Schaffhausen: Wollte invalider Iraker Schweizer vergasen?
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SchaffhausenWollte invalider Iraker Schweizer vergasen?

Osama M*. (27) ist einer der drei unter Terrorverdacht verhafteten Iraker. Der «attraktive Mann» sitzt im Rollstuhl und wohnte allein in Beringen SH. Dass er Extremist sei, ist nicht aufgefallen.

von
G. Looser und A. Hirschberg
In diesem Wohnhaus lebte Osama M.*

In diesem Wohnhaus lebte Osama M.*

Die Aufregung in der arabischen Gemeinschaft von Schaffhausen ist gross. An einem ihrer Treffpunkte in der Altstadt ist der mutmassliche Terrorplot der Iraker, die einen Giftgasanschlag in der Schweiz vorbereitet haben sollen, das Diskussionsthema Nummer eins. Einer der drei Verhafteten war einer von ihnen: Osama M.*, 27, irakischer Sunnit, der immer mit seinem Rollstuhl in die Moschee kam, bis ihn die Polizei Ende März verhaftete.

«Ich würde ihm den Hals umdrehen»

«Solche Leute machen unser Leben kaputt», sagt ein seit Jahren integrierter arabischer Gewerbler. «Jetzt geht es wieder los mit den Verdächtigungen und Beschimpfungen auf offener Strasse.» Ein Asylbewerber aus Syrien pafft an seiner Shisha und droht: «Wenn hier einer dieser sogenannten Daesh-Leute (Daesh = arabisch für IS, Anm. d. Red.) reinkäme, ich würde ihm persönlich den Hals umdrehen.» Man kennt Osama M., er war einer von wenigen irakischen Sunniten in Schaffhausen. Keine Familie, kaum Freunde, aber auch nichts Auffälliges. Ausser natürlich, dass der Mann im Rollstuhl sitzt und dass er in der Migros-Klubschule aussergewöhnlich schnell Deutsch gelernt habe. Dass er ein Extremist sein soll, hat keiner geahnt.

Hat er nur «einen falschen Link geklickt»?

In der Schaffhauser Moschee war Osama M. regelmässig zum Beten. Das Gebetszentrum in einem alten Gebäude in Zentrumsnähe ist religiöser Fixpunkt für eine Vielzahl der lokalen Muslime. Imam Abu Mussab gilt als gemässigter, offener Imam, der sich in seinen Predigten regelmässig gegen Gewalt ausspricht. «Bei uns gibt es nicht Schiiten und Sunniten oder Liberale und Salafisten - wir sind alles Muslime.» Dass Osama M. tatsächlich einen Terrorakt geplant hat, kann er sich nicht vorstellen. «Er verhielt sich völlig normal.» Natürlich könne es sein, dass er im Internet einen falschen Link angeklickt habe. «Aber das ist dann sein Problem.»

Ende März 2014 wurde Osama M. an seinem Wohnort in Beringen verhaftet. Acht bis neun Beamte der «Sika», der Sondereinheit der Schaffhauser Polizei, nahmen den invaliden Iraker laut Nachbarn fest und zogen ihm einen Sack über den Kopf. Seither ist Osama M. im Kanton Bern inhaftiert. Mehrere Nachbarn sagten, im Quartier sei auch noch ein zweiter Mann auf gleiche Weise verhaftet worden. Unklar ist, ob zwischen den beiden Inhaftierungen ein Zusammenhang besteht.

Aufgefallen im Quartier ist der Ausländer mit dem Rollstuhl im Familienquartier schon. «Er ist ein attraktiver Mann», sagt eine Nachbarin. Aber gekannt hat ihn niemand. Und was er plante, wusste keiner.

* Name der Redaktion bekannt

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