Regierungsrat und Kantonsarzt angezeigt: Wollte Regierungsrat eine Inspektion in Arztpraxis unterbinden?

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Regierungsrat und Kantonsarzt angezeigtWollte Regierungsrat eine Inspektion in Arztpraxis unterbinden?

Der Zuger Heilmittelinspektor erhebt Vorwürfe gegen seine zwei höchsten Vorgesetzten und einen Arzt aus dem Kanton Zug. Er glaubt, dass sie ihn extra daran hindern wollten, in der Praxis des Arztes eine Inspektion durchzuführen.

von
Martin Messmer
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Der Heilmittelinspektor des Kantons Zug wollte Ende Juli eine Arztpraxis kontrollieren.

Der Heilmittelinspektor des Kantons Zug wollte Ende Juli eine Arztpraxis kontrollieren.

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Auf «ausdrücklichen Wunsch» des Gesundheitsdirektors Martin Pfister (Bild) sei ihm das aber verwehrt worden.

Auf «ausdrücklichen Wunsch» des Gesundheitsdirektors Martin Pfister (Bild) sei ihm das aber verwehrt worden.

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Jetzt hat der Heilmittelinspektor Strafanzeigen gegen Kantonsarzt Rudolf Hauri (Bild), Gesundheitsdirektor Martin Pfister sowie den betreffenden Arzt eingereicht.

Jetzt hat der Heilmittelinspektor Strafanzeigen gegen Kantonsarzt Rudolf Hauri (Bild), Gesundheitsdirektor Martin Pfister sowie den betreffenden Arzt eingereicht.

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Darum geht es

  • Der Zuger Heilmittelinspektor Ludek Cap meldete sich Ende Juli für eine Inspektion in einer Praxis an.
  • Seine Vorgesetzten sollen ihn daran gehindert haben, die Inspektion durchzuführen.
  • Jetzt hat er Strafanzeigen gegen Kantonsarzt Rudolf Hauri, Gesundheitsdirektor Martin Pfister sowie den betreffenden Arzt eingereicht.

Sein Auftrag ist klar: Ludek Cap, seit 2007 Heilmittelinspektor des Kantons Zug, ist zuständig für die Inspektion von Apotheken und Arztpraxen, um die Einhaltung der geltenden Gesetze zu überprüfen. Genau bei der Ausführung dieser Aufgabe soll er jedoch von der Zuger Gesundheitsdirektion behindert worden sein , wie die Zuger Zeitung berichtete: Er habe nach einer irrtümlich ausgestellten Bewilligung für eine Privatapotheke eines Arztes diese Bewilligung für ungültig erklärt und zudem eine Inspektion der Praxis angekündigt, wogegen sich der Arzt gewehrt habe.

«Das ist mir in dreissig Jahren noch nie passiert»

Doch Ende Juli soll Kantonsarzt Rudolf Hauri den Heilmittelinspekter Cap «auf ausdrücklichen Wunsch des Gesundheitsdirektors» gebeten haben, auf die Inspektion zu verzichten, schreibt Cap in der Strafanzeige, die der Zuger Zeitung vorliege. Einen Tag später sei Cap dennoch bei der Praxis erschienen, worauf ihn dort die Generalsekretärin der Gesundheitsdirektion erwartet und ihm «nachdrücklich» nahe gelegt habe, doch auf die Inspektion zu verzichten. Erst am 7. August habe Cap die Praxis dennoch betreten können.

In drei Jahrzehnten «ist es mir noch nie passiert, dass meine Vorgesetzten mich an einer Inspektion hindern wollten – und das derart vehement», wird Cap im Artikel zitiert. Er habe nichts gegen den Arzt, sondern es gehe ihm um die Sache: Wegen schlimmer Mängel in der Praxis müsste dem Arzt die Bewilligung entzogen werden, wird Heilmittelinspektor Cap weiter zitiert. Weil ihm aber alle Zugänge blockiert worden seien, habe er nun Strafanzeigen eingereicht. Diese richten sich gegen Kantonsarzt Rudolf Hauri, Gesundheitsdirektor Martin Pfister sowie den betreffenden Arzt.

Auf Anfrage von 20 Minuten hiess es bei der Gesundheitsdirektion Zug, weder Hauri noch Pfister noch der zuständige Kommunikationsbeauftragte würden Stellung nehmen zu den Vorwürfen. Dies mit Verweis auf das laufende Verfahren.

Inspektor sieht Gesundheit in Gefahr

Gemäss Cap existiert in der erwähnten Arztpraxis etwa kein Qualitätssicherungssystem zum Umgang mit Arzneimitteln, Medikamente seien nicht auf die Einhaltung der Lagertemperatur überwacht worden und es fehlten Pflichtenhefte für die Mitarbeiter, berichtet die Zuger Zeitung. Zudem gebe es Mängel bei der Wiederaufbereitung steriler Instrumente. «Solche gravierenden Fälle treten selten auf», sagte Cap. Er bewerte die Situation in der Arztpraxis als kritisch und gesundheitsgefährdend.

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