Trimstein BE: Wolf nur 10 km vor den Toren von Bern gesichtet
Aktualisiert

Trimstein BEWolf nur 10 km vor den Toren von Bern gesichtet

Am Freitag wurde auf dem Hornusserplatz Trimstein BE ein Wolf gesehen – nur 10 Kilometer von Bern. Das Raubtier schien sich nicht sonderlich vor den Menschen zu fürchten.

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ber

Der Wolf von Trimstein scheint sich auf dem Hornusserplatz wohl zu fühlen. (Video: Leser-Reporter)

Fast zutraulich schlendert ein Wolf auf dem Video eines Leser-Reporters über den Hornusserplatz in Trimstein. Der örtliche Hornusserclub schreibt auf Facebook: «Unser Hornusserplatz hat Besuch!» Als würde er es geniessen, zeigt sich der Wolf im Video von seiner besten Seite und sucht erst das Weite, als der Kameramann ihm zu nahe kommt.

In den Kommentaren äussern sich die meisten positiv über das Tier. Einige scheinen der Sache aber nicht zu trauen: «Schönes Tier – hoffentlich beginnen jetzt die Jäger nicht zu spinnen», schreibt einer. Dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt bestätigt Ralph Manz, Wolfsexperte von Kora, gegenüber 20 Minuten.

Identifizierung nur mittels DNA-Probe

Das Jagdinspektorat des Kantons Bern hat Kenntnis vom Video. Eine endgültige Identifizierung des Wolfes sei jedoch nur mittels DNA-Probe möglich. Nachdem der Wolf im Video laut der Behörde am Wochenende ein Reh gerissen hat, wurden entsprechende Proben entnommen und zu Laboruntersuchungen nach Lausanne geschickt. Ob die DNA auswertbar ist, ist bisher nicht bekannt. Somit bleibt unklar, ob es sich beim Wolf in Trimstein um den im Herbst im Bernbiet gesichteten Rüden M74 oder ein anderes Tier handelt.

Bereits Anfang Monat war im knapp 13 km entfernten Heimenschwand ein Wolf gesichtet worden, wie die «Berner Zeitung» schrieb. Schon da liess sich das betreffende Tier von einer Begegnung mit einem Menschen nicht aus der Ruhe bringen. Die Strecke zwischen Heimenschwand und Trimstein stellt keine Herausforderung für den Wolf dar – die Tiere können in einer Nacht locker 60 Kilometer zurücklegen.

Der Hornusserplatz Trimstein ist nur rund 10 Kilometer vom Hauptbahnhof Bern entfernt. Ralph Manz von Kora: «Jährige Jungwölfe wandern vom elterlichen Rudel ab. Auf dieser Abwanderung durchstreifen sie vor allem nachts und in der Dämmerung unsere Kulturlandschaft. Je nach Jahreszeit werden Wölfe in der Nähe gesehen, aber selten direkt in Ortschaften. Häufig handelt es sich dabei um unerfahrene Jungwölfe, die manchmal wenig scheu und eher naiv sind.» Bereits letzten September wurde ein Wolf im 8 km von Bern entfernten Zimmerwald gesichtet.

25 Risse pro Monat bis zum Abschuss

Nicht alle Rencontres mit einem Wolf gingen in der Vergangenheit glimpflich aus, wie drei Beispiele aus dem Spätsommer 2017 zeigen. Innerhalb eines Monats wurden damals in Gurzelen, Schangnau und Sigriswil Schafe und Ziegen von Wölfen gerissen (20 Minuten berichtete).

Damit ein Wolf zum Abschuss freigegeben würde, müssen gemäss Wolfskonzept Schweiz einem einzelnen Tier 25 Risse pro Monat nachgewiesen werden können.

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