Aktualisiert 21.01.2008 13:18

Wollt Ihr den totalen Cruise?

Tom Cruise wurde von einem deutschen Historiker mit dem Nazi-Propagandaminister Josef Goebbels verglichen. Nun hat Scientology reagiert – und spricht von einer «schändlichen Fehlinterpretation».

Äusserungen des Schauspielers auf einem Video seien «schändlich fehlinterpretiert» worden, erklärte Scientology in Los Angeles am Montag in einer Pressemitteilung. Jeder, der Cruise kenne, wisse, dass dieser frei von Vorurteilen sei und Angehörige anderer Religionen oder Hautfarben nicht diskriminiere.

Der Historiker Guido Knopp und der Sekten-Experte Thomas Gandow hatten Cruise in der «Bild am Sonntag» auf der Grundlage einer Rede des bekennenden Scientologen, die in einem im Internet veröffentlichten Video zu sehen ist, mit Goebbels verglichen (20minuten.ch berichtete): Die Rede erinnere an die berüchtigte Sportpalast-Rede Goebbels. Cruise ruft in dem Film offenbar vor Scientology-Mitgliedern: «Should we clean this place up?» (Übersetzung der Zeitung: «Sollen wir die Welt säubern?»), woraufhin die Menge zurückruft: «Ja!». Goebbels hatte am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast gerufen: «Wollt ihr den totalen Krieg?», was von der begeisterten Masse mit «Ja!» beantwortet worden war.

Scientology erklärte, das Video stamme von einer Veranstaltung, bei der es um die zahlreichen humanitären Projekte von Scientology gegangen sei. Dazu gehöre auch Scientologys Kampagne zur Verbreitung der Menschenrechte. Die Organisation wies in ihrer Mitteilung darauf hin, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte eine Folge des Zweiten Weltkriegs und der von Deutschland begangenen Gräueltaten gewesen sei - «Gräueltaten, die von deutscher Propaganda ermöglicht wurden».

Cruises Worte seien falsch interpretiert worden, erklärte Scientology. Er habe sich in der Rede für einen Preis bedankt, den er für seine Verdienste um die weltweite Alphabetisierung erhalten habe. Dabei habe er andere aufgefordert, sich ähnlich zu engagieren. Die Organisation und Cruise täten alles, um die Menschenrechte weltweit zu unterstützen.

In Deutschland wird immer wieder über ein Verbot der Organisation Scientology diskutiert, die im Unterschied zu den USA nicht als Kirche anerkannt ist. Die Innenminister von Bund und Ländern erklärten im Dezember vergangenen Jahres, Scientology sei eine nicht mit der Verfassung vereinbare Organisation, und beauftragten den Verfassungsschutz, alle Informationen zu sammeln, die für ein mögliches vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren erforderlich sind.

(dapd)

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