Kandidat Abdullah Abdullah: «Wollt ihr einen Präsidenten, der Mörder freilässt?»
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Kandidat Abdullah Abdullah«Wollt ihr einen Präsidenten, der Mörder freilässt?»

In Afghanistan haben tausende Menschen dem aussichtsreichsten Herausforderer von Präsident Hamid Karsai bei der Präsidentschaftswahl zugejubelt. Der frühere Aussenminister Abdullah Abdullah versprach zum Wahlkampfabschluss in einem Stadion in Kabul, im Falle eines Wahlerfolgs am Donnerstag hart für das afghanische Volk zu arbeiten.

«Wollt ihr für den Präsidenten stimmen, der Mörder und Opiumhändler aus dem Gefängnis freilässt?», rief Abdullah in Anspielung auf Amtsinhaber Karsai seinen jubelnden Anhängern zu, die Porträts des Ex-Ministers hochhielten und immer wieder seinen Namen skandierten.

Ein Helikopter warf hunderte Flugblätter über dem Stadion ab, auf denen ein Foto Abdullahs und sein Wahl-Logo abgebildet waren. Mit Bildern und Symbolen auf den Wahlzetteln soll den Afghanen, von denen rund zwei Drittel nicht lesen und schreiben können, die Abstimmung erleichtert werden.

Chancen für Abdullah

Abdullah kann sich Chancen ausrechnen, Karsai bei dem Urnengang in die Stichwahl zu zwingen. Jeder vierte Wahlberechtigte will Umfragen zufolge für den studierten Mediziner stimmen.

Insgesamt konkurrieren 41 Kandidaten um die Gunst der 17 Millionen Wahlberechtigten. Zugleich werden die 420 Vertreter der 34 Provinzräte neu gewählt.

Die Wahlen finden unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. 200'000 afghanische und 100'000 internationale Sicherheitskräfte sollen die etwa 7000 Wahllokale absichern. Am Sonntag hatten die radikalislamischen Taliban erstmals mit Angriffen auf die Abstimmungsbüros gedroht.

Umstrittener Kurswechsel

Der frühere afghanische Industrie- und Handelsminister Amin Farhang nahm Präsident Karsai unterdessen gegen den Vorwurf des Opportunismus in Schutz. Auf der Suche nach einem Konsens spreche der Präsident mit verschiedenen Kräften und versuche den besten Weg zu finden, sagte Farhang im Deutschlandradio Kultur.

Karsai war wegen Bündnissen mit früheren Kriegsherren, denen teil schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen werden, in die Kritik geraten. «Manchmal sind solche Kurswechsel nicht zu vermeiden», sagte Farhang.

(sda)

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