Hanf-Legalisierung: «Wollen wir ein bekifftes Volk in der Schweiz?»
Aktualisiert

Hanf-Legalisierung«Wollen wir ein bekifftes Volk in der Schweiz?»

50'000 Kiffer wurden in der Schweiz 2013 gebüsst. 7000 davon waren minderjährig.

von
Ph. Flück

Marco will den Samstagabend gemütlich mit seinen Kollegen am See verbringen. Dort dreht er sich eine Tüte und zündet diese genüsslich an. Mit dem Inhalieren entspannt er sich und vergisst den Alltagsstress. Doch schon bald hat das Relaxen ein Ende: Zwei Polizisten erscheinen und büssen Marco und seine Kollegen mit je 100 Franken. Der Joint wird konfisziert.

Über 50'000 Personen wurden 2013 für das Konsumieren von Cannabis und anderen Handlungen zum Decken des eigenen Bedarfs gebüsst, zeigen Zahlen des Vereins Legalize It. Dabei waren 7000 minderjährig. Zum Vergleich: Für den Konsum von Cannabis wurden laut dem Bundesamt für Statistik 2008 knapp 39'000 Leute bestraft. Im Jahr 2000 waren es ein wenig mehr (42'000), während noch 1990 die Zahl bestrafter Personen deutlich tiefer war (17'000).

Die 2013 am zweitmeisten bestraften Personen wurden wegen Verkaufens und Verschenkens von kleinen Mengen Cannabis gebüsst (9000). Über 2000 Personen wurden von der Polizei beim Kiffen in flagranti erwischt und gebüsst, wie in einer Zusammenstellung von Legalize It zu lesen ist.

«Kiffer sollen für Weed einstehen»

«Dass Erwachsene fürs Kiffen bestraft werden, ist eine Schande», sagt Sven Schendekehl, Vorstandsmitglied des Vereins Legalize It. Jede volljährige Person müsse das Recht zur Selbstbestimmung haben. Es sei einfach eine Sache der Fairness: «Kiffer sollten gleich behandelt werden wie etwa Alkoholtrinker oder Risikosportler.» Cannabis werde von allen geraucht, von Linken und Rechten, von Armen und Reichen. Viele Leute hätten gemerkt, dass THC-haltige Produkte zu konsumieren sehr angenehm sein könne.

Genau diese Leute ruft er nun dazu auf, zu handeln und hinter ihrem Cannabis-Konsum zu stehen, um eine Legalisierung von Cannabis zu erreichen. Schendekehl ärgert sich auch darüber, dass zu viele Mittel von der Polizei in die Verfolgung von Kiffern eingesetzt würden: «Das sind alles Steuergelder, die verschwendet werden!»

«Kiffer sind keine Schwerverbrecher»

Auch der grüne Nationalrat Bastien Girod versteht nicht, warum die Polizei so viel Zeit und Personal einsetzt, um den Kiffern den Spass an ihrem Genussmittel zu nehmen. «Kiffer sind ja keine Schwerverbrecher und gefährden auch niemanden.»

Die Bildung von Cannabis Social Clubs, wie sie in Städten wie Genf oder Bern geprüft wird, sei ein Schritt in die richtige Richtung: «Der Cannabiskonsum wird somit nicht ganz aus der Hand gegeben und man kann Altersgrenzen setzen», sagt Girod. Allerdings hätten Debatten über die Legalisierung von Cannabis momentan einen schweren Stand im Parlament, da sich die Diskussion in letzter Zeit etwas totgelaufen habe. «Ich denke, die Erkenntnisse aus den USA, wo zwei Staaten kürzlich Cannabisprodukte legalisiert haben, werden helfen, die Diskussion voranzutreiben.»

Angst vor bekifftem Volk

Genau solche Zustände, wie sie ihrer Meinung nach in Übersee herrschen, geben der SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler zu denken: «Seit der Konsum legalisiert wurde, registriert man einen starken Anstieg von Kiffern in den betroffenen Staaten.» Nun müsse man sich die Frage stellen, ob man auch in der Schweiz ein bekifftes Volk wolle.

Dass die Polizei zu viele Mittel einsetze, um Kiffer zu bestrafen, stimme nicht: «Die meisten werden angehalten, weil sie sich besonders auffällig benehmen oder ein anderes Delikt verübt haben.» Wenn sich dann bei der Kontrolle herausstelle, dass der Betroffene high sei, geschehe dies meist erst in einem zweiten Moment. Wer ruhig bei sich zuhause ab und zu einen durchziehe, werde von der Polizei nicht behelligt, da sie nichts davon wisse. Solche Kiffer seien auch nicht besonders problematisch: «Schlimm wird es aber, wenn jemand dauerbekifft ist, sein Leben nicht mehr im Griff hat und deshalb zum Sozialfall wird. Oder Jugendliche, welche die Schule abbrechen und keine Lehre absolvieren.» Daher sei ein Verbot sehr wichtig und signalisiere: «Hände weg von Drogen!»

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