Aktualisiert 19.02.2012 21:49

SexboxenWollen Zürcher den eingezäunten Strich?

Um die Anwohner des Sihlquais zu entlasten, will die Stadt einen eigenen Strichplatz betreiben. Am 11. März stimmen die Stadtzürcher darüber ab.

von
lüs

Für den Stadtrat sind die Zustände auf dem Strassenstrich am Sihlquai unhaltbar. Zum einen für die Anwohner, zum anderen aber auch für die Prostituierten: Der Preiskampf bringe die Frauen dazu, den Schutz ihrer Gesundheit zu vernachlässigen, Ausbeutung und Gewalt durch Freier und Zuhälter sowie Menschenhandel seien an der Tagesordnung.

Die Lösung sieht die Stadtregierung auf dem Areal Depotweg in Altstetten. Dort soll ein eingezäunter, mit Sicht- und Lärmschutz versehener «Strichplatz» entstehen. Auf dem Gelände würde sich eine Rundstrecke befinden, auf der die Freier aus dem Auto heraus eine Prostituierte aussuchen können. Der Sex findet dann in einer Box statt, in die der Freier mit seinem Fahrzeug ­hineinfährt. Für den Strichplatz beantragt der Stadtrat einen Objektkredit von 2,395 Mio. Franken. Hinzu kommen jährliche Kosten von einer halben Million Franken.

Der Gemeinderat hat dem Projekt zugestimmt. Das Stadtzürcher Volk muss am 11. März darüber abstimmen, weil die SVP das Referendum ergriffen hat. Die Partei ist der Meinung, der Strichplatz löse das Problem nicht, da die Hauptursache – die Zuwanderung – ungeregelt bleibe. Neben der SVP sprechen sich lediglich EVP und EDU gegen den Strichplatz aus.

Pro: «Sicherheit wird verbessert»

Christian Traber, CVP-Fraktionschef

Um die Anwohner des Sihlquais endlich entlasten zu können, brauchen wir den Strichplatz in Altstetten. Er wird die Frauen davor schützen, von Freiern, Zuhältern oder anderen Prostituierten ausgebeutet zu werden – aber auch die Verminderung des Betrugs an den Freiern ist ein wichtiges Ziel. Auf das ­Gelände beim Depotweg werden nur Prostituierte sowie Freier in ihrem Auto gelangen können. Da es kein öffentlicher Raum sein wird, ist vorgesehen, dass eine Platzordnung erlassen wird – somit kann gegen Personen vorgegangen werden, die gegen diese verstossen.

Indem das ­Geschäft in den Boxen erledigt wird, wird es überblick­barer und kontrollierbar. Die Prostituierten sind nicht wie am Sihlquai den Freiern ausgeliefert, sie müssen nicht mehr im Auto in irgend­welche Hinterhöfe fahren. Die Boxen sind so angelegt, dass dem Lenker das Aussteigen verunmöglicht wird, auf der Beifahrer­seite für die Frau aber ein Fluchtweg vorhanden ist. Mit einem Ja zum Strichplatz wird die Sicherheit für Frauen auf dem Strassenstrich deutlich verbessert.

Contra: «Problem würde nur verschoben»

Mauro Tuena, SVP-Fraktionschef

Der Stadtrat behauptet, dass mit dem Strichplatz in Altstetten die bestehenden Probleme mit der Strassenprostitution gelöst werden ­können. Tatsächlich handelt es sich aber nicht um eine Lösung, sondern um eine Verschiebung des Problems. Alle unerwünschten Begleiterscheinungen, insbesondere das Überangebot, werden durch den Strichplatz nicht ­beseitigt. Dies haben die Erfahrungen in Dortmund deutlich gezeigt, wo der Strichplatz 2011 geschlossen werden musste, weil die Zahl der Prostituierten auf dem Areal innert drei Jahren von 60 auf 700 anwuchs. Zudem wurde das Umfeld des Platzes zur Drehscheibe für Zuhälter. Das wollen wir in Zürich nicht.

Die Erstellung und der Unterhalt des Strichplatzes werden den Steuerzahler für die nächsten zehn Jahre über 7,4 Mio. Franken kosten, wobei sich weder Freier noch Prostituierte an den Kosten beteiligen. Der Gemeinderat hat kürzlich eine Prostitutions­gewerbeverordnung erlassen, die der Stadt die Möglichkeit gibt, die Strassenprostitution massiv zu beschränken. Damit lassen sich die gravierenden Probleme am Sihlquai dauerhaft lösen. (lüs/20 Minuten)

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