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Wolfsrudel BeverinWolfsleben ist mehr wert als ein Nutztier

Der Kanton Graubünden darf keine Wölfe des Beverin-Rudels erschiessen. Das hat das Bundesamt für Umwelt entschieden. Das Rudel ist verantwortlich für den Tod von mehreren Nutztieren. Die Behörden sind besorgt.

von
Michel Eggimann
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Das Wolfsrudel Beverin gilt als Problem-Rudel.

Das Wolfsrudel Beverin gilt als Problem-Rudel.

Amt für Jagd und Fischerei GR
Ein Wolf des Rudels hat auf der Alp Nera Mitte August ein Kalb aus einer Mutterkuhherde gerissen.

Ein Wolf des Rudels hat auf der Alp Nera Mitte August ein Kalb aus einer Mutterkuhherde gerissen.

Bündner Bauernverband
Ebenso wurde vom Rudel ein Esel gerissen.

Ebenso wurde vom Rudel ein Esel gerissen.

Darum gehts

  • Das Wolfsrudel Beverin darf vom Kanton Graubünden nicht verkleinert werden.

  • Das Bundesamt für Umwelt hat ein entsprechendes Gesuch abgelehnt.

  • Das Rudel ist verantwortlich für den Tod von mehreren Nutztieren.

  • Das zuständige Amt spricht von einer gefährlichen Entwicklung und hat Sorgen.

Der Kanton Graubünden wollte den Bestand des Wolfsrudels Beverin regulieren – sprich Mitglieder davon erschiessen. Er stellte beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) im September ein entsprechendes Gesuch. Grund des Regulierungsantrags waren Risse von Nutztieren, die die Wölfe dieses Rudels im Sommer 2020 verursacht haben.

Ausserdem wies der Kanton darauf hin, dass der bestätigte Riss bei einem Kalb aus einer Mutterkuhherde am 12. August 2020 und der Riss eines Esels auf der Alp Durnan vom 21. September 2020 eine neue Dimension in dieser konfliktbringenden Entwicklung des Wolfsrudels am Beverin darstelle. Adrian Arquint, Vorsteher des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden, erklärt: «Bisher haben Wölfe vor allem Schafe oder Ziegen auch in geschützten Herden gerissen, Kälber und pferdeartige Tiere wie Esel als Angriffsobjekte sind noch problematischer. Diese Entwicklung des Beverin-Rudels bereitet uns Sorgen.»

Kanton darf nicht zum Gewehr greifen

Das Gesuch wurde nun aber abgelehnt, teilt der Kanton am Mittwoch mit. Das BAFU bewertet einzig den Riss des Esels als Ereignis mit zumutbar geschützten Nutztieren. Das BAFU kommt aber zum Schluss, dass ein gerissener Esel noch keinen «grossen Schaden» gemäss eidgenössischer Jagdgesetzgebung darstelle, der die Regulation des Wolfes als geschützte Tierart rechtfertigen würde. Somit darf der Kanton nicht eingreifen und das Rudel verkleinern. Arquint erklärt: «Wir haben den Abschuss von zwei Jungtiere des Beverin-Rudels beantragt. Es ist gesetzlich so geregelt, dass bei Regulationsmassnahmen nicht mehr als die Hälfte der Jungtiere erlegt werden dürfen, die im entsprechenden Jahr geboren wurde.» Dies wären in diesem Fall eben zwei von fünf Jungtieren gewesen. Das Beverin-Rudel bestehe aus sieben Tieren.

Den Entscheid des Bundesamts für Umwelt akzeptiert der Kanton Graubünden. Es sei aber schon eine Enttäuschung da, meint Arquint. Das Beverin-Rudel bereite mehr Sorgen als andere Rudel. Schon 2019 kam es zu Abschüssen bei Jungtieren. «Mit einer weiteren Regulierung wollten wir bei diesem Rudel im Rahmen der Möglichkeiten nachdoppeln, um eine Wirkung im Verhalten der übrigen Wöfe zu haben.» Die Regulation aus dem Jahr 2019 habe kurzfristig gewirkt, ab Juli des letzten Jahres sei es dann wieder zu Rissen gekommen. Das Ziel sei es, den Wölfen durch die Abschüsse zu zeigen, dass sie von Herden von Nutztieren wegbleiben müssen und merken beim Mensch auf Abstand zu bleiben.

Jungtiere lernen vom Vater

«Das Hauptproblem beim Beverin-Rudel ist das Verhalten des Vaters. Er erzieht seine Jungtiere und ist ihnen ein schlechtes Vorbild mit den Rissen von Nutztieren, insbesondere von Kälbern oder Eseln», so Arquint. Denn die Jungtiere könnten das Verhalten ihres Vaters annehmen und dann später den eigenen Jungtieren weitergeben, wenn sie ein eigenes Rudel haben. Diese Entwicklung müsste eigentlich so schnell wie möglich gestoppt werden, meint der Jagdvorsteher des Kantons Graubünden. Alternativen zum Abschuss gebe es, diese zeigten langfristig aber nicht die gewünschte Wirkung. Eine Möglichkeit sei etwa in die Nähe der Wölfe zu schiessen.

Der Kanton ist nicht nur wegen den Entwicklungen des Beverin-Rudels besorgt, sondern auch wegen offenen Fragen bezüglich des Herdenschutzes der Nutztiere. Es geht dabei unter anderem darum, wo die Grenzen bei der Umsetzung eines wirkungsvollen Herdenschutzes anzusetzen sind oder wo die Massnahmen umgesetzt werden sollen. Es wurde ein entsprechender Vorstoss eingereicht. Darüber muss das Parlament entscheiden.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

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