Nahe Zermatt: Wolf reisst im Wallis mehr als 30 Schafe
Aktualisiert

Nahe ZermattWolf reisst im Wallis mehr als 30 Schafe

In der Augstbordregion in der Nähe von Zermatt hat ein Wolf in den letzten zwei Wochen über 30 Schafe gerissen. Die Bauern fordern seinen Abschuss.

von
Nicolas Saameli

Es sind verstörende Bilder, die ein Leser-Reporter aus dem Wallis eingeschickt hat: Schafe mit aufgerissenen Bäuchen, herausquellenden Gedärmen und blutenden Kehlen. Ein Wolf hat zugeschlagen.

In den letzten zwei Wochen sind auf diese Art 30 Schafe und zwei Ziegen zu Tode gekommen, wie die Bauern berichten. Vier Alpen, alle sehr nahe beieinander gelegen, seien betroffen. Erst auf einer ist aber laut dem Walliser Amt für Jagd, Fischerei und Wildtiere bereits sicher nachgewiesen, dass der Angreifer ein Wolf war.

«Für uns hier in den Bergen ist dieses Raubtier nur ein Problem»

Bauer Rolf Kalbermatten ist wütend. Auf seiner Alp wurden elf Schafe gerissen. «Das ist für mich ein grosser Verlust. Diese Tiere haben wir über Jahre grossgezogen und gezüchtet.»

Die Eingliederung des Wolfes in die Schweiz sei schiefgelaufen, findet er. «Der Herdenschutz hat sich nicht bewährt. Für uns hier in den Bergen ist dieses Raubtier nur ein Problem.» Im Wallis seien viele Schafherden zu klein, um sie zu schützen. «Das ist schlichtweg zu teuer und zu arbeitsintensiv.»

«Reisst ein Wolf Tiere, soll er geschossen werden»

Toleranz gegenüber dem Wolf sei bei den Bergbauern nicht mehr vorhanden, sagt Alwin Meichtry, Vizepräsident des Schweizerischen Schafzuchtverbands. Die Entschädigung, die die Bauern bei einem Wolfsangriff erhalten, sei keine Hilfe. «Sie müssen sich vorstellen: Jedes Schaf hat hier einen Namen. Wenn ein Tier dann so brutal getötet wird, kann man das nicht mit Geld ersetzen.»

Wie man weiter mit dem Wolf umgehen soll, ist für Meichtry klar: «Ich bin sehr tierlieb und will keinen Schaden an der Natur anrichten, aber wenn ein Wolf Nutztiere reisst, dann soll er geschossen werden können.» Als Landwirt wolle er seine Tiere schützen, koste es, was es wolle. «Der Mythos Wolf ist in der Schweiz nichts als ein Märchentraum. Das kann einem nur im kindlichen Alter gefallen.»

Eine andere Meinung hat man bei der Gruppe Wolf Schweiz. Präsident David Gerke sagt: «Für mich ist das eine klassische negative Situation. Vor 14 Jahren hatten wir in dieser Region schon Probleme mit Wolfsangriffen, seitdem haben die Bauern nichts getan.»

«Der Herdenschutz ist im Wallis stellenweise nicht genügend betrieben worden», sagt Gerke, der jeweils den Sommer über auf einer Alp im Graubünden als Hirte arbeitet.

Gegend sei nicht schützbar

Daniel Steiner, Präsident des Oberwalliser Schwarznasen-Zuchtverbands, widerspricht: «Die Augstbordregion ist sehr touristisch. Da ist es viel zu gefährlich für die Wanderer, Schutzhunde einzusetzen.»

Die Bauern seien rund um die Uhr auf den Alpen, um ihre Tiere zu schützen. Gleichzeitig müssten sie noch im Tal Heu einholen. Steiner: «Die Gegend hier ist viel zu weitläufig und die Tiere sind viel zu weit verstreut, um sie erfolgreich zu bewachen. Die zuständige Fachstelle hat die betroffenen Alpen sogar als nicht schützbar eingestuft.»

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