Wohnungsnot – «eigentlich müsste es Strassenschlachten geben»

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200 freie WohnungenWohnungsnot in Zürich – «eigentlich müsste es Strassenschlachten geben»

Der ohnehin knappe Wohnungsleerstand verschärft sich weiter. 20 Minuten sagt dir, welche Folgen die Zinswende nun für Mietende, Wohnungssuchende und Käuferinnen und Käufer hat.

von
Fabian Pöschl
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In Zürich gibt es noch 200 freie Wohnungen – von insgesamt über 200’000.

In Zürich gibt es noch 200 freie Wohnungen – von insgesamt über 200’000.

Tamedia AG
Insgesamt sind 1,3 Prozent Wohnungen in der Schweiz frei.

Insgesamt sind 1,3 Prozent Wohnungen in der Schweiz frei.

Iazi
Besonders in den Zentren ist die Wohnungsnot gross. 

Besonders in den Zentren ist die Wohnungsnot gross. 

Iazi

Darum gehts

  • Die Zinswende der Nationalbank macht mieten attraktiver als kaufen.

  • Doch die Wohnungssuche wird immer schwieriger.

  • Immobilieninvestoren müssen ihre Anlagestrategie überdenken.

Die Zinswende der Nationalbank (SNB) schüttelt den Immobilienmarkt durch. Mieten ist jetzt in den meisten Gemeinden attraktiver als kaufen, wie Donato Scognamiglio von der Immobilienberatungsfirma Iazi an einer Pressekonferenz am Mittwoch sagte. «Jetzt ist das Zeitalter des Mietens angebrochen», so Scognamiglio.

20 Minuten zeigt, welche Folgen das Immo-Beben für dich hat:

Miete

Die Zinswende und die Inflation lassen die Mietpreise steigen, zu denen Wohnungen auf dem Markt angeboten werden. Laut Scognamiglio steigen die sogenannten Angebotsmieten im nächsten Jahr um bis zu drei Prozent, wobei es grosse regionale Unterschiede gibt. Auch bestehenden Mieterinnen und Mietern droht eine Erhöhung, wenn sie in den letzten Jahren von Preissenkungen profitiert haben, was auf etwa 40 Prozent der Mietenden zutrifft.

Wohnungssuche

Die Zuwanderung ist noch grösser als letztes Jahr und trotzdem wird weniger gebaut. Der ohnehin knappe Wohnungsleerstand verschärft sich dadurch vor allem in den Zentren noch mehr. Schweizweit beträgt sie 1,3 Prozent (siehe Bildstrecke oben). In Zürich gibt es nur noch 200 Leerwohnungen bei über 200’000 Wohnungen. Laut Scognamiglio wird bereits der Grossteil der leer werdenden Wohnungen an Bekannte vergeben, was die Wohnungssuche weiter erschwert. Der Immo-Experte sagt: «Es wird ein riesiges politisches Thema, dass wir keine Wohnungen haben, eigentlich müsste es in Zürich Strassenschlachten geben.»

Eigenheim

Die Jahre, in denen es aufgrund der tiefen Zinsen günstiger war, ein Eigenheim zu besitzen, sind vielerorts vorbei. Zehnjährige Fix-Hypotheken sind mit über drei Prozent jetzt schon deutlich teurer als zu Jahresbeginn und werden laut Scognamiglio noch steigen. Eigenheimbesitzende werden die Erhöhung aber erst beim Auslaufen und Erneuern der Hypothek spüren. Die Rechnung geht laut Scognamiglio nur noch auf, wenn man auf die risikoreiche Saron-Hypothek ausweicht (siehe Box). Allerdings dürften die zu erwartenden Zinserhöhungen der SNB im Dezember auch den Saron-Zinssatz auf zwei Prozent steigen lassen.

Das ist der Saron

Der Schweizer Referenzzinssatz Saron ist der durchschnittliche Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht gegenseitig Geld ausleihen. Er orientiert sich am Leitzins der Nationalbank, dazu schlagen die Banken eine Marge von meist 0,8 Prozent drauf. Mit einer Saron-Hypothek profitieren Hausbesitzer von dem Umstand, dass die Zinssätze für kurze Laufzeiten im Normalfall tiefer sind als jene für lange Laufzeiten. Der grösste Nachteil im Vergleich zur Fix-Hypothek ist die Ungewissheit, wie hoch der Zins in Zukunft sein wird. Im Extremfall können die Hypothekarkosten in kurzer Zeit stark ansteigen.

Quelle: VZ Vermögenszentrum

Wohnungs- und Hauskauf

Bei Einfamilienhäusern dürften sich die Preise auf dem gleichen hohen Niveau halten. Bei Mehrfamilienhäusern erwartet Scognamiglio für das laufende und die nächsten Quartale, dass die Preise um jeweils etwa drei Prozent sinken. Auch Eigentumswohnungen sollen schon dieses Jahr leicht günstiger werden.

Immo-Investitionen

Wer in Immobilien investiert, muss die Anlagestrategie überdenken. Die bisherige positive Differenz zwischen der Nettorendite von Anlageimmobilien und der zehnjährigen Bundesobligation hat sich durch die Zinswende drastisch verringert. Nun lohnen sich Immobilien-Direktanlagen immer weniger. Weil die grossen Investoren wie Pensionskassen zudem nur 30 Prozent ihres Portfolios in Immobilien investieren dürfen und die Aktien seit der Zinswende an Wert verloren haben, haben sie zu hohe Immobilienquoten. Das dürfte zu vermehrten Verkäufen von Renditeliegenschaften führen. 

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