Aktualisiert 25.11.2015 12:11

Russischer JetWollte Erdogan die Turkmenen beschützen?

Die Türkei schoss einen russischen Kampfjet ab, weil Russland Angriffe gegen syrische Turkmenen flog. Diese sind wichtige Verbündete der Türkei.

von
ofi
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Vier Tage nach dem Abschuss eines russischen Militärflugzeuges durch die Türkei hat Russlands Präsident Wladimir Putin Sanktionen erlassen. (Archivbild / 1.12.2014)

Vier Tage nach dem Abschuss eines russischen Militärflugzeuges durch die Türkei hat Russlands Präsident Wladimir Putin Sanktionen erlassen. (Archivbild / 1.12.2014)

Keystone/Umit Bektan
Bedauert den Abschuss: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hier in Bayburt. (27. November 2015)

Bedauert den Abschuss: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hier in Bayburt. (27. November 2015)

Keystone/Yasin Bulbul
Deutschland will Tornado-Aufklärungsflugzeuge nach Syrien schicken: Militärflugzeug der Deutschen Luftwaffe. (Archiv)

Deutschland will Tornado-Aufklärungsflugzeuge nach Syrien schicken: Militärflugzeug der Deutschen Luftwaffe. (Archiv)

Keystone

Der Syrienkonflikt ist von einem Bürgerkrieg zu einem Stellvertreterkrieg geworden und droht nun zu einem internationalen Krisenherd zu werden. Seit Wladimir Putin aktiv Ziele in Syrien angreift, sind die Spannungen zwischen Russland und dem Westen immer weiter gestiegen. Infolge des Abschusses eines russischen Jets durch die türkische Luftwaffe droht die Eskalation.

Es war bereits das dritte Mal innert weniger Wochen, dass ein russischer Kampfjet den türkischen Luftraum verletzt hatte. Experten vermuten in allen drei Fällen Absicht. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, es seien keine Versehen gewesen. Doch diesmal hat die Türkei, selbst Nato-Mitglied, mit dem Abschuss des Jets reagiert, wie es Präsident Recep Tayyip Erdogan angedroht hatte.

Türkei unterstützt und beschützt syrische Turkmenen

Der Grund, warum die Türkei den Abschuss und damit die Provokation Russlands gewagt hat, ist das Ziel der letzten russischen Angriffe, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Es handelt sich dabei um das Volk der syrischen Turkmenen, enger Verbündeter der Türkei. Erdogan versteht sich als Schutzherr über die rund 200'000 Angehörigen dieser Minderheit im Norden Syriens. So haben türkische Elite-Einheiten die Turkmenen – die nichts mit Turkmenistan zu tun haben – ausgebildet und diese haben sich den von Erdogan unterstützten Anti-Assad-Rebellen angeschlossen. Die Turkmenen besetzen Stellungen, die strategisch wichtig sind im Kampf gegen das Assad-Regime.

Damit waren sie mögliche – und sind nun tatsächliche – Ziele für Russland, das den syrischen Machthaber Assad unterstützt und neben IS-Stellungen immer wieder auch Angriffe gegen die Rebellen fliegt. In den vergangenen Tagen haben sich die russischen Angriffe auf die Turkmenen und die Region konzentriert, in der der Kampfjet abgeschossen wurde.

Die Türkei reagiert mit deutlichen Taten und Worten: Der russische Botschafter wurde ins türkische Aussenministerium zitiert und Premierminister Ahmet Davutoglu sagte, die Türkei werde alles Nötige unternehmen, um sich zu verteidigen. «Statt das Feuer in Syrien zu löschen, lassen sie es über Araber, Kurden und Turkmenen regnen.»

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