Angebliche Parlamentsparty«Wollte etwas trinken – es war mir aber zu voll»
Im Restaurant Henris soll es während der Sondersession zu einer Party gekommen sein. Parlamentarier von links bis rechts verurteilen ein solches Verhalten.
Darum gehts
- Am Dienstagabend soll es zu einer Party unter Parlamentariern gekommen sein.
- 20 Minuten hat nachgefragt: Niemand will an der Feier dabei gewesen sein.
- Einige Politiker wollten auch noch etwas trinken gehen – ihnen war es im Lokal dann aber zu voll.
- Parlamentarier kritisieren eine allfällige Party.
- Ein FDP-Nationalrat hofft, dass sich die Politiker bald wieder zuprosten können.
- Parlamentarier seien selber für ihr Verhalten verantwortlich, sagt die Nationalratspräsidentin.
Zwei Meter Abstand zu den Kollegen und ausführliches Desinfizieren des Rednerpults – an der Sondersession in der Bernexpo wurde genau auf das Einhalten der Corona-Regeln geachtet. Kaum waren die Kameras aus, hätten sich die Parlamentarier aber nicht mehr so strikt an die Verhaltensregeln gehalten, hiess es im «Blick».
Laut der Zeitung war es ab 22.30 Uhr vorbei mit Distanz: Mindestens 50 – wenn nicht sogar 100 – Parlamentarier hätten sich nach der Session im Restaurant Henris versammelt, das extra für die ausserordentliche Session in Betrieb genommen worden war. Zwei Meter Abstand einzuhalten, sei mit so vielen Leuten unmöglich gewesen.
«Es war uns im Henris zu voll»
20 Minuten hat Dutzende Parlamentarier kontaktiert – doch niemand will an der Sause dabei gewesen sein. Viele geben an, dass sie erschöpft gewesen seien, nachdem sie 14 Stunden getagt hätten. Deshalb seien sie nach Ende der Session direkt ins Hotel oder nach Hause gegangen.
Einige Politiker haben mitbekommen, dass sich viele Kollegen am Dienstagabend im Henris zu einem Nach-Sessionsbier getroffen hätten. GLP-Nationalrat Martin Bäumle: «Ich hätte nach der Sitzung gerne noch ein Glas Wein im Henris getrunken. Doch mein Eindruck war, dass dort schon eher viele Personen versammelt waren, und so liess ich es bleiben.»
Ähnliche Erfahrungen machte auch SP-Nationalrat Angelo Barrile: «Nach dem langen Sessionstag wollten wir im Henris noch zu dritt an einen Tisch sitzen und uns unterhalten. Es war uns dann aber zu voll.» Zu dem Zeitpunkt habe man aber noch nicht von einer Party mit 50 Leuten sprechen können. Barrile findet harte Worte für eine allfällige Feier: «Auch ich hätte gerne etwas mit meinen Kollegen getrunken. Aber als Volksvertreter stehen wir nicht über dem Volk oder dem Gesetz. Die jetzige Situation verlangt allen grosse und kleine Opfer ab – auch den Politikern.»
Ein Parlamentarier, der anonym bleiben will, sagt: «Es waren in der Tat ungefähr 50 Leute aller Parteien im Lokal. Es war wie in einem Pub. Als ich das sah, zog ich es vor, nach Hause zu gehen.» Er habe dieses Verhalten als unangemessen empfunden. «Wie können wir verlangen, dass sich die Bevölkerung an die Regeln hält, wenn wir es selbst nicht tun?»
«Sie nehmen die Politik nicht ernst»
SVP-Nationalrat Roger Köppel weiss nichts von einer Party im Henris, aber er kritisiert die verschiedenen Massstäbe der Parlamentarier: «Den Beizern werden geradezu schikanöse Hygieneauflagen gemacht, aber die Politiker, die das verfügen, haben sich in der Sessionskantine auf engstem Raum zugeprostet. Sie nehmen die Politik nicht ernst, die sie der Schweiz verordnen.»
Andere Parlamentarier sehen es gelassener. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen: «Ich habe in einer kleinen Gruppe mit zwei Meter Abstand ein Bier getrunken und war bei dieser grösseren Angelegenheit nicht dabei.» Wasserfallen kritisiert aber, dass ein kurzes Anstossen mit Kollegen schon fast als grosse Feier angesehen werde: «Ich hoffe, dass es rasch wieder mehr Fotos von Parlamentariern beim Anstossen gibt. Die Bevölkerung muss jetzt wieder Zuversicht haben, und wir können zeigen, dass wir auf gutem Weg zurück zur Normalität sind.»
Das für das Restaurant Henris zuständige Gastrounternehmen wollte gegenüber 20 Minuten keine Stellung nehmen. Nationalratspräsidentin Isabelle Moret kommentierte das Verhalten der Parlamentarier so: «Ständeratspräsident Hans Stöckli und ich tun alles, was wir können, um sicherzustellen, dass alle die Hygieneanforderungen der Pandemie erfüllen. Diese Regeln sind auch überall auf dem Bernexpo-Gelände aufgehängt. Das Verhalten der Parlamentarier ausserhalb der Ratssäle bleibt jedoch in deren eigener Verantwortung.»



