus der BauzoneWohnen wie ein Hobbit

Die Erdhäuser in Dietikon erinnern an Mittelerde. Darin leben allerdings keine Fabelwesen.

von
Thomas Widmer
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Die Erdhäuser an der Lättenstrasse in Dietikon sind nur einige von über 90 Häusern auf der ganzen Welt.

Die Erdhäuser an der Lättenstrasse in Dietikon sind nur einige von über 90 Häusern auf der ganzen Welt.

Thomas Widmer
Die Dächer sind komplett begrünt und begehbar.

Die Dächer sind komplett begrünt und begehbar.

Archi0780, via Wikipedia
Zu den Häusern gehört auch eine Tiefgarage.

Zu den Häusern gehört auch eine Tiefgarage.

Roland ZH, via Wikipedia

Am Hang des Limmattals hat sich der Künstler Bruno Weber ein Gesamtkunstwerk auf grosser Fläche geschaffen. Einen eigenen Kosmos mit gewaltigen ­Giraffenskulpturen, klauenfüssigen Picknickstühlen, einer aus Drachen­wesen komponierten Rundbrücke so hoch wie ein altrömischer Aquädukt. Der Besuch lohnt sich, vor allem mit Kindern.

Ein Haus unter dem Grün

Das Erdhäuser-Ensemble, zu dem man locker in zehn Minuten hinüberschlendert, befindet sich über dem Bruno-Weber-Park. Erster Gedanke: Hier wohnen die Hobbits! Und welches Haus mag wohl Frodo gehören? Alles ist rund und weich und wellig und weiss: die Fassaden, die Fenster und Lukarnen, die Garten­mäuerchen, sogar die Einfahrt zur Parkgarage. Rudolfsteinerianer froh­locken, nirgendwo ein rechter Winkel! Statt Ziegel deckt begrünter Humus die Häuser aus Spritzbeton, von denen wesensgemäss nur der ober­irdische Teil sichtbar ist. Ein Biotöpchen ist da auch.

Würde man in einem solchen ­Erdhaus leben wollen? Den einen Betrachtern wäre das trotz der ­demonstrativen Oberlichter zu dunkel. Andere finden das Design zu lieb, brav, nett, kindlich, harmlos. Zu Papa-Schlumpf-artig. Und wieder andere sind von den Rundungen angetan. Sie stellen sich das Hausen im Erdhaus geborgen vor. Passionierte 2000-Watt-Gesellschaftler führen die Energie­ersparnis ins Feld: Die Erdhäuser sind bestens isoliert, heizen sich im Sommer nicht allzu sehr auf, profitieren im Winter von der Bodenwärme.

Hobbit-Häuser auf der ganzen Welt

Kreiert hat die Häuser an der Lättenstrasse der Architekt Peter Vetsch. Die «Limmattaler Zeitung» porträtierte ihn kürzlich. Er ist 72 und hat in den letzten Jahrzehnten an die 100 Erdhäuser realisiert, in der Schweiz, aber auch in den USA, in Spanien, auf der Krim. Vetsch sieht sein Erdhaus als Beitrag gegen die Zersiedlung, an der ­Lättenstrasse habe er neun Stück auf einer Fläche von vier bis fünf konventionellen Häusern gebaut. Und gleich noch ein Argument für das Erdhaus: Es altere kaum und sei zeitlos, sagt Vetsch.

Ab und zu fahren in Dietikon übrigens Cars mit Architekturtouristen vor. Der eine oder andere vergisst sich vor Begeisterung und trampelt über Privatgrund. Ein Bewunderer fotografierte sogar einmal durchs Dachfenster einen Bewohner in der Badewanne.

Dieser Artikel erschien im «Tages-Anzeiger» im Rahmen der Serie «Aus der Bauzone».

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