Basel: «Wollen Zeichen setzen» – Mietwucher-Geschwister im Visier von Aktivisten

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Basel«Wollen Zeichen setzen» – Mietwucher-Geschwister im Visier von Aktivisten

Den Geschwistern gehören mehrere Immobilien in Basel und im Frühjahr wurden sie wegen Mietwuchers verurteilt. Jetzt planen sie offenbar ein neues «Wucherprojekt», fürchten Aktivisten.

von
Lukas Hausendorf
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Aktivisten haben Leerstand-Immobilien eines Basler Geschwisterpaars ins Visier genommen. Diese sind seit Jahren ungenutzt. An der Grenzacherstrasse fürchten die Aktivisten, sollen Studios zu Wucherpreisen realisiert werden.

Aktivisten haben Leerstand-Immobilien eines Basler Geschwisterpaars ins Visier genommen. Diese sind seit Jahren ungenutzt. An der Grenzacherstrasse fürchten die Aktivisten, sollen Studios zu Wucherpreisen realisiert werden.

Privat
Die Liegenschaft befindet sich seit 2017 im Umbau. Dieser verlaufe aber schleppend, heisst es beim Baudepartement. Die Eigentümer der Liegenschaft wurden im April 2022 wegen Mietwuchers verurteilt.

Die Liegenschaft befindet sich seit 2017 im Umbau. Dieser verlaufe aber schleppend, heisst es beim Baudepartement. Die Eigentümer der Liegenschaft wurden im April 2022 wegen Mietwuchers verurteilt.

20min/Lukas Hausendorf
Entgegen der Behauptung vor Gericht, dass sie in einem WG-Zimmer im Kanton Schwyz daheim sind, wohnen die Geschwister in einer Villa im Basler Bruderholz-Quartier. Diese haben sie 2010 erworben.

Entgegen der Behauptung vor Gericht, dass sie in einem WG-Zimmer im Kanton Schwyz daheim sind, wohnen die Geschwister in einer Villa im Basler Bruderholz-Quartier. Diese haben sie 2010 erworben.

Basler Zeitung

Darum gehts

«Studios zu Wucherpreisen? Nicht mit uns!», steht in grossen Lettern auf der Fassade des Hauses an der Grenzacherstrasse 215. Versprüht wurde auch das Haus an der Gärtnerstrasse 112. Zudem wurden an beiden Häusern Flugblätter an die Mauer geklebt. Beide Immobilien haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben die gleichen Besitzer. Ein Geschwisterpaar aus Norditalien, das seit über zehn Jahren in Basel ansässig ist und in keinem guten Ruf steht.

Die Geschwister wurden im April dieses Jahres vom Basler Strafgericht wegen Mietwuchers zu bedingten Geldstrafen verurteilt. In ihrer Liegenschaft an der Färberstrasse vermieteten sie teilweise fensterlose Zimmer an Personen in Notlage zu überrissenen Preisen. Mittels illegaler Holztrennwände teilten sie die 20 Zimmer der Liegenschaft in 31 Mini-Zimmer auf, die teilweise nur knapp mehr als fünf Quadratmeter massen. Selbst residieren der 46-jährige Architekt, der sich auch gerne mit einem ETH-Titel schmückt, den er nicht hat, und die Bauingenieurin in einer grosszügigen Villa im noblen Basler Bruderholz-Quartier.

«Die Bauausführung verläuft schleppend»

Ihre Liegenschaften an der Gärtner- und Grenzacherstrasse stehen derweil seit Jahren leer. Vergangene Woche wurden sie Zielscheibe von Aktivisten. Diese behaupten, dass die Geschwister ein neues «Wucherprojekt» planen. So hätten sie an der Grenzacherstrasse die einzelnen Stockwerke entkernt, die nun in sieben Studios unterteilt werden sollen. Die Aktivisten fürchten, dass diese wieder überteuert auf den Markt kommen.

Eine entsprechende Baubewilligung für den Umbau wurde schon 2014 erteilt, wie beim Basler Baudepartement zu erfahren war. Seit 2017 werde gebaut. «Die Bauausführung verläuft schleppend», teilt die Medienstelle des BVD mit. Im Januar 2023 finde die nächste Baustellenkontrolle statt. Die Dauer der Bauausführung sei aber gesetzlich nicht geregelt. Sprich: Es könnte sich noch in die Länge ziehen.

Leerstände rufen Politik auf den Plan

Die Geschwister besitzen noch weitere leer stehende Wohnliegenschaften an der Garten- und Feldbergstrasse. Aus datenschutzrechtlichen Gründen konnte das Baudepartement keine Auskunft erteilen über allfällig hängige oder erteilte Baugesuche.

Die Leerstände haben inzwischen auch die Politik auf den Plan gerufen. Im Grossen Rat ist ein Anzug der SP hängig, der neue verschärfte Spielregeln fordert. «Spätestens nach zwei bis drei Jahren ist ein staatliches Handeln im öffentlichen Interesse notwendig», heisst es darin. Beispielhaft verweisen die Anzugsteller Tim Cuénod und René Brigger auf den Kanton Genf, wo solche Liegenschaften sogar enteignet werden können. Denkbar sei auch eine Besteuerung, wie sie in Österreich teilweise praktiziert werde. Der Vorstoss ist im Basler Grossen Rat noch nicht behandelt worden.

Die Geschwister konnten für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Fragen zu Miete oder Vermietung?

Hier findest du Hilfe:

Mietrecht.ch, Schlichtungsstellen nach Region

Mieterinnen- und Mieterverband, Tel. 0900 900800 (kostenpflichtig)

Casafair, Hauseigentümerverband

HEV Schweiz, Hauseigentümerverband

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