Grauzone: Wohnung verloren wegen Airbnb
Aktualisiert

GrauzoneWohnung verloren wegen Airbnb

Einem Zürcher wurde die Wohnung gekündigt, weil er seine vier Wände über Airbnb an Touristen untervermietet hat. Das hätte er dem Vermieter melden müssen.

von
vro
Das Portal Airbnb kann einem Wohnungsmieter zum Verhängnis werden.

Das Portal Airbnb kann einem Wohnungsmieter zum Verhängnis werden.

Wer seine gemietete Bleibe über Airbnb oder ähnliche Portale an Dritte vermittelt, der geht ein Untermietverhältnis ein. So lautet die generelle Meinung der Juristen. Laut Gesetz ist ein solches Angebot dem Hausbesitzer zu melden, auch wenn dieser eine Untermiete im Normalfall nicht verbieten kann. Wichtig sei, dass der Preis stimme, wie der «Tages-Anzeiger» am Montag schreibt. So dürfe der Vermieter die Aktion unterbinden, falls der Gastgeber zu viel für die Wohnung verlangt. Ohne Zustimmung des Besitzers dürfe mit einer Unterkunft kein Gewinn erzielt werden.

Einem Zürcher wurde dieser Umstand jetzt zum Verhängnis. Seine Zweitwohnung in Bern, die er als Wochenaufenthalter benutzte, hat er letztes Jahr an den Wochenenden immer wieder an Freunde und Touristen untervermietet. Die Lage der Wohnung war top, die Leute waren begeistert. Die rechtliche Situation war für ihn nie ein Thema. Allerdings nur, bis er sich dazu entschied, professionelle, von Airbnb finanzierte Fotografien seiner Wohnung anfertigen und ins Netz stellen zu lassen. So wollte der Zürcher seine Wohnung vertrauenswürdiger rüberbringen.

Die Rechnung ging nicht auf: Nachdem die Fotos online gestellt worden waren, flatterte die Kündigung ins Haus. Weil er die Wohnung wiederholt und ohne den Hauseigentümer zu informieren untervermietet hat, musste er per Ende Mai raus. Dem «Tages-Anzeiger» gegenüber gab er an, nichts von dieser Vorschrift gewusst zu haben. Auch bei Airbnb sei nie die Rede davon gewesen.

Unklare Verhältnisse

Die rechtliche Situation der Untervermietung ist schwierig zu beurteilen: Die Experten sind sich zwar zu einem grossen Teil einig, dass der Vermieter informiert werden muss und ohne Zustimmung kein Gewinn erzielt werden darf. Trotzdem herrscht Klärungsbedarf: Wie hoch der Preis für die Untermiete sein darf, ist nirgends geregelt. Der Zürcher bezahlte für seine Berner Wohnung im Monat 1300 Franken, demnach kostet eine Nacht 45 Franken. Verlangt hat er von den Gästen mehr als das Doppelte, nämlich 100 Franken pro Nacht. Auch wenn er die Kosten für Umtriebe und Aufwand abziehen kann, ist der Preis deutlich höher als 45 Franken. Viele Juristen sind der Meinung, dass der Zuschlag für die Gäste rund 20 Prozent betragen darf. Für die Wohnung in Bern hätten also höchstens fünfzig Franken verlangt werden dürfen. Es verwundert deshalb nicht, dass unter den Experten befürchtet wird, dass die Leute die Lage der Wohnungsknappheit ausnutzen und mit einer Untervermietung Profit machen.

Der Zürcher Gastgeber hat nun seine Kündigung akzeptiert. Was passiert aber mit den rund 2000 anderen Anbietern, die ihre Wohnung auf Airbnb zur Verfügung stellen? Gemäss Recherchen des «Tages-Anzeigers» haben grosse Liegenschaftsverwaltungen bisher keine Kenntnisse von Untermietverhältnissen, die über Airbnb angeboten werden. Das könne auch damit zu tun haben, dass über das Portal keine genaue Wohnadresse bekannt gegeben wird, sondern nur eine ungefähre Umgebung.

Deine Meinung