Grossraubtiere: Wolfspaar hat sich im Wallis gefunden
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GrossraubtiereWolfspaar hat sich im Wallis gefunden

Wohl erstmals seit dem Wiederauftauchen des Raubtiers in der Schweiz haben sich hier eine Wölfin und ein Wolf gefunden.

Das Wolfs-Paar riss im Juli auf einer Walliser Alp mehrere Schafe und sehr wahrscheinlich auch Rinder.

Mit Sicherheit rissen die zwei aus Italien stammenden Wölfe im Juli auf der Varneralp oberhalb von Siders Schafe, wie das Bundesamt für Umwelt am Dienstag mitteilte. Dies ergaben die DNA-Analysen.

Ende Juli waren auf der Alp Scex nebenan Kälber angegriffen und getötet worden. Auch diese waren von einem Wolf gerissen worden, wie DNA-Analysen im Nachhinein die Rissanalysen des Wildhüters bestätigten.

Ob die beiden Kälber auf das Konto des Wolfpaares gehen oder ob ein weiterer Wolf am Werk war, muss erst noch in weitergehenden DNA- Analysen geklärt werden.

Jungtiere möglich

Da der Wolf seine Paarungszeit Ende Februar hat und das Männchen zu dieser Zeit bereits nachgewiesen wurde, ist nicht auszuschliessen, dass auch Jungtiere bei dem Paar sind. Damit wäre in der Schweiz ein Wolfsrudel unterwegs.

Wölfinnen tragen während rund zwei Monaten vier bis sechs Jungtiere aus. In Mitteleuropa bilden Wölfe kleine Familienrudel von zwei Alttieren und einem bis zwei Jungtieren aus dem Vorjahr sowie dem frischen Nachwuchs.

Im August werden die Kleinen nicht mehr gesäugt, aber von den Alttieren bis in den Herbst hinein mit Nahrung versorgt. Dann müssen sie die Jagd im Rudelverband selber erlernen. Dazu ist zumindest ein Elternteil notwendig.

Wolf und Wölfin bereits bekannt

Bei dem Wolfspaar handelt es sich um ein bereits bekanntes Männchen, das sich in den Nordwestalpen zwischen den Kantonen Bern und Freiburg bewegt, sowie um ein Weibchen, das seit dem vergangenen Jahr durch das Wallis zieht.

Weil für Rinder bislang noch keine erprobten Wolfsschutzmassnahmen vorliegen, gab die Walliser Regierung am 3. August den Wolf zum Abschuss frei.

Um weitere Angriffe auf die Herden zu verhindern, hat das BAFU einen Hirten und Herdenschutzhunde auf die betroffene Alp geschickt. Diese sollen das Wolfspaar fernhalten.

Das BAFU empfiehlt, die Prävention auf der Alp zu verstärken, damit es keine weiteren Angriffe auf Rinder mehr gibt. «Dann wird ein Abschuss nicht nötig sein, und das Wolfspaar bekommt eine echte Chance für die Fortpflanzung. Diese soll in unserem Land möglich sein», sagte Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Jagd, Wildtiere und Waldbiodiversität beim BAFU, auf der Internetplattform Bafu Fokus.

60 Tage Zeit

Ob der Abschussbefehl Wirkung haben wird, ist noch nicht sicher. Mehrere Wölfe sind den Jägern schon entwischt. Die Abschussbewilligung gilt seit Anfang August für 60 Tage und ist auf das Gebiet der Tierrisse beschränkt.

Zwar kehren Wölfe gerne an einen Ort zurück, an dem sie erfolgreich gejagt haben. Sobald sie aber den Geruch von Menschen oder Hunden wahrnehmen, meiden sie das Gebiet eher.

Gemäss dem Konzept Wolf Schweiz dauert die Schonzeit für Wolfsrudel vom 1. April bis 31. Juli. Abschussbewilligungen werden von den Kantonen ausgestellt. Ob die Abschussbewilligung auf der Alpe Scex bestehen bleibt, muss der Kanton Wallis entscheiden. (sda)

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