Wieder patzt St. Gallen: «Wollten nicht für uns gewinnen – der Triumph wäre für die Fans gewesen» 
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Wieder patzt St. Gallen«Wollten nicht für uns gewinnen – der Triumph wäre für die Fans gewesen» 

Nach 2021 verlieren die St. Galler auch in diesem Jahr den Schweizer Cupfinal. Nach der Partie spricht Espen-Trainer Peter Zeidler von einem geplatzten Traum. Lugano-Coach Mattia Croci-Torti kann es nicht fassen.  

von
Nils Hänggi

St.-Gallen-Präsident Hüppi stellt sich eigenen Fans in den Weg.

SRF

Darum gehts

Am Schluss war der Cup-Triumph von Lugano absolut verdient. Mit 4:1 gewannen die Tessiner gegen den FC St. Gallen. Nach einem frühen Schock durch Celar kamen die Espen zwar nochmals zurück – doch dann brachen die St. Galler komplett ein. Noch vor der Pause schoss Custodio das 2:1. In der zweiten Halbzeit waren es dann Bottani und Haile-Selassie, die den Sack zumachten. Die Leistung der St. Galler? Absolut enttäuschend – besonders nach der Pause. 

Auch St.-Gallen-Trainer Peter Zeidler sah das so. Sichtlich enttäuscht nach der deutlichen Pleite, die auch noch höher hätte ausfallen können, meinte er: «Es war das wichtigste Spiel in der Saison. Es war unser grosser Traum, diesen Final zu gewinnen. Doch das haben wir nicht geschafft.» Zwar sei sein Team nach dem frühen Schock gut zurückgekommen, doch dann sei es wieder eingebrochen. «Die Spieler waren viel zu unkonzentriert.» Es sei einfach enttäuschend, den zweiten Final innert eines Jahres zu verlieren. 

Mattia Croci-Torti ist überglücklich

Und nicht nur der 59-Jährige empfand so. Als der Schiedsrichter die Partie abpfiff, waren alle St.-Gallen-Spieler fassungslos. «Es ist unglaublich bitter», so Espen-Captain Lukas Görtler später. Im Gegensatz zu seinem Coach sah er eine gute erste Halbzeit seiner Mannschaft – mit einer Ausnahme: «Die zwei Tore waren ein Nackenschlag.» Der 27-Jährige ärgert sich über alle Gegentreffer. «Wir betreiben unglaublich viel Aufwand, um vor das Tor zu kommen, und der Gegner schiesst einfach vier Tore.» Die Enttäuschung der FCSG-Fans versteht er. «Jeder wollte gewinnen, jeder war bereit», sagt Görtler. «Wir wollten nicht für uns gewinnen, nicht für einen Titel in unserem Lebenslauf. Der Triumph wäre für die Fans gewesen.» 

Ganz anders war die Gemütslage aufseiten der Tessiner. Die Freude bei ihnen? Riesig. Für den FC Lugano war es der erste Titelgewinn seit 29 Jahren, schon 1993 jubelte das Tessin über den Cupsieg der FCL. Nun hat der Club den Schweizer Cup zum vierten Mal gewonnen. Coach Mattia Croci-Torti meint: «Ich war der erste Tessiner Trainer im Cupfinal, heute bin ich der erste Tessiner, der den Cupfinal auch gewinnt. Ich bin sehr zufrieden.» Kevin Rüegg sagt: «Es ist so schön, so viele Fans sind hierhergefahren. Zwar waren zu Beginn die St. Galler in der Mehrheit, aber jetzt sind hier nur noch unsere Anhänger auf dem Platz zu sehen – wunderschön.»

Hier ist die Laserpointer-Attacke im Video zu sehen.

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Laserpointer-Attacke aus Lugano-Sektor

Apropos Fans. Der Cupfinal war nicht nur ein reines Fussballfest. Immer wieder musste der Schiri die Partie unterbrechen. Die Gründe waren unterschiedlich. Entweder zündeten Fans beider Lager Pyros und Raketen, sodass Nebel das Spielfeld einhüllte. Und kurz vor dem 1:1 gab es eine Laserpointer-Attacke auf die St.-Gallen-Spieler aus dem Tessin-Sektor. Der Stadionsprecher ermahnte mehrmals die Fans damit aufzuhören, ehe der Schiri die Partie kurzzeitig unterbrach.

Nach dem Ende stürmten die Luganesi dann den Rasen, um mit den Spielern zu feiern. Scheinbar zu viel des Guten für einige St. Galler Krawallbrüder, die ebenfalls den Platz stürmten. Espen-Boss Matthias Hüppi stellte sich den Fans in den Weg – mit Erfolg. Es kam zu keinen Auseinandersetzungen auf dem Feld. Darauf angesprochen meinte Görtler: «Das habe ich gar nicht mitbekommen.» Er könne nur sagen, dass die Fans sie unglaublich unterstützt hätten.  

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