Wohnungsnot: Nachmieter werden häufig ausgenützt
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Wohnungsnot: Nachmieter werden häufig ausgenützt

Die Wohnungsknappheit in der Stadt Zürich wird von ausziehenden Mietern oft skrupellos ausgenützt. Der Mieterverband ist machtlos.

Derzeit stehen in der Stadt nur zirka 150 Wohnungen leer: Dieser akute Wohnungsmangel wird von vielen Mietern, die ihre Wohnung abgeben wollen, schamlos ausgenützt. Nicht selten stehen bei einer Besichtigung nämlich über 50 Interessenten auf der Matte.

Die Odysee der Wohnungssuche hat zum Beispiel B. B. durchgemacht: «Eine Mieterin gab nur die Anmeldeformulare jener Bewerber an die Verwaltung weiter, die bereit waren, die Wohnung ungeputzt, mit blau gestrichenen Wänden und einem fehlenden Schlüssel zu übernehmen», erzählt sie. Mindestens acht Personen seien auf das Angebot eingestiegen.

Laut dem Mieterverband Zürich schrecken einige Mieter auch nicht davor zurück, Geld zu verlangen. «In einem Fall wollte der Mieter demjenigen die Wohnung übergeben, der für seine alten Möbel am meisten bezahlt», sagt Geschäftsführer Niklaus Scherr. Da man keinen Rechtsanspruch auf eine Wohnung habe, sei der Verband gegen solche Machenschaften machtlos. «Eine Notsituation auszunutzen ist immer verwerflich», sagt Scherr. In den 90er-Jahren, als in Zürich ein Wohnungüberangebot herrschte, sei die Situation allerdings umgekehrt ausgenützt worden.

Romina Lenzlinger

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