Wohnungsinspektor: Viel Interesse, keine Aufträge

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Wohnungsinspektor: Viel Interesse, keine Aufträge

Als Wohnungsinspektor möchte ein Bieler gegen widerliche Zustände in Mietwohnungen kämpfen. Jetzt ist er ernüchtert: Niemand will seine Dienste buchen.

Verschimmelte Kühlschränke, Ungeziefer, Indoor-Müllhalden: Solchen Bildern begegnete René Schlauri aus Biel jahrelang als Wohnungsabnehmer. «Viele Leute sind wohnunfähig, weil sie aus anderen Kulturen in unsere Luxuswelt verpflanzt werden», so Schlauri. Vor

einigen Monaten machte er sich als Wohnungsinspektor selbstständig, um im Auftrag von Verwaltungen und Sozialämtern verwahrlosten Mietern Grundkenntnisse in Sachen Reinigung beizubringen.

«Von allen Seiten wird mir zwar bestätigt, dass dies eine gute Sache ist», so der nebenamtliche Gemeinderat. Trotzdem erhielt er erst einen einzigen Auftrag. «Für eine Baugenossenschaft beriet ich einen Tunesier, dessen Treppenhaus komplett zugemüllt war.»

Auch die Bieler Sozialbehörde zeigte sich zuerst begeistert von Schlauris Vorhaben, krebste aber inzwischen zurück. «Wir haben das Projekt zurückgestellt und auf anderem Weg nach Lösungen gesucht», sagt Direktionssekretär Urs Zysset. Nicht ganz unerheblich bei diesem Entscheid war wohl Schlauris Nebenamt in der Bieler Exekutive: Zysset: «Die rechtliche Frage war ein Aspekt.» René Schlauri bleibt dennoch optimistisch: «Ich gebe meine Idee ganz bestimmt nicht auf.»

Raffaela Moresi

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