Der Rambler American als «Station Wagon» von 1959, zwei seitliche Türen mussten genügen.
12.09.2020 09:30

Wolf im Schafspelz

Ein kleines Auto mit viel Platz: Dieses Rezept haben eher die Europäer ersonnen. Aber auch in den USA gab es erfolgreiche Ansätze, wie der Rambler American zeigt.

von
Bruno von Rotz
12.9.2020

Der Rambler American war 1958 das richtige Auto zum richtigen Zeitpunkt. Ein kompakter Wagen für kleines Geld. Dies war genau das, was amerikanische Autokäufer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wollten. Und die American Motors Corporation musste nicht weit suchen, um die Basis für das neue Modell zu finden, schliesslich gab es in den eigenen Reihen ein gutes Vorbild, nämlich den Nash Rambler von 1955.

Das Modell von 1959: Kompakt, aber sicherlich nicht untermotorisiert.

Das Modell von 1959: Kompakt, aber sicherlich nicht untermotorisiert.

RM/Sotheby’s/www.zwischengas.com
Zum Gepäckraum gelangte man durch zwei Klappen …

Zum Gepäckraum gelangte man durch zwei Klappen …

RM/Sotheby’s/www.zwischengas.com
… die nach oben und unten öffneten.

… die nach oben und unten öffneten.

RM/Sotheby’s/www.zwischengas.com

Das Auto, das die Amerikaner wollten

Der Name war Programm, zumindest sahen das die Verkaufsstrategen von American Motors so. «Meet the ALL-AMERICAN Smaller Car» stand im Verkaufsprospekt von 1958, also «Schauen Sie sich den komplett-amerikanischen kleineren Wagen an». Dieser Slogan hätte auch in das moderne Trump-Amerika gepasst. Unvermeidbar sei es, dass dieser so anders gebaute Rambler American auf den US-Markt gekommen sei im Jahr 1958, stand weiter im Verkaufsprospekt, denn schliesslich bestehe dafür eine grosse Nachfrage.

Griff ins Regal

Wer sich die Technik und selbst die Karosserieform genauer anschaute, kam schnell auf den Gedanken, dass der Rambler American eigentlich nur eine verbesserte Version des Nash Rambler von 1955 war, der wiederum auf dem ersten kompakten Nachkriegsmodell gleichen Namens basierte, das am 13. April 1950 vorgestellt worden war. Wie seine Vorgänger verfügte auch der neue Rambler American über eine selbsttragende Karosserie, und sogar der Radstand von 100 Zoll (2,54 Meter) ging bis zu den Anfängen des Nachkriegs-Nash-Ramblers zurück.

Immerhin war der Rambler hübsch anzusehen und mit seinem Sechszylindermotor mit 91 PS nicht einmal langsam. Für amerikanische Verhältnisse war er aussen überaus kompakt, innen aber bot er nur unwesentlich weniger Platz als grössere Konkurrenten. Mit 1789 Dollar war der Rambler American auf dem Heimmarkt ziemlich preisgünstig, in der Schweiz kostete er im Jahr 1959 13’850 Franken, allerdings als Super mit besserer Ausstattung. Damit bewegte man sich mindestens auf Opel-Kapitän-Niveau.

Sparsam war er noch dazu; bei einer Rekordfahrt von Los Angeles nach Miami flossen nur 6,65 Liter pro 100 km durch den Vergaser, was auch dem Schnellgang zu verdanken war, den es mit Aufpreis gab.

Zur Limousine ein Kombi

Die Verkäufe liefen im ersten kurzen Produktionsjahr 1958 gut an, doch bereits im Oktober wurde eine zweite Modellvariante angekündigt, ein zweitüriger Kombi. Es blieb auch bei denselben Aussenmassen, die stark an heutige europäische Mittelklassewagen erinnern: Länge 453 cm, Breite 185 cm, Höhe 145,5 cm. Damals allerdings waren 1,85 Meter Breite hierzulande viel, aber sie ermöglichten eben auch bequemes Sitzen zu dritt in einer Reihe.

1960 folgte noch eine viertürige Limousine, insgesamt wurden über 240’000 Rambler American gebaut in drei Jahren. Nur ein geringer Teil dürfte überlebt haben.

Ab Werk nur mit Sechszylinder

Dass die Fotos in diesem Bericht nun einen Rambler American von 1959 mit Achtzylinder zeigen, liegt wohl an der Lust und am Können seines Besitzers, einen echten Wolf im Schafspelz zu realisieren. Mit der eingebauten Maschine, die sicherlich doppelt so viel Leistung aufweist wie das originale Aggregat, dürften verblüffende Fahrleistungen realisierbar sein, die nicht nur an der Ampel Eindruck machen dürften.

Weitere Informationen und viele (auch historische) Bilder und die Verkaufsliteratur zum Rambler American gibt es auf www.zwischengas.com.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Onlineplattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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3 Kommentare
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Bürger

12.09.2020, 09:52

Das sind Autos die die Kunden von heute wollen, mit einfachere Mechanik, einen Charakter und einen Style und ohne Plastik nicht dieser Neuzeitschrott von heute, diese Brandbeschleuniger auf 4 Rädern, so oder so Rentieren sich schnelle Autos nicht mehr in der CH ohne Enteignet zu werden. Die Zukunft liegt bei den Oldtimer mit Vergasermotoren und Synfuel das ist die beste Ökobilanz nach dem E-Auto. Mechanische Autos = Absolute Freiheit / Software Autos = Absolute Abhängigkeit Solche Oldies hält man auch min. 20 - 40 Jahre ohne ein neues zu kaufen