15.02.2018 05:44

Vertrauliche Geburt«Wollen verhindern, dass Mütter ihre Babys töten»

In der Region Basel bieten gleich zwei Spitäler neu die Möglichkeit, unter Pseudonym zu gebären. Die Mutter lässt nach der Geburt ihr Neugeborenes im Krankenhaus zurück.

von
jd
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Schwangere Frauen in Notsituationen können ihr Baby unter Wahrung ihrer Identität neu im Bethesda Spital Basel oder der Frauenklinik Baselland in Liestal vertraulich gebären.

Schwangere Frauen in Notsituationen können ihr Baby unter Wahrung ihrer Identität neu im Bethesda Spital Basel oder der Frauenklinik Baselland in Liestal vertraulich gebären.

Bethesda Spital
Das Bethesda Spital bietet auch das Hilfsangebot eines Babyfensters. Seit der Inbetriebnahme im Winter 2015 wurde ein Neugeborenes in das Fenster und in sichere Hände übergeben.

Das Bethesda Spital bietet auch das Hilfsangebot eines Babyfensters. Seit der Inbetriebnahme im Winter 2015 wurde ein Neugeborenes in das Fenster und in sichere Hände übergeben.

Bethesda Spital

Das Bethesda Spital Basel und die Frauenklinik Baselland in Liestal haben ihr Angebot für schwangere Frauen in Not ausgebaut. Mütter können in den sicheren Räumlichkeiten ihr Kind auf die Welt bringen, ohne ihren Namen presizugeben.

Bethesda-Direktor Thomas Rudin erläutert die Vorteile des neuen Angebots gegenüber der Babyklappe: «Wenn eine Frau das Babyfenster nutzt, ist sie komplett auf sich alleine gestellt. Im Gegensatz zu einer Abgabe in einem Babyfenster sind bei der vertraulichen Geburt die Geburtsbedingungen in einem Spital für Mutter und Kind deutlich sicherer, da eine medizinische, persönliche und auf Wunsch psychologische Betreuung gewährleistet ist.» Aus ebendiesen Gründen sprach sich die Baselbieter Regierung 2015 für die Schaffung der Möglichkeit des anonymen Gebärens und gegen ein Babyfenster aus.

Nach Volljährigkeit Recht auf Name der Mutter

Mit dem erweiterten Hilfsangebot soll Kindstötungen entgegengewirkt werden: Tragische Geschichten wie jene der jungen Frau aus Horgen, die ihr Neugeborenes in einen Eimer steckte, worauf es starb. «Die vertrauliche Geburt soll verhindern, dass verzweifelte Mütter ihre Babys aussetzen oder sogar töten», so Rudin.

Nach der Anmeldung erhalte die Frau ein Pseudonym. Nach der Geburt gebe es keine automatische Meldepflicht an die Einwoherbehörden. Nur das Zivilstandsamt wisse den Namen der Mutter, der selbstverständlich vertraulich behandelt werde.

«Nach einer vertraulichen Geburt hat die Mutter weiterhin die Möglichkeit, mit ihrem Kind in Kontakt zu bleiben. Nach einer Frist von 12 Wochen wird das Kind zur Adoption freigegeben», so Rudin. Zudem habe das Kind nach seinem 18. Geburtstag das Recht, die Identität seiner Mutter zu erfahren.

Im Universitätsspital Basel können Frauen seit 2014 ihr Kind anonym auf die Welt bringen. Pro Jahr würde die Möglichkeit bis zu zwei Mal genutzt, wie es von offizieller Seite heisst.

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