Wohnungsnot in Zürich immer schlimmer

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Wohnungsnot in Zürich immer schlimmer

Am 31. März wird gezügelt. Glücklich ist, wer in die Stadt Zürich wollte und tatsächlich eine Wohnung gefunden hat. Mit 0,09 Prozent freien Wohnungen hat es in der Wirtschaftsmetropole kaum noch Platz. Nun wird es auch in den Agglomerationen eng.

Was eine tiefe Leerwohnungssziffer für Wohnungssuchende bedeutet, weiss Olivia Hausheer, nur allzugut: «Man steht am Besichtigungstag mit Dutzenden anderen in der Schlange, wird dann in kleinen Gruppen durch die Wohnung geführt und nimmt sich am Schluss ein Anmeldeformular, sofern es überhaupt noch eines hat.» Schnell ausfüllen und abgeben sei zwecklos, sagt sie, die zusammen mit ihrer Kollegin 22 Wohnungen abgeklappert hat.

Fündig wurden die beiden erst, nachdem sie nebst Formular und persönlichem Brief eine Bewerbungsmappe zusammenstellten. «Wer wir sind, was wir tun, warum wir in Zürich wohnen wollen», sagt die Betriebsökonomin, die nun endlich von Luzern an die Limmat ziehen darf.

Obwohl, die Motive für den Ortswechsel können so einzigartig nicht gewesen sein. «Hauptgrund für den hohen Siedlungsdruck in der Stadt Zürich ist die Arbeitstätigkeit», sagt denn auch Fredy Hasenmaile, Leiter der Immobilienanalyse der Grossbank Credit Suisse.

Auch die Region Genf ist begehrt. Dort ist der Wohnungsmarkt derart ausgetrocknet, dass man Verdrängungskämpfe bis ins Wallis feststellt. Überdurchschnittlich hoch sei dort darum der Siedlungsdruck, heisst es bei der CS.

Ähnliches wird auch auf das Knonaueramt, die Region Fricktal, das Freiamt, Morges und Aigle zukommen. Grund: Sie gehören zum Einzugsgebiet pulsierender Agglomerationen. Wohnungsuchende weichen hierher aus.

Im Durchschnitt ausgewogen

Im Durchschnitt aber hat der Schweizer Wohnungsmarkt nicht mit einer klaffenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu kämpfen. Dieses Jahr dürften 42 000 neue Wohnungen auf den Markt gelangen, 2009 noch 40 000. Der Bauboom bei den Wohnungen schwächt sich damit etwas ab.

Auf der anderen Seite finden die neuen Wohnungen auch Abnehmer. «Angebot und Nachfrage entwickeln sich weiterhin im Gleichschritt», sagt Fredy Hasenmaile. Grund sei vor allem die Zuwanderung.

Getragen wird das Bevölkerungswachstum nämlich zu vier Fünftel von der Einwanderung. Konkret waren es 2007 rund 13 700 Wohnungen, die durch den Anstieg der Zuwanderung zusätzlich nachgefragt wurden.

Gründe für die hohe Zuwanderungsrate in der Schweiz sind einerseits die Personenfreizügigkeit und die Konjunktur. Selbst wenn sich diese 2008 abschwächt: Gemäss CS hinkt das Bevölkerungswachstum der Wirtschaftentwicklung hinterher, darum bleibt der Wohnungsbedarf hoch.

Begehrt sind bei den Zuwanderern ebenfalls die Kantone Zürich, Genf und Waadt. Zwei von fünf Ausländern wohnten Ende 2006 in diesen Kantonen. So kann man davon ausgehen, dass der Run auf Wohnungen in diesen Regionen kaum nachlassen wird.

Kaum Grenzgänger

Denn, auch das zeigt die Statistik, wer sich einmal an einem Ort niedergelassen hat, wechselt so schnell nicht mehr den Kanton. «Binnenwanderung» nennen dies die Ökonomen. Davon gab es 2006 fast 500 000. Hingegen zählte man nur 116 000 Wohnsitzwechsel über die Kantonsgrenzen.

Von positiven Wanderungsbilanzen profitieren die Kantone Schwyz, Obwalden, Aargau, Wallis und Freiburg. Mehr Ab- als Zugänge verzeichneten hingegen die Kantone Glarus, Uri, Basel Stadt und Appenzell Ausserrhoden.

(sda)

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