Graubünden: Wolfsvater ist schuld, dass die Jungen getötet werden
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GraubündenWolfsvater ist schuld, dass die Jungen getötet werden

Das Wolfsrudel rund um den Beverin hat diesen Sommer mindestens 15 Ziegen gerissen. Nun handeln die Behörden.

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mig
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Im Kanton Graubünden sollen insgesamt vier Jungwölfe aus dem Beverinrudel erschossen werden.

Im Kanton Graubünden sollen insgesamt vier Jungwölfe aus dem Beverinrudel erschossen werden.

Amt für Jagd und Fischerei
Schuld daran ist das männliche Elterntier der neun Jungtiere.

Schuld daran ist das männliche Elterntier der neun Jungtiere.

Amt für Jagd und Fischerei
Er ist der Verursacher von mindestens 15 Ziegenrissen in diesem Sommer.

Er ist der Verursacher von mindestens 15 Ziegenrissen in diesem Sommer.

Amt für Jagd und Fischerei

Für fast die Hälfte der Jungwölfe des Beverinrudels im Kanton Graubünden hat die letzte Stunde geschlagen. Vier der neun Jungtiere sollen bis März 2020 erlegt werden. Wie das zuständige Amt für Jagd und Fischerei am Donnerstag mitteilte, sind zwei der Jungwölfe bereits getötet worden. Schuld an der Tötungen ist das männliche Elterntier mit dem Namen M92.

Problemwolf darf weiter leben

Die Behörden konnten mittels DNA-Proben M92 als Verursacher von mindestens 15 Ziegenrissen von diesem Sommer am Heinzenberg und im Safiental identifizieren. Der Wolf ist ein Wiederholungstäter. Bereits im letzten Jahr hat er mehrere Schafe gerissen.

Adrian Arquint, Vorsteher des Amts für Jagd und Fischerei im Kanton Graubünden, erklärt, dass das Wolfsrudel am Beverin im Vergleich zu anderen Rudeln im Kanton aufgefallen ist: «Nebst zahlreichen Rissen in ungeschützten Herden hat das Rudel begonnen, Tiere in geschützten Herden anzugreifen und zu töten sowie dieses Verhalten an seine Nachkommen weiterzugeben».

Da dieses Verhalten in der heutigen Kulturlandschaft problematisch sei, müsse der Kanton basierend auf der gesetzlichen Grundlage handeln. Im Rudelverbund ist der Abschuss von Elterntieren nicht zulässig. Der Bund hat aber erlaubt, vier Jungtiere zu erlegen.

40 Kilometer in einer Nacht

Das zuständige Amt im Bünderland will die Massnahme möglichst schnell vollziehen. Arquint sagt, damit die Jungtiere von den Elterntieren unterschieden werden könnten, müsse die Regulation vor dem Winter durchgeführt werden. «Zuerst müssen die Tiere in einem Streifgebiet von über 300 km² lokalisiert werden. Dafür braucht es Monitoringsysteme, denn Wölfe sind sehr mobil. Sie können alleine in einer Nacht bis zu 40 Kilometern zurücklegen», so Arquint.

Dass die ersten beiden Jungwölfe schnell aufgespürt und getötet wurden, sei nicht vorauszusehen gewesen. Durch Erfahrungswerte der vergangenen Wochen habe man den Standort abschätzen können. Zwei weitere Jungtiere sollen nun noch erlegt werden.

Abschreckende Wirkung fürs Rudel

Die Tiere sollen im Rudelverbund erlegt werden, dies soll eine zusätzliche verjagende Wirkung haben. Arquint sagt dazu: «Die Wölfe sollen spüren, dass sie in Alpgebieten mit Tieren nichts zu suchen haben.» Zu der Situation, dass vier Jungwölfe erschossen werden, meint Arquint: «Das ist für uns natürlich nichts Alltägliches. Wenn Wölfe aber beginnen, Herdenschutzmassnahmen zu durchbrechen und mehr geschützte Tiere reissen als erlaubt, müssen wir unbedingt regulierend eingreifen.» Es sei nötig fürs Zusammenleben – fürs Zusammenleben von Mensch und Tier, aber auch zwischen den Tieren in der Natur.

Wolfsbestand im Bünderland

Im Kanton Graubünden gibt es derzeit laut Schätzungen des Amts für Jagd und Fischerei bis zu 30 Wölfe. Fünf verschiedene Rudel sind regelmässig in diesem Gebiet unterwegs, wobei eines davon meist im Ausland ist. Das erste Rudel ist 2012 am Calanda entdeckt worden. Die kantonalen Behörden gehen davon aus, dass der Wolf im Graubünden heimisch bleibt und es zu weiteren Rudelbildungen kommt.

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