Biss im Morgengrauen: Wolf greift Schafherde in Wohnquartier an
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Biss im MorgengrauenWolf greift Schafherde in Wohnquartier an

Ein Wolf hat am Montagmorgen im Walliser Dorf Eischoll ein Schaf gerissen - mitten in einem Wohnquartier und nahe bei einem Kinderspielplatz. Die Bevölkerung ist besorgt.

von
lüs
In Eischoll VS hat ein Wolf ein Schaf getötet  in unmittelbarer Nähe zu einem Wohnhauses und nur hundert Meter von einem Kinderspielplatz entfernt.

In Eischoll VS hat ein Wolf ein Schaf getötet in unmittelbarer Nähe zu einem Wohnhauses und nur hundert Meter von einem Kinderspielplatz entfernt.

Es passierte am Montag gegen 7.30 Uhr: Ewald Guntern war gemeinsam mit zwei Arbeitskollegen mit einem Kanalreinigungsfahrzeug in Eischoll VS unterwegs, als sie auf einer neben der Strasse liegenden Schafweide einen Wolf entdeckten.

Um sich zu vergewissern, dass es sich wirklich um einen Wolf handelte, hätten sie angehalten und seien über den Zaun auf die Weide gestiegen, sagt Guntern dem Portal 1815.ch. «Der Wolf zeigte wenig Scheu und lief in einer Distanz von 40 Metern zweimal an mir vorbei. Einmal näherte er sich mir.»

Danach habe er einen Ausgang aus dem Gehege gesucht und dabei am Elektrozaun einen Stromschlag versetzt bekommen. Mit einem Sprung habe das Raubtier daraufhin das Weite gesucht.

Wolfs-Attacke in der Nähe von Kinderspielplatz

Auf der Weide blieb ein totes Schaf zurück, ein weiteres wird derzeit noch vermisst. Besitzer der Tiere ist Christian Amacker. Er hält 30 Schwarznasenschafe und hat sie bewusst in der Nähe von Wohnhäusern und durch einen Elektrozaun geschützt platziert, um sie vor dem Wolf zu schützen: «Die elf Muttertiere werfen in den kommenden Tagen Lämmer. Deshalb wollte ich sie an einem sicheren Ort wissen», so Amacher zu 1815.ch.

Beim toten Tier handelt es sich um eines der trächtigen Schafe. Amacker: «Viel mehr als der Verlust der Schafe beunruhigt mich die Tatsache, dass sich der Wolf nun sogar tagsüber in die Wohnzone wagt. Der Angriff ereignete sich keine hundert Meter vom Kinderspielplatz entfernt.»

Zum Zeitpunkt, als Strassenarbeiter Guntern den Wolf entdeckte, waren schon Fussgänger unterwegs - und wären nicht gerade Herbstferien, wären Kinder auf dem Weg in die Schule gewesen. Es dürfe nicht sein, dass sie durch den Wolf in Gefahr geraten würden, findet Amacker: «Was muss noch passieren, bis die Behörden reagieren?»

Gemeindepräsident befürchtet illegalen Wolfsabschuss

Beunruhigt ist auch der Gemeindepräsident von Eischoll, Patrick Amacker. Er verweist zwar darauf, dass Wolfsangriffe auf Menschen gemäss weltweiten Statistiken praktisch auszuschliessen seien. Doch dass der Wolf bei Tageslicht um die Häuser streiche, wo oft auch Kinder am Spielen seien, wecke «ungute Gefühle». Im Sommer wurde eine Abschussbewilligung für den Wolf, der bereits über 60 Schafe gerissen hat, verweigert. Patrick Amacker sagt zu 1815.ch: «Ich befürchte, dass ein Betroffener eines Tages die Sache selber in die Hand nimmt und den Wolf abschiesst.»

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