Stadt Zürich: Wohnung ohne Okay als Airbnb-Hostel missbraucht

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Stadt ZürichWohnung ohne Okay als Airbnb-Hostel missbraucht

Ein Untermieter hat eine kleine Wohnung in Zürich in ein Airbnb-Hostel umfunktioniert. Vermieter und Verwaltung wissen offenbar von nichts. Das könnte Ärger geben.

von
rom

Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Mal sind es ältere Leute, mal jüngere – oder dann ganze Frauen-Gruppen. Asiaten, Amerikaner, Europäer. Allesamt haben sie ordentlich Gepäck dabei. «Ich wundere mich schon länger über das Treiben in dieser Wohnung», sagt eine Augenzeugin.

Ort des Geschehens ist ein unscheinbares Mehrfamilienhaus in einer ruhigen Quartierstrasse in der Stadt Zürich. 20 Minuten weiss: Der Mieter der besagten Wohnung ist seit einigen Monaten auf einer Auslandsreise. Zur Überbrückung hat er einen Untermieter einquartiert. Dieser schleppte nach dem Einzug mehrere Betten hinein.

«Keine Ahnung, was hier abgeht»

Ein Blick auf die Unterkunftsplattform Airbnb zeigt, dass in der 3-Zimmer-Wohnung üppig Übernachtungsmöglichkeiten angeboten werden – offenbar bis zu fünf Betten in einem Zimmer. «Zum Teil kommen die Touristen nach Mitternacht», sagt die Augenzeugin. «Ich bin mir sicher, dass der eigentliche Mieter keine Ahnung hat, was hier abgeht – und die Hausverwaltung schon gar nicht.»

Dabei wäre das Einverständnis des Vermieters respektive der Hausverwaltung zwingend notwendig, wie Cornel Tanno, Leiter Rechtsberatung beim Hauseigentümerverband Zürich, sagt: «Untermiete – und dazu gehört auch Airbnb – ist grundsätzlich zulässig, sofern sie nicht missbräuchlich ist.» Das bedeutet: Keine Überbelegung und man darf keinen Profit daraus schlagen.

Verwaltungen sagen meist Nein

Doch genau wegen Letzterem sagen viele Eigentümer Nein zu Airbnb: «In der Regel bewilligen wir solche Anfragen von Untervermietungen nicht», sagt beispielsweise Walter Schärer vom Immobiliendienstleister Wincasa, der in der Schweiz rund 60'000 Wohnungen bewirtschaftet. Man überprüfe die Airbnb-Plattform auch regelmässig auf Verdachtsfälle und verschicke bei tatsächlichen unbewilligten Untervermietungen eine Kündigungsandrohung. 2015 habe man drei Meldungen von Airbnb-Untervermietungen erhalten – eine davon in Zürich.

Zumindest bei dem Airbnb in Zürich dürfte sich die Angelegenheit von selbst erledigen. Der reguläre Mieter kommt bald von seiner Auslandsreise zurück – mit Touristen, die nach Mitternacht klingeln, ist es dann fürs Erste vorbei. Der Airbnb-Anbieter reagierte nicht auf die Anfragen von 20 Minuten.

Keine Bewilligung nötig

Keine Bewilligung nötig

Baurechtlich gesehen braucht ein Airbnb-Anbieter keine Bewilligung. Diese wäre laut Matthias Wyssmann, Sprecher des Stadtzürcher Hochbaudepartements, nur nötig für eine Umnutzung für gewerbliche Zwecke: «Airbnb gilt aber nach wie vor als Wohnnutzung und ist vergleichbar mit einer Ferienwohnung.»

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