Variable Parkplätze: «Wollen wir etwa Autos hin- und herschieben?»
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Variable Parkplätze«Wollen wir etwa Autos hin- und herschieben?»

Geht es nach dem TCS, sollen bei kostenpflichtigen Längsparkplätzen die fixen Grössen wegfallen und dadurch mehr Autos Platz haben. Das kommt bei den Lesern gar nicht gut an.

von
oku
Abschaffung der Trennlinien: Der TCS ist überzeugt, dass dadurch mehr Parkplätze entstehen. Bei den Lesern herrscht grosse Skepsis.

Abschaffung der Trennlinien: Der TCS ist überzeugt, dass dadurch mehr Parkplätze entstehen. Bei den Lesern herrscht grosse Skepsis.

«Grössenabhängiges Parkieren» - so lautet die Zauberformel des TCS, mit der gegen Parkplatznot in der Schweiz vorgegangen werden soll. Die Idee des Automobilistenclubs: Bei Längsparkplätzen, die nicht zur blauen Zone gehören, sollen generell die Unterteilungslinien aufgehoben werden. Dadurch können Autofahrer beim Parken dichter aufschliessen, was Platz für weitere Parkplatzsuchende schaffen würde. Ein Vorschlag, der bei Autofahrern für viel Kopfschütteln sorgt, wie die Leser-Kommentare zeigen.

So regt sich zum Beispiel Stephania auf: «Wollen wir - wie in Paris - die Autos hin- und herschieben, damit wir in einen Parkplatz passen?» Auch Bebbi ärgert sich über die möglichen praktischen Folgen des Vorschlags: «Viel Spass, wenn dann die unsicheren Fahrer auch noch die anderen Wagen anrempeln und sich dann – als wäre nichts geschehen - einfach feige vom Acker schleichen.» Dem entgegnet «D.M.»: «In Zürich in den Quartieren sind die blauen Zonen auch nicht in einzelne Felder eingeteilt. Persönliche Erfahrung nach 8 Jahren: Ich hatte noch nie Probleme beim Ausparkieren am Morgen.»

Verschenkter Platz spart nichts

Prinzipiell positiv findet J. Meyer das Gedankenspiel des TCS. Doch auch er hat erhebliche Zweifel: «Die Idee könnte durchaus Sinn machen, sofern die Autofahrer auch gewillt sind, zum Vordermann aufzuschliessen bei einer offenen Markierung. Doch in der Realität sieht es leider nicht danach aus.» Und Pesche wendet ein: «Beim austauschenden Parking fährt ein Kleiner in die Lücke eines Grossen und lässt vorne und hinten ein bisschen mehr Platz. Da spart man gar nichts.»

Dem stimmt Tom zu: «Wenn zwischen zwei normalen Autos ein Smart parkt und dieser dann wegfährt, kann in der Lücke wieder nur ein Mini-Auto parken.» Die Folge davon für Leser Tim ist klar: «Haufenweise 2-Meter-Lücken sind programmiert.»

In Biel bereits praktiziert

Dass die Leser dem Vorschlag gegenüber sehr skeptisch sind, spiegelt sich auch in der Abstimmung wieder. So finden es 72 Prozent der 2590 Teilnehmer eine schlechte Idee, weil mit Parkfeldern ohne Unterteilungslinien das Chaos programmiert sei. 28 Prozent hingegen unterstützen den Vorstoss und vertreten die Ansicht, dass der Gedanke sehr gut sei, weil so viel mehr Autos auf den vorhandenen Parkplätzen unterkommen.

Dass dies durchaus funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Leser Gurd: «In unserem Quartier in Biel sind längst keine Unterteilungslinien mehr vorhanden. Das funktioniert eigentlich meist gut, bis auf ein paar Spezialisten, die ihren Wagen so reinstellen, dass am Ende noch etwa ein Meter, der niemandem mehr was bringt, frei bleibt.»

«Mehr Platz gibt es nicht»

Einen alternativen Vorschlag zur Abschaffung der Querlinien präsentiert Leser CND: «Das Ganze funktioniert doch nur, wenn S-, L- und XL-Parkplätze angeboten werden mit einem entsprechend abgestuften Preis.» Darauf hagelt es zynische Kommentare. So zum Beispiel von René: «Gibt es dann auf der Autobahn die linke Spur nur für Sportwagen, Limousinen und SUV, welche ja bekanntlich mehr Verkehrsabgaben bezahlen?» Und Mike doppelt nach: «Super - und im Gegenzug zahlen die ÖV-Nutzer dann nach Gewichtsabstufung.»

Leserin Steffi zieht aus der Diskussion ihr persönliches Fazit: «Unsere Gesellschaft ist auf diese Linien angewiesen. Zugleich zahle ich lieber etwas mehr, suche länger einen Parkplatz, habe aber dann einen, von dem ich ohne Probleme wegfahren kann.» Leser L winkt ab, weil für ihn das Problem eh hausgemacht ist: «Die Autofahrer jammern dauernd über Platzprobleme, kommen aber mit immer grösseren Autos.» Desillusioniert zeigt sich auch DMC: «Mehr Platz gibt es nicht, denn es werden immer mehr Autos eingelöst - Jahr für Jahr.»

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